Südafrika: Polizei gibt mehr als 40 gestrandeten Walen den Todesschuss

Drama an der Küste Südafrikas: Dutzende Wale sind an einen Strand nahe Kapstadt gespült worden - und haben den Todeskampf verloren. Hunderte Helfer versuchten vergebens, die verirrten Tiere zurück in den Atlantik zu bringen. Ein Polizist musste schließlich mehr als 40 von ihnen erschießen.

Kapstadt - Bis zuletzt harrten Hunderte Menschen im eisigen Wasser aus und zerrten verzweifelt an den tonnenschweren Leibern. Doch der Wettlauf gegen die Zeit ging verloren: Auf der Kap-Halbinsel in Südafrika sind mehr als 40 gestrandete Wale erschossen worden. Zuvor hatten Tierschützer, Wissenschaftler und Freiwillige einen Tag lang alles versucht, um die Grindwale und Kleinen Schwertwale zurück in den Atlantik zu bringen. Ein Polizist setzte dem Todeskampf der Tiere am Strand von Kommetjie schließlich ein Ende. Er erschoss 41 oder 42 der Wale, berichtete die Zeitung "Cape Argus" am Sonntag.

Der Meeresbiologe Mike Meyer sagte, dies sei die humanste Lösung für die Tiere gewesen, die sonst langsam an Organversagen gestorben wären. Nan Rice von der regionalen Schutzgruppe für Delfine pflichtete ihm bei: "Ich bin ziemlich traurig, aber es ist der richtige Weg", sagte sie der südafrikanischen Nachrichtenagentur Sapa. Insgesamt waren 55 bis zu fünf Tonnen schwere Wale gestrandet, nur wenige fanden den Weg zurück ins offene Meer.

Am Samstag in der Morgendämmerung schwammen erst nur ein paar, später immer mehr Wale ins seichte Wasser in der Nähe von Kapstadt - auch schwangere Weibchen und gerade geborene Kälber. "Sie sind wie Schafe. Wenn einer an Land schwimmt, folgen ihm die anderen", sagte Meyer der "Cape Argus". Tierforscherin Meredith Thornton von der Universität Pretoria vermutete einen "Rechenfehler" im eigentlich ausgefeilten Navigationssystem der Wale. Vielleicht sei das Leittier, meist ein Weibchen, auch krank gewesen. An Australiens Küsten stranden häufig Wale. In Südafrika passiert das seltener, vor allem in dieser Größenordnung.

Helfer schrien, brachen in Tränen aus

Als die Nachricht von dem Drama an der Küste die Runde machte, eilten Hunderte Menschen nach Kommetjie. In Neoprenanzügen stiegen sie ins eiskalte Wasser, um den Meeressäugern mit bloßen Händen zu helfen. Mit schweren Baumaschinen wurden einige Wale zurück ins Wasser geschoben. Manche Helfer schwammen mit den Säugern bis weit hinaus, doch jedes Mal machten die Tiere eine Kehrtwende. Für die meisten war das der Untergang. Als die Schüsse des Polizisten dem Drama am Strand ein Ende setzten, schrien viele der erschöpften Helfer auf und brachen in Tränen aus.

Wissenschaftler rätseln bis heute, warum Wale stranden. Tierschützer meinen, ihr Orientierungssinn werde durch Lärm im Meer etwa durch U-Boote oder Ölbohrungen gestört. Eine andere Theorie ist, dass sie Beute ins seichte Wasser hinterher jagen. Die Behörden der Stadt gaben am Sonntag eine Warnung für Surfer und Badende aus, die Gewässer um Kommetjie zu meiden. Möglicherweise könnten durch die Tierkadaver Haie angelockt werden, hieß es.

Wale verfügen wie Delfine über einen Tiefenmesser, ein Echolot. Die Tiere geben Schallwellen ab, die zurückgeworfen werden, wenn sie auf ein Hindernis treffen. Sonargeräte und seismische Schallerzeuger, wie sie zur Suche nach Rohstoffen oder feindlichen U-Booten eingesetzt werden, können das empfindliche Gehör der Wale schädigen. Auch bei dem aktuellen Fall in Südafrika vermuten Beobachter eine "Geräuschverschmutzung", nachdem es in der vergangenen Woche in der False Bay auf der anderen Seite der Kap-Halbinsel eine Marine-Übung gegeben hatte.

Ines Bellinger, dpa

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