Südkorea Bergung von "Sewol"-Wrack hat begonnen

Beim Untergang der Fähre "Sewol" vor knapp drei Jahren waren 304 Menschen ums Leben gekommen, neun Leichen werden noch immer vermisst. Nun haben Bergungskräfte das Wrack der südkoreanischen Fähre angehoben.

REUTERS

Im April 2014 sank die südkoreanische Fähre "Sewol", 304 Menschen verloren bei dem Unglück ihr Leben. Nun hat die Bergung des Wracks begonnen. Die Bergungskräfte hoben das Schiff an, meldete die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Vertreter des Ozean- und Fischereiministeriums. Ein Teil des Schiffsrumpfes war auf Fotos bereits an der Wasseroberfläche zu sehen.

Die 76 Millionen Dollar teure Bergung dürfte mehrere Tage dauern. Wenn das Wrack an der Wasseroberfläche ist, soll eine Art Tauchboot unter das Schiff gleiten, um es dann bis zum Hafen von Mokpo zu bringen. Dort soll die Fähre im Trockendock durchsucht werden. Es gibt Vermutungen, dass sich neun bislang nicht gefundene Leichen in dem Schiffswrack befinden könnten.

Das Wrack lag zuvor mehr als 40 Meter unter Wasser. Die ursprünglich für vergangenes Jahr geplante Bergung war wegen schlechten Wetters mehrmals verschoben worden. Die Behörden hatten unter anderem befürchtet, dass das 145 Meter lange Wrack auseinanderbrechen könnte.

Fotostrecke

8  Bilder
"Sewol"-Untergang: Südkoreas Katastrophe

Die Bergung der "Sewol" ist eine Hauptforderung der Hinterbliebenen, deren Angehörige noch nicht gefunden wurden. Verzweifelte Angehörige hatten am Mittwoch bereits erste Tests für die Bergung des Wracks verfolgt. "Ich bin eine Mutter, der ihre Tochter wirklich fehlt", sagte die in Tränen aufgelöste Lee Keum Hui: "Betet für uns, dass wir mit Eun Hwa nach Hause zurückkehren können." Seit dem Unglück lebt Lee wie viele andere Opfer-Angehörige in Baracken in Paengmok, dem nächstgelegenen Hafen.

Die überladene "Sewol" war am 16. April 2014 vor der Insel Jindo gekentert. Von den 476 Menschen an Bord kamen 304 ums Leben, darunter 250 Schüler. Neun Tote konnten bislang nicht geborgen werden. Grund für die Katastrophe war vor allem menschliches Versagen. Laut einem Untersuchungsbericht trugen neben der Inkompetenz der Besatzung auch Behördenversagen, Korruption sowie Geldgier der Reederei zu der Katastrophe bei.

Ein Jahr nach dem Untergang hatte ein Berufungsgericht den Kapitän Lee Jun Seok zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Lee und der größte Teil der Besatzung hatten das Unglück überlebt, unter anderem weil sie zu den ersten gehörten, die das Schiff verließen, während Hunderte Passagiere im Inneren feststeckten.

Das Drama hatte auch die Amtszeit der jüngst entmachteten südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye überschattet. Unter anderem steht die Frage im Raum, warum es damals sieben Stunden dauerte, bevor Park nach dem Unglück an einer Regierungssitzung teilnahm.

max/AFP



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.