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Suizid nach Scherzanruf in Kates Klinik: Sender zahlt Angehörigen 350.000 Euro

Familie des Opfers: Sohn Junal, Tochter Lisha und Witwer Benedict Barboza (r.) mit dem Abgeordneten Keith Vaz (2. v. r.) vor dem Gerichtsgebäude in London Zur Großansicht
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Familie des Opfers: Sohn Junal, Tochter Lisha und Witwer Benedict Barboza (r.) mit dem Abgeordneten Keith Vaz (2. v. r.) vor dem Gerichtsgebäude in London

Ihr Telefonscherz trug zum Tod eines Menschen bei: Der Radiosender 2Day FM zahlt an die Hinterbliebenen einer Londoner Krankenschwester 350.000 Euro. Die Frau hatte sich das Leben genommen, nachdem sie auf den Witzanruf in der Klinik von Herzogin Catherine hereingefallen war.

London/Sydney - Ein australischer Radiosender, der mit einem Scherzanruf zum Suizid einer Krankenschwester aus London beitrug, hat an die Familie der Toten umgerechnet rund 350.000 Euro gezahlt. Das berichtet die britische BBC. Vertreter des Senders 2Day FM aus Sydney drückten den Angehörigen ihr Mitgefühl aus.

Hintergrund ist ein tragisch missglückter Telefonscherz, mit dem zwei Moderatoren der Radiostation im Dezember 2012 das Personal einer Londoner Privatklinik zum Besten halten wollten. Damals erwartete Herzogin Catherine ihr erstes Kind und war in dem Krankenhaus in Behandlung. Der Anruf ging am frühen Morgen ein, als die Telefonzentrale noch nicht besetzt war. Deshalb nahm die Krankenschwester Jacintha Saldanha ab.

Moderatorin Mel Greig gab sich als Queen Elizabeth aus und fragte mit britischem Akzent, ob sie mit Kate sprechen könne. Saldanha stellte den Anruf zur Station durch, wo eine Kollegin Auskunft über Catherines Zustand gab. Die Geschichte ging um die Welt; drei Tage darauf wurde Saldanha tot aufgefunden.

Moderatorin Mel Greig nach dem Termin in London: Mahnung fürs ganze Leben Zur Großansicht
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Moderatorin Mel Greig nach dem Termin in London: Mahnung fürs ganze Leben

Eine Untersuchung des Obersten Zivilgerichts in London ergab am Freitag, dass die Krankenschwester sich das Leben genommen hatte. Eine Sachverständige sagte, der Scherzanruf habe die Frau "sicherlich mental belastet". Zudem habe es am gleichen Tag vier weitere Anrufe gegeben, mit denen der Sender um Erlaubnis bat, den Mitschnitt veröffentlichen zu dürfen. Auch diese Telefonate habe vermutlich Saldanha entgegengenommen, was den Stress noch erhöht habe, hieß es.

In einer Stellungnahme teilte 2Day FM nun mit, kein Geld der Welt könne den Schmerz der Angehörigen lindern. Man wolle die Summe aber in Form eines Treuhandfonds spenden, um ihnen "in der Zukunft zu helfen".

Bereits am Freitag hatte sich Moderatorin Greig unter Tränen für die Aktion entschuldigt. "Ich möchte Ihnen einfach nur sagen, dass es mir wirklich leidtut", sagte sie direkt an die Tochter und den Witwer Saldanhas gewandt. "Diese Tragödie wird mich mein gesamtes Leben begleiten und mir eine Mahnung sein." Greig war auf eigenen Wunsch aus Australien angereist, um an dem Termin in London teilzunehmen.

rls/AP/Reuters

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