Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sturm "Elon" wütet über Deutschland: Bahnchaos, Überschwemmungen und verletzte Schüler

Sturm über Norddeutschland: Keine Entspannung in Sicht Fotos
DPA

Er ist da, der erste schwere Sturm des Jahres. Im Norden knickten zahlreiche Bäume um, Bahngleise wurden blockiert und der Hamburger Fischmarkt überschwemmt. Nun zieht das Tief nach Süden ab. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Hamburg - Das Sturmtief "Elon" ist über den Norden hinweggezogen und hat Hunderte Einsätze von Polizei und Rettungskräften nach sich gezogen. Zudem blockierten umgestürzte Bäume die Bahngleise. Die Fernverkehrsstrecken Hamburg-Hannover, Hamburg-Berlin und Hamburg-Bremen waren zeitweise gesperrt, wie die Bahn mitteilte. Damit war auch die ICE-Linie über Kassel nach Frankfurt und München unterbrochen. Auch auf anderen wichtigen Routen kam es zu zahlreichen Verspätungen. In Berlin waren einige S-Bahn-Strecken unterbrochen.

In der Nähe des Bahnhofs im sächsischen Reuth ist ein Baum auf einen Regionalexpress gestürzt. Die mehr als 60 Fahrgäste mussten am Freitagabend den Zug verlassen. Rettungskräfte brachten sie zu Bussen, mit denen sie nach einiger Zeit ihre Fahrt fortsetzen konnten, wie ein Sprecher der Bundespolizei in Pirna mitteilte. Bei dem Unfall auf der Strecke zwischen Plauen (Sachsen) und Hof (Bayern) wurde niemand verletzt. "Die Strecke ist jetzt aktuell gesperrt", sagte der Sprecher. Wie lange es dauern wird, den Baum aus den Starkstrom-Oberleitungen und vom Zug zu beseitigen, war zunächst unklar.

Bis zum Nachmittag musste allein die Feuerwehr in Hamburg rund 450 Einsätze bewältigen, meist wegen umgestürzter Bäume. Autos wurden beschädigt und Oberleitungen abgerissen. Der wohl schwerste Zwischenfall ereignete sich an einer Gesamtschule im Stadtteil Bahrenfeld. Dort wurde ein Kletterbaum umgeweht, der zwei Mädchen traf. Beide sind schwer verletzt, ein weiteres Kind erlitt einen Schock.

Am Abend wurde der Hamburger Fischmarkt überschwemmt. An der Fischauktionshalle schwappte das Wasser der Elbe über die Hafenkante, der angrenzende Parkplatz war geflutet. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartetete in Hamburg-St. Pauli einen Wasserstand von bis zu zwei Metern über dem Mittleren Hochwasser. An der Nordseeküste stellten viele Fähren ihren Betrieb ein.

In Prenzlau in Brandenburg musste eine Grundschule evakuiert werden, nachdem der Sturm das Dach weggefegt hatte. Keiner der rund 300 Schüler wurde verletzt. Polizei und Feuerwehr waren auch in Sachsen-Anhalt im Dauereinsatz. Orkanböen mit bis zu 160 Stundenkilometern fegten über den höchsten Berg Norddeutschlands, den Brocken.

In Berlin brach der Fußball-Bundesligist Hertha BSC wegen des Unwetters das Training ab. Die Mannschaft verließ fluchtartig den Platz. Auch der Hamburger SV brach sein Training im Freien wegen des Sturms vorzeitig ab.

Die Stadt München verschickte wegen befürchteter Orkanböen per Katastrophenwarnsystem "Katwarn" eine Unwetterwarnung an die Handys registrierter Bürger. Das Bayerische Landesamt für Umwelt ging davon aus, dass sich "die Hochwasserlage am Wochenende deutlich verschärfen" wird. Das gelte vor allem für den Bayerischen Wald.

Auch Nordrhein-Westfalen wappnet sich für ein Sturmwochenende. In Köln wurde am Freitag die Domplatte abgeriegelt, um Passanten vor möglicherweise herabfallenden Steinen zu schützen. In Düsseldorf ordnete das Gartenamt vorsorglich die Schließung der Friedhöfe und eines Wildparks an. Für Samstag wurden die Wochenmärkte abgesagt.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist frühestens Ende der kommenden Woche mit einer Beruhigung zu rechnen. Ursache dafür ist ein riesiges Zentraltief über Island ("Christian"), das immer wieder kleinere Tiefdruckgebiete nach Europa schickt. In der Nacht zum Samstag verlagere sich das Sturmfeld nach Süddeutschland, berichtet das Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK).

Während des Sturms sollten Betroffene möglichst im Haus bleiben, um die Gefahr von etwaigen Verletzungen durch umherfliegende Gegenstände zu vermeiden. Die Polizei in Schleswig-Holstein riet dazu, Abstand insbesondere zu Baugerüsten, Werbetafeln und Hochspannungsleitungen zu halten. Sturmschäden wie beschädigte Dächer sollten besser erst nach einem Unwetter begutachtet werden

Polizei und Feuerwehr riefen zudem dazu auf, das eigene Auto vorausschauend und sicher abzustellen. Fahrzeuge sollten etwa in Garagen geparkt oder zumindest nicht in der Nähe von Baustellen, älteren Gebäuden sowie Bäumen platziert werden. Von diesen löse der Wind besonders oft Teile.

An Häusern sollten die Bewohner bekannte Schwachstellen wie lose Ziegel sowie Gartenmöbel, Mülltonnen und andere Dinge sichern, damit diese nicht umhergewirbelt würden. Weihnachtsbäume sollten nicht einfach auf dem Bürgersteig liegen gelassen, sondern festgebunden werden.

jbe/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. der schwerste Sturm des Jahres?
Ri Chie 09.01.2015
Das ist eine sehr mutige Aussage, wenn man bedenkt dass das Jahr gerade mal 9 Tage alt ist...
2. Waaaaaaaaaas?!
Verbrecher 10.01.2015
Es braucht sicherlich keinen Sturm, um bei der Bahn für Chaos zu sorgen. Eine Schneeflocke auf dem Gleis reicht schon.
3. Vergleich Nord- und Süddeutschland
Butenkieler 10.01.2015
Warum sind 10 Windstärken in Süddeutschland eine größere Gefahr als die gleiche Stärke in Norddeutschland? Wenn wir hier in Schleswig-Holstein einen Wind von Beaufort 6 haben ist das in Süddeutschland ein ausgewachsener Orkan, vor dem die Wetterexperten total ausflippen. Verkehrte Welt. Auch hier fallen Bäume um, Dächer fliegen durch die Luft. Es gibt Verletze. Aber in Süddeutschland wird es dann so dramatisiert, als würde die Bewohner schon wegfliegen.
4. Kreisen sie noch?
singlesylvia 10.01.2015
Wieviel Windstärke können die eigentlich die Windkrafträder ab, bevor sie "gone" sind "with the wind"?
5.
regelaltersrentner 10.01.2015
Zitat von singlesylviaWieviel Windstärke können die eigentlich die Windkrafträder ab, bevor sie "gone" sind "with the wind"?
Ab 90 km/h werden die meisten Windräder abgestellt, da es sonst zu Beschädigungen kommen kann.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: