New York - Wenige Tage vor dem Super Bowl sieht sich Volkswagen in den USA mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Der Autohersteller hat einen Werbespot veröffentlicht, der auch beim Finale der Football-Liga NFL, dem Super Bowl, gezeigt werden soll.
Hauptfigur des Spots ist ein Mann namens Dave. Er arbeitet in einem anonymen Bürogebäude. Er ist weiß, kommt aus dem Bundesstaat Minnesota - und unterscheidet sich von seinen Kollegen durch zwei Dinge. Während die anderen jammern, motzen und schlechter Laune sind, hat Dave für jeden einen aufmunternden Spruch parat und gibt sich als Büro-Sonnenschein. Mit einer Fahrt in seinem neuen VW-Beetle schafft er es, die Laune selbst der miesepetrigsten Kollegen zu heben. Die Botschaft: Wer VW fährt, ist glücklich, Motto "Get in, get happy".
So weit, so harmlos. Es ist Daves zweite Besonderheit, an der sich in den USA nun eine Rassismus-Debatte entzündet. Dave bringt seine Botschaften von Frohsinn und Glück mit einem starken jamaikanischen Akzent unter die Leute. Das halten viele Beobachter für grenzwertig.
Jamaikanische Kultur zur Pointe degradiert?
"Ich war schockiert - das ist rassistisch", sagte Barbara Lippert von Mediapost.com dem US-Sender NBC. Allerdings sagte Lippert auch, sie habe von Tausenden Leuten gehört, sie solle das alles nicht so ernst nehmen. Der schwarze "New York Times"-Kolumnist Charles Blow ging auf CNN ebenfalls auf Distanz dazu, dass einem hellhäutigen Mann die Stimme eines Schwarzen unterlegt wurde.
Schrecklich sei das, sagte Ricki Fairley-Brown, Chef einer Marketingagentur, der Zeitung "USA Today". "Wieso lassen sie einen Weißen aus Minnesota einen jamaikanischen Akzent imitieren?" Andere betonen, die jamaikanische Kultur verkomme in dem Spot zur Pointe.
Volkswagen zeigt sich von der Debatte erstaunt. Der 60-Sekunden-Film sei zuvor einem breit gefächerten Testpublikum einschließlich Jamaikanern vorgestellt worden, sagte VW-Manager Mark Gillies. Die Hauptbotschaft der Werbung, "die einige vergessen zu haben scheinen", bestehe darin, dass das Fahren eines VW Käfer "den Tag erfreulicher gestaltet". Der Konzern will den Spot am Sonntag ausstrahlen lassen.
"Jeder hat das Recht auf seine Meinung"
Ein VW-Sprecher sagte, man habe den Spot "etwa hundert Jamaikanern" gezeigt und kein negatives Feedback bekommen. An den Planungen für Sonntag habe sich nichts geändert - auch nicht nach der Vorabverbreitung des Clips über YouTube. Auf dem Internetportal war der Spot am Mittwochvormittag knapp 1,4 Millionen Mal angeklickt worden. Es gab mehr als 4500 positive und knapp 300 negative Bewertungen.
Unterstützung erhält VW auch von Jamaikas Tourismusminister Wykeham McNeill. "Wir sehen den Spot als Kompliment", sagte er. "Die Leute sollten ihr inneres Jamaika finden und glücklich werden."
Der Super Bowl ist das größte TV-Ereignis des Jahres. Dank der Rekordeinschaltquoten - im vergangenen Jahr sahen allein in den USA 111 Millionen Menschen zu - sind die Werbezeiten äußerst begehrt. Wer hier werben will, muss für 30 Sekunden rund vier Millionen Dollar zahlen. Viele Firmen machen extra zum Anlass neue Werbespots.
Und was meint Dave? "Jeder hat das Recht auf seine Meinung", sagte Schauspieler Erik Nicolaisen, der den Büro-Sonnenschein spielt. Er habe seinen Schwager aus Jamaika zu dem Spot befragt. "Er mag ihn."
Ganz sicher ist VW aber offenbar nicht, was den Spot angeht. Zwar bestehe derzeit der Plan, den Werbefilm am Sonntag zu zeigen, berichtete die "Washington Post". Der Zeitung zufolge hat der Autokonzern aber einen Ersatzspot parat - für alle Fälle.
ulz/AFP
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