Schiffsunglück in Südkorea Taucher bergen erste Leichen aus gesunkener Fähre

Starke Strömungen und schlechte Sicht erschweren die Bergungsarbeiten am Wrack der südkoreanischen Unglücksfähre "Sewol". Nun konnten Taucher drei Tote aus einer Kabine des Schiffs bergen.


Seoul - Zum ersten Mal sind Tote aus dem Wrack der untergegangenen Fähre "Sewol" geborgen worden. Die Taucher hätten Samstag kurz vor Mitternacht (Ortszeit) das Fenster einer Passagierkabine einschlagen und drei Leichen rausholen können, teilte ein Vertreter der Küstenwache mit. Alle drei trugen demnach Schwimmwesten. Es handelte sich um die drei Leichen, die von Tauchern zuvor durch das Kabinenfenster erspäht worden waren.

Die Bergung war am Samstag zunächst an starken Strömungen und schlechter Sicht gescheitert. Der Vertreter der Küstenwache sagte, Tauchereinsätze für weitere Bergungen würden in der Nacht fortgesetzt. Hunderte Taucher, darunter auch welche des Militärs, waren am Samstag im Einsatz.

Die Fähre war am Mittwochmorgen mit 476 Menschen an Bord gekentert und gesunken. Die meisten Passagiere waren Schüler auf einem Schulausflug. Bis Sonntag wurden 36 Leichen gefunden. 266 Menschen galten als vermisst. Es wird vermutet, dass die meisten Opfer noch im Innern des Schiffs eingeschlossen sind. Der Kapitän und die Mehrzahl der 28 Besatzungsmitglieder konnten sich retten.

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Havarie in Südkorea: Bergung in der Nacht
Gegen den Kapitän Lee Jun Seok und zwei weitere Besatzungsmitglieder wurde Haftbefehl wegen Vernachlässigung von Dienstpflichten und Verstoßes gegen das Seerecht erlassen. Am Samstagmorgen wurden sie festgenommen. Der 68-Jährige Lee gab an, dass er die Evakuierung des Schiffs aus Sicherheitsgründen verzögert habe, da er befürchtet hatte, dass die Passagiere von der Strömung fortgerissen werden könnten.

Zum Unglückszeitpunkt soll die Fähre den Ermittlern zufolge von einer unerfahrenen Offizierin gesteuert worden sein. Bevor das Schiff zu sinken begann, habe der Kapitän die Schiffsführung an die 26-Jährige abgegeben.

Das Schiff soll Ermittlungen zufolge während einer Wende havariert sein. Der ebenfalls verhaftete 55 Jahre alte Steuermann Cho Joon Ki gab an, dass das Steuer stärker als üblich gedreht worden sei. Zurzeit sei noch nicht klar, warum die beiden Crew-Mitglieder so scharf gewendet hätten, sagte der Ermittler Yang Jung Jin. Es werde untersucht, ob das Unglück auch eine andere Ursache haben könne. Allerdings habe es zum Zeitpunkt des Unglücks keinen starken Wellengang geben.

sun/AFP/AP

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