Aus für "Sun"-Models Der Fluch der nackten Brüste

Eine nackte Frau auf der dritten Seite - das war umstrittene Tradition beim britischen Boulevardblatt "The Sun". Nun soll sich Eigentümer Rupert Murdoch der Kritik gebeugt haben. Seit Freitag sind die Models bekleidet.

Getty Images

London - Sie heißen Lissy oder Rosie, sie kommen aus Manchester oder Middlesex, und sie sind selten älter als 25 Jahre. Viel mehr ist über die jungen Damen nicht bekannt, auf viel mehr kommt es aber offensichtlich auch nicht an. Sie präsentieren sich den Lesern der "Sun", wie es Tausende Frauen vor ihnen getan haben. Immer barbusig, immer auf Seite drei - so war es Sitte bei Englands größter Boulevardzeitung. Doch Lissy und Rosie sind wohl die letzten ihrer Art.

Bereits am Freitag soll die Tradition in aller Stille beendet worden sein. Die "Sun" will keine nackten Girls auf Seite drei mehr zeigen. Das jedenfalls will die "Times", die altehrwürdige Konkurrenz, erfahren haben. Der Protest gegen die Nackten war immer größer geworden, selbst "Sun"-Eigentümer Rupert Murdoch hatte vor einigen Monaten erstmals Zweifel anklingen lassen, ob es nicht doch etwas old-fashioned sei, wenn sich jeden Tag eine Frau entblöße.

Nun also soll Schluss sein. Das ist, als würde die "Süddeutsche" ihr Streiflicht oder die "FAZ" ihren Leitartikel abschaffen. Denn das "Page Three Girl" war in Großbritannien eine, nun ja, Institution, jedenfalls eine feste Größe, seit am 17. November 1970 das erste Oben-ohne-Foto einer Unbekannten auf Seite drei gedruckt wurde. Zu sehen war damals eine Deutsche: Stephanie Rahn, 22, aus München.

Oben-ohne-Verbündete in Deutschland verloren

Kurz zuvor hatte Murdoch die Zeitung gekauft, in den folgenden Jahren machte er sie zum erfolgreichsten Boulevardblatt Großbritanniens - auch mit Hilfe der Nackten. Kritik gab es immer, die Labour-Politikerin Clare Short wollte Mitte der Achtziger die blanken Busen auf Seite 3 per Gesetz verbieten, doch der Plan scheiterte. Immer neue junge Frauen bewarben sich, viele hofften auf die große Karriere. Und manche machten tatsächlich eine und erlangten Bekanntheit: Samantha Fox etwa oder Katie Price.

Andere kamen mit dem Ruhm nicht klar, wie eine Dokumentation des Regisseurs Julian Jones im Jahr 2003 enthüllte. Deren Titel: "The Curse of Page 3" ("Der Fluch der Seite drei"). Die Altersgrenze wurde von 16 auf 18 Jahre heraufgesetzt, ansonsten änderte sich erstmal nichts. Die "Sun" ließ sich nicht beirren, doch die Einschläge kamen näher. 2013 verzichtete die irische Ausgabe aufs Blankziehen, die Zeitung berief sich auf "kulturelle Unterschiede" zwischen Irland und England. Da hatten die Briten ihre Oben-ohne-Verbündeten in Deutschland schon verloren: 2012 verkündete die "Bild"-Zeitung das Ende ihrer "Bild"-Girls.

In England können die Kritiker ihr Glück nun kaum fassen. Unter dem Hashtag #nomorepage3 hatte Twitternutzerin Karen Mason vor rund zwei Jahren geklagt: "Jetzt mal ernsthaft, wir sind alle über die Seite 3 hinweg - das ist so letztes Jahrhundert." Jetzt scheint das Seite-drei-Girl Geschichte zu sein, und die Initiative, die Karen Mason angestoßen hatte, freut sich: "Das könnten wirklich historische Neuigkeiten sein."

vbt



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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
liberal2010 20.01.2015
1.
Na vielen Dank an die political correctness. Die Spießer haben gewonnen. Kein Drama sicher. Aber schöner wird das Leben damit auch nicht.
Peter Lublewski 20.01.2015
2. Rupert Murdoch
knickt ein? Man mag es sich kaum vorstellen.
wanderer777 20.01.2015
3. Ist wirklich sowas von letztes Jahrhundert...
Auch wir Männer haben uns mittlerweile emanzipiert und beschäftigen uns inzwischen lieber mit sinnvolleren Dingen. Der Platz wäre doch besser genutzt, wenn dort z. B. die neuesten Gadgets oder Kickstarter Projekte vorgestellt würden, statt pubertärer Mädels, die relativ talentfrei nach Aufmerksamkeit betteln.
leser008 20.01.2015
4. Wenns schiefgeht.............
Na wenn das mal nicht schiefgeht, so auflagenmässig. Eigentlich gehört Seite 3 zur Sun dazu und die ganzen spiessig verkrampften Nörgler kaufen das Blatt ggf 1mal im Jahr. Das ist eben das Problem, wenn ein Medium einem launischen alten Mann allein gehört. Wenns schiefgeht dürfen es die rausgesetzten Mitarbeiter ausbaden.
filos eleftherias 20.01.2015
5. Ansturm auf die Sun
Jetzt stehen die weißen Ritter bestimmt erstmal Schlange um eine Sun zu kaufen und in einen Monat ist alles vergessen.
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