Südamerika Flüchtlingsschiff gesunken - über hundert Tote

Vor der Küste Kolumbiens sind bei einem Schiffsunglück mehr als 100 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Nur neun Menschen konnten gerettet werden. Das Schiff aus Ecuador war offenbar völlig überladen.


Quito - Mit knapp 120 Menschen an Bord sei das Schiff aus Ecuador etwa 220 Kilometer vor der Insel Malpelo im Pacifik gesunken, teilten die Behörden mit. Bei den Überlebenden handele es sich um sieben Männer und zwei Frauen, die sich an Holzkisten und Bojen über Wasser gehalten hatten. Sie seien von einem Fischkutter gerettet worden. Die übrigen Menschen seien vermutlich "mit dem Boot untergegangen", sagte ein Sprecher. Es gebe kaum noch Hoffnung weitere Überlebende zu finden. Mehrere Flugzeuge, Schiffe und Hubschrauber seien auf der Suche nach den Vermissten.

Das für nur 15 Personen zugelassene Schiff sei völlig überladen gewesen und bei rauer See nach einer großen Welle gekentert, berichtete der Sprecher. Die meisten Menschen seien im Laderaum gewesen und hätten nicht aus dem sinkenden Schiff entkommen können. 13 seien schließlich an die Meeresoberfläche gekommen, von denen aber vier später ertrunken seien. Das Unglück habe sich am Freitagabend ereignet. Die kolumbianische Marine wurde nach eigenen Angaben aber erst am Dienstagabend über den Untergang des Schiffes informiert.

Das Flüchtlingsboot hatte den Hafen von Manta in Ecuador am Donnerstag ohne Genehmigung verlassen. Die Menschen seien auf dem Weg nach Zentralamerika gewesen, um von dort illegal in die USA zu kommen. Seit 1999 haben rund 500.000 Ecuadorianer ihr politisch unsicheres Heimatland verlassen. Viele der Auswanderer bezahlen Schmuggler dafür, sie nach Mittelamerika und von dort in Richtung Mexiko und der US-Grenze zu bringen.



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