Sturz von der Straße Viele Tote bei Busunfall auf der Autobahn

Es ist das schwerste Busunglück in Deutschland seit 15 Jahren: Auf der A14 in Sachsen-Anhalt ist ein Bus aus Nordrhein-Westfalen voller Senioren in die Böschung gekippt - mindestens 13 starben, Dutzende wurden verletzt. Die Polizei prüft nun die Schuld eines Lkw-Fahrers.


Könnern - Bei einem Busunglück auf der Autobahn A 14 zwischen Dresden und Magdeburg wurden bei Könnern in Sachsen-Anhalt 13 Menschen getötet und mindestens 31 Fahrgäste verletzt. Es könne sein, dass sich die Zahl der Todesopfer noch weiter erhöhe, sagte Polizeisprecher Ralf Moritz. Viele der etwa 30 Verletzten befänden sich in kritischem Zustand. Insgesamt saßen 48 Passagiere in dem Fahrzeug.

Es ist das schwerste Busunglück in Deutschland seit September 1992. Damals verunglückte in der Nähe von Donaueschingen im Schwarzwald ein Reisebus - 21 Menschen starben.

Am Abend wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich, als zwei Kräne den Bus auf die Fahrbahn hievten. Der Reisebus war im hinteren Teil komplett zerstört. Vom Fahrgastraum war an dieser Stelle nichts mehr zu sehen.

Rettungskräfte waren bereits seit dem frühen Nachmittag mit einem Großaufgebot und etwa fünf Hubschraubern im Einsatz, um die Opfer zu bergen. Der Bus aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen kam laut Polizei in Fahrtrichtung Halle zwischen Plötzkau und Könnern gegen 13.45 Uhr von der Autobahn ab und stürzte eine Böschung hinunter.

Vermutlich fuhr ein Lastwagen ungebremst auf den Bus auf, nachdem dieser am Ende eines Staus zum Stehen gekommen war oder seine Geschwindigkeit stark reduziert hatte. "Davon gehen wir nach dem ersten Stand unserer Ermittlungen aus", sagte ein Sprecher der Polizei Dessau am Abend. Entsprechende erste Angaben hatte offenbar auch der Busfahrer gemacht, der den Unfall überlebte. Der Fahrer des Lastwagens ist laut Polizei verletzt und steht unter Schock. Seine Herkunft werde noch geprüft. Nach ADAC-Informationen soll der Lkw eine Baumaschine geladen gehabt haben.

Auf der Autobahn herrschten zur Unfallzeit unübersichtliche Zustände, da fast an der gleichen Stelle auf der Gegenfahrbahn am Morgen ein mit Bauschutt beladener Lastwagen wegen eines geplatzten Reifens umgekippt war. Durch die Bergungsarbeiten war die Fahrspur am Mittag eingeengt. Nach dem Busunfall blieb die Autobahn in Richtung Halle für Stunden gesperrt. Auch auf den Umleitungsstrecken bildeten sich kilometerlange Staus.

Während der dramatischen Aktion wurden Reisende von einem Großaufgebot an Rettungskräften aus dem demolierten Fahrzeug geborgen. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da der Bus hangabwärts liegt. Das Wrack des Busses deswegen an einem Haken gesichert.

"Die Rettungskräfte arbeiten unter schwersten Bedingungen", sagte ein Sprecher. Die fünf Rettungshubschrauber brachten die Schwerverletzten in die Universitätskliniken nach Magdeburg und Halle. Die leicht Verletzten würden in einem Notzelt des Roten Kreuzes behandelt.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) reiste an die Unfallstelle und sprach von dem furchtbarsten Busunglück in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland. Auf der Suche nach der Unfallursache vermaßen zwei Spezialisten der Sachverständigenorganisation DEKRA die Spuren, die der Bus bei dem Unfall auf der Autobahn und an der Böschung hinterlassen hat.

Busfahrer galt als "sehr zuverlässig"

Der Fahrer des verunglückten Reisebusses galt nach Angaben des Reiseveranstalters Strier Reisen als "sehr zuverlässig und erfahren". Der Geschäftsführer des Unternehmens, Thomas Strier, sagte, der Fahrer habe den Unfall überlebt und sich bereits beim Unternehmen gemeldet. "Er stand total unter Schock", sagte Strier.

Der Scania-Bus sei erst vier Jahre alt gewesen. Der Unglücksbus war nach seinen Angaben mit 48 Passagieren und dem Fahrer an Bord von Hopsten im Kreis Steinfurt nach Dresden aufgebrochen und sollte erst am Samstag zurückkommen. Organisiert habe die Fahrt ein landwirtschaftlicher Ortsverein.

Trauer im westfälischen Hopsten

Die Nachricht vom Busunfall hat in Hopsten, dem Heimatort der Unfallopfer, für Erschütterung gesorgt. Der Ortsvorsteher Johannes Kramer sagte: "Das wird sehr große Trauer geben." Bei der Reisegruppe handele es sich um ältere Hopstener Landwirte, die jedes Jahr eine Tour machten. "Am Sonntagabend habe ich noch mit einigen von ihnen gesprochen." Die Gemeinde hat ein Notfallzentrum eingerichtet, indem Angehörige der Toten und Verletzten von Notfallseelsorgern betreut werden.

Der Ortsvorsteher berichtete, das Ziel der Reisegruppe sei diesmal die Region um Dresden gewesen. "Meine Frau ist da auch schon öfter mitgefahren", sagte Kramer. Diesmal sei sie allerdings zu Hause geblieben. Der Ortsvorsteher betonte, der Ibbenbürener Reiseveranstalter, der die Busreise organisiert habe, gelte als sehr zuverlässig. "Damit sind wir schon in meinen Jugendzeiten gefahren", sagte der 60-Jährige.

jjc/tno/dpa/AP/ddp/Reuters



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