Herbststurm "Herwart" Sturmflut spült Strand auf Wangerooge weg

Mehrere Tote, umgestürzte Bäume, überflutete Keller: Herbststurm "Herwart" hat in Deutschland und den Nachbarländern gewütet. Wo es wie schlimm war und wo nun Schnee fällt - der Überblick.

DPA

Ein heftiger Herbststurm hat am Wochenende in Deutschland, Polen und Tschechien schwere Schäden hinterlassen. In allen drei Ländern warf der Wind viele Bäume um, die Straßen blockierten und den Verkehr behinderten. Mehrere Menschen kamen ums Leben.

In Deutschland waren der Norden und Osten besonders betroffen. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 176 Kilometern pro Stunde am Fichtelberg und von 144 Kilometern pro Stunde auf Fehmarn. Mittlerweile ist der Sturm abgeflaut, die Aufräumarbeiten sind im Gange. Die Bahn kann allerdings den Betrieb wichtiger Strecken erst am Montag wieder aufnehmen. Lesen Sie hier den aktuellen Stand zum Bahnverkehr.

Hier hat "Herwart" besonders schwere Schäden verursacht:

In Hamburg musste die Feuerwehr bis zum Sonntagmorgen 550 Mal ausrücken - meist wegen Bäumen und Ästen auf Straßen, aber auch auf Autos und Häusern. Am Hamburger Hafen trat am Sonntagmorgen die Elbe über die Ufer. Der Hamburger Fischmarkt wurde gesperrt, außerdem waren die Zufahrten zur HafenCity - in der sich auch die Redaktion von SPIEGEL ONLINE befindet - bis zum Mittag abgeriegelt.

Bei mehreren Wohngebäuden am Sandtorkai in der Hamburger HafenCity konnten die Flutschutztore nicht mehr rechtzeitig geschlossen werden. Zum Teil liefen Garagen rund 30 Zentimeter mit Wasser voll, wie ein Einsatzleiter der Feuerwehr vor Ort sagte. Warum die Schutzvorrichtungen nicht frühzeitig fachmännisch geschlossen wurden, ist bislang unklar. Anwohner berichteten SPIEGEL ONLINE, die dafür zuständige Firma habe die Dramatik der Lage am Morgen nicht richtig eingeschätzt und zu spät reagiert. Aus diesem Grund schlossen die Anwohner die Flutschutztore auf eigene Faust.

Auf der ostfriesischen Insel Wangerooge hat die schwere Sturmflut Massen an Sand weggespült. Der Sand am Bade- und Burgenstrand sei zu 80 Prozent verschwunden, sagte Insel-Bürgermeister Dirk Lindner. Ein Teil der unteren Promenade, über die man direkt an den Strand gehen konnte, wurde ins Meer gespült. Wegen der meterhohen Abbruchkante seien zwei Strandübergänge gesperrt. Die Schäden in anderen Bereichen der Insel könne man erst am Montag beurteilen, wenn das Nachthochwasser weg sei.

Vor der Nordseeinsel Langeoog treibt ein Frachter auf den Strand zu. Mehrere Schleppversuche sind bisher fehlgeschlagen. Der Frachter hat unter anderem 1800 Tonnen Schweröl geladen.

Glory Amsterdam vor der Insel Langeoog
Havariekommando

Glory Amsterdam vor der Insel Langeoog

In Hessen war der Wind zeitweilig so stark, dass ein aus den USA gekommener Airbus 380 der Lufthansa außerplanmäßig in Stuttgart landen musste. In Frankfurt, dem eigentlichen Ziel der Maschine, waren die Böen zu heftig.

In Berlin wurde ein Fußgänger von einem umkippenden Baugerüst schwer verletzt. In Sachsen-Anhalt und Bayern verletzten sich Autofahrerinnen, die mit ihren Wagen gegen umgestürzte Bäume prallten. In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor Ästen und verletzte sich.

In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau im Krankenhaus gestorben, nachdem sie auf dem Peenestrom mit einem Motorboot gekentert war. Ein Mitfahrer konnte gerettet werden. Ein weiterer Mann wird noch vermisst. Die Suche nach ihm soll am Montag fortgesetzt werden.

Auf der A20 in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke aus. Dabei verletzten sich zwei Menschen.

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Herbststurm: Hier hat "Herwart" besonders gewütet

In Niedersachsen wurde ein 63-Jähriger am Ufer des Jadebusens von der Sturmflut überrascht. Der Mann habe mit seinem Bruder auf einem Campingplatz am Strandbad Sehestedt in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festhalten. Er wurde von einer DLRG-Schlauchboot-Besatzung am frühen Morgen gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot geborgen. Die Männer stammen aus Nordrhein-Westfalen.

In Polen starb ein Mann bei einem durch den Sturm verursachten Autounfall. In Tschechien starben am Sonntagvormittag zwei Menschen. Beide wurden von Bäumen erschlagen. Hunderttausende Haushalte waren in ganz Tschechien ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. In der Slowakei rieten die Behörden vor dem Feiertag Allerheiligen von Besuchen an den Gräbern von Angehörigen ab.

Nun wird es kühler

Nach den schweren Schäden bläst der Wind in Deutschland zum Wochenbeginn wieder schwächer. Zugleich fallen die Temperaturen. In der Nacht zum Montag sollte es bis auf 600 Meter hinunter schneien, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Offenbach mitteilte.

Am Montag bleibt es überwiegend trocken. Mit Temperaturen zwischen sieben und 13 Grad bleibt es kühl. In der Nacht zum Dienstag fallen die Temperaturen auf vier bis null Grad, im Bergland soll es Frost geben.

lgr/dpa

insgesamt 22 Beiträge
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panzerknacker 51 29.10.2017
1. Und ...
jetzt alle im Chor: KLIMAWANDEL!
präkariat 2.0 29.10.2017
2. Klimawandel ?
Das gab es früher auch schon, also als es Klima noch gar nicht gab. Deswegen heißen viele Straßen in Küstenstädten hier im Norden ja auch Strandweg.
Dokoqueen 29.10.2017
3. Klimawandel!
Auch, wenn mein Vorschreiber es wohl eher ironisch gemeint hat..ich kann da nicht mehr drüber lachen. So viele Wetterextreme wie in diesem Jahr hab ich bisher noch nicht erlebt. Allein hier, in Berlin und Brandenburg - im Juni der tagelange Starkregen, der Straßen in Flüsse verwandelte und U-Bahnhöfe unter Wasser setzte. Dann im Oktober die beiden Stürme. Sowas ist schon auffällig. Dabei leben wir hier in Deutschland ja zum Glück in klimatisch relativ ruhigen Zonen. Über die Hurrikans in der Karibik und die heftigen Monsunrgelfälle in Südasien brauchen wir gar nicht zu reden. Und in weiten Teilen Afrikas leiden die Menschen unter extremer Trockenheit. Aber NEIN - Klimawandel, das ist doch ne Erfindung der Chinesen, oder der linken Gutmenschen, der Grünen oder der EU (sucht Euch was aus!)
markusmuc 29.10.2017
4. Es wird kühl
Aha, jetzt sind 13 Grad schon kühl. Naja, in Zeiten den KLIMAWANDELS kann man schon froh sein, wenn es Weihnachten unter 25 Grad hat. Ich kann mich noch an Schnee erinnern, als ich ein Kind war. Aber so extremes Wetter würden die Deutschen heute nervlich wohl nicht mehr verkraften. Dann doch lieber so.
maerzen 29.10.2017
5. Irreführende Überschrift
Der Strand ist nicht weggespült, er ist überspült. Es ist nicht so, das sich ein großes Loch auftut, wenn das Wetter wieder ruhiger wird und sich das Wasser zurückzieht. War in der Vergangenheit auch schon x-mal der Fall und der Strand hat bis heute überlebt.
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