Sturmgewitter Heftige Unwetter wüten über Norddeutschland

Starke Regenschauer, schwere Sturmböen, Blitze: Heftige Unwetter sind am Abend über Norddeutschland gezogen. In Schleswig-Holstein und Hamburg liefen die Keller voll, auf der Alster kenterten kleine Segelschiffe. Die Bahnlinie zwischen Hannover und Bremen musste gesperrt werden.


Bremen - Starke Unwetter haben am Donnerstagabend in Teilen Deutschlands für überschwemmte Straßen und umgestürzte Bäume gesorgt. Am frühen Abend zog laut Deutschem Wetterdienst ein schweres Gewitter durch die Kölner Bucht. Später zogen die Gewitter über Norddeutschland hinweg.

Bei Bremen musste nach Angaben der Feuerwehr die Bahnstrecke nach Hannover kurzfristig gesperrt werden, weil ein Fußgängertunnel voll Wasser gelaufen war und Passanten auf den Gleisen liefen. Die Bremer Feuerwehr musste innerhalb von 45 Minuten zu 30 Einsätzen ausrücken. Keller liefen voll Wasser, Äste fielen auf Fahrbahnen.

Auch in Hamburg gab es viele Einsätze der Rettungskräfte, Straßen standen unter Wasser, Äste lagen auf den Straßen, auf der Alster kenterten kleine Segelschiffe. "Sie wurden aber alle gerettet", hieß es.

Containerschiff losgerissen

Im Hafen riss sich ein Containerschiff los und trieb in Richtung Museumshafen Övelgönne. Das Schiff konnte jedoch von Hafenschlepper aufgehalten werden und wieder zurück zum Kai gebracht werden. Ein zweites Containerschiff drohte sich ebenfalls loszureißen und wurde festgehalten. Auf dem Volksfest Hamburger Dom mussten zahlreiche Fahrgeschäfte ihren Betrieb einstellen und die Besucher nach Hause gehen.

Auch in Schleswig-Holstein standen in mehreren Städten Straßen unter Wasser, die Feuerwehren waren mit zahlreichen Fahrzeugen im Einsatz, um Keller leer zu pumpen und umgeknickte Bäume von den Straßen zu räumen. In Husum gingen dicke Hagelkörner nieder, die zahlreiche Autos beschädigten, teilte die Polizei mit. Auch in St. Peter-Ording, Friedrichstadt und im südlichen Nordfriesland hatten Helfer alle Hände voll zu tun.

Entwurzelte Bäume und überspülte Straßen meldete auch die Polizei in Hannover. Bei der Straßenbahn wurde durch das Unwetter eine Oberleitung abgerissen, es musste ein Busersatzverkehr eingerichtet werden. Meldungen über Verletzte gab es zunächst nicht.

Laut DWD sollen die Gewitter in der Nacht ostwärts abziehen. Dabei muss mit Starkregen, Hagel und Sturmböen gerechnet werden. Auch einzelne Tornados konnten nicht ausgeschlossen werden.

1300 Blitze in 15 Minuten

Nach Angaben des Wetterdienstes meteomedia ist das Nordseetief "Christine" für die Wetterlage verantwortlich. Seit Donnerstagnachmittag gebe es örtlich unwetterartige Gewitter. Bis zu 1300 Blitzentladungen wurden in einem Gewitter binnen nur 15 Minuten erreicht, hieß es weiter. Heftiger Regen mit bis zu 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb von ein bis zwei Stunden fiel auf der Nordseeinsel Wangerooge und in Norden-Norddeich. 40 Liter pro Quadratmeter seien in nur einer Stunde in Schleswig erreicht worden.

Sturmböen von bis zu 94 Kilometern pro Stunde ermittelte der Wetterdienst im niedersächsischen Delmenhorst. "Besonders in Ostwestfalen und entlang der Weser kam es häufig zu Sturmböen von über 80 Stundenkilometern", sagte Stefan Laps, Meteorologe der Unwetterzentrale. Der Flughafen Hannover meldete eine Sturmböe von 102 Kilometern pro Stunde. Orkanartige Böen von 111 Stundenkilometern maßen die Meteorologen am Abend am Bodensee.

Am späten Donnerstagabend sowie in der Nacht zum Freitag muss von Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen sowie im gesamten Süden und Südosten Deutschlands noch gebietsweise mit kräftigen Schauern und Gewittern gerechnet werden. Diese können örtlich unwetterartig ausfallen und mit starkem Regen, Hagelschlag und schweren Sturmböen einhergehen.

amz/AP/dpa



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