Monsterwellen Surfen in der Todeszone

Wenn sich die Wellen so hoch wie Mehrfamilienhäuser auftürmen, dann beginnt für Sebastian Steudtner der Spaß: Der junge Deutsche ist Extremsurfer. SPIEGEL TV dokumentiert einen seiner wilden Ritte in einzigartigen Bild- und Tonaufnahmen.

Sebastian Steudtner, Big Wave Surfer
SPIEGEL TV

Sebastian Steudtner, Big Wave Surfer

Von Christina Pohl


Die Gischt der brechenden Welle verfolgt ihn, aber Sebastian Steudtner ist schneller. Mehrere 100.000 Tonnen Wasser sind hinter ihm her. Der Deutsche surft auf einer Riesenwelle, die das Tief "Herkules" an Portugals Küste drückte.

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Heft 13/2014
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"Witwenmacher" werden solche Wellen von den Fischern in Nazaré genannt. Wenn die See tobt und Wellen sich zu einer Höhe von Mehrfamilienhäusern aufbäumen, fühlt sich Big-Wave-Surfer Steudtner am spannendsten Ort der Welt.

Der Deutsche hat sich in der Weltelite der Superwellenreiter ganz nach oben gekämpft (Lesen Sie mehr über Steudtner und den Wahnsinn des Extremwellenreitens: "Der Canyon" aus dem aktuellen SPIEGEL) . Als erster Europäer gewann er 2010 den Surf-Oscar für die höchste gesurfte Welle bei den Billabong XXL Global Big Wave Awards: 22 Meter hoch war der Riesenbrecher.

Mit 16 von Nürnberg nach Hawaii

Mit 13 Jahren setzte sich der schmächtige Junge aus Nürnberg in den Kopf, nach Hawaii zu gehen. Er wollte unbedingt Surfer werden. Niemand nahm ihn ernst. Drei Jahre lang bearbeitete er seine Eltern und redete sie schließlich gegen die Wand. Als sie ihren Sohn allein in die pazifische Inselwelt ziehen ließen, war er gerade mal 16 Jahre alt. In Hawaii lernte er, die ganz großen Wellen zu reiten - und sich unter den Alphatieren in der Szene durchzusetzen.

Es ist ein harter Sport: Die meisten Surfer lassen sich am Seil mit einem Jetski in die Wellen ziehen. Zum Reinpaddeln mit bloßen Händen sind die rasenden Ungetüme zu schnell: 70 Kilometer in der Stunde im Durchschnitt.

Am Ende des Ritts sollte der sogenannte "Tow-In-Partner" mit dem Jetski bereit stehen. Wen die weiße Lawine aus Wasser vorher erwischt, dessen Gliedmaßen fliegen durcheinander, als sei er in einer Waschmaschine gelandet, es gibt kein Oben mehr und kein Unten. Das sogenannte "Weißwasser" schließt viel Luft ein, der gestürzte Surfer hat dadurch kaum Auftrieb.

Über fünf Minuten kann Sebastian Steudtner die Luft anhalten. Sein Trainingsprogramm gleicht dem eines Ski-Olympiafahrers. Einen festen Wohnsitz hat der Surfer nicht. Er ist immer da, wo die großen Wellen sind: In Irland, Portugal, Chile oder Tahiti.

SPIEGEL TV hat den Extremsportler im portugiesischen Nazaré getroffen und erstmals eine Surf-Session mit zehn Kameras dokumentiert. Steudtner trug dabei ein Unterwassermikrofon, so dass alle Szenen mit der dazugehörigen Konversation aufgezeichnet werden konnten.

Normalerweise sieht man von Ferne riesige Wellen, auf denen ein winziger Mensch reitet. Dieser Film bringt den Zuschauer mitten hinein ins Geschehen, aus zehn verschiedenen Kamera-Perspektiven - und mit allen Gesprächen und allem Geschrei.

Eine Big-Wave-Surf-Session, hautnah, wild und gefährlich - heute Abend um 23 Uhr in der SPIEGEL TV Reportage bei SAT1.

insgesamt 5 Beiträge
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wittchen2000 24.03.2014
1. Je mehr Aufmerksamkeit desto mehr Unglücksopfer
Die Medien sollten aufpassen dass mit dem Fokus auf "Extremsport" nicht Menschen ermutigen sich selbst Schaden zuzufügen. Ich finde es z.B. besorgniserregend dass in der Olympiade so viele Extremdisziplinen integriert waren. Letztlich führt dass nur zu einem "modernen Gladiatorentum" in dem die Massen zuschauen wie Menschen sich selbst wehtun - auch wenn man die Unglücke ja oft nicht sieht. Bei Red Bull sieht man die Krankenwagen die da sicher öfters auftauchen eigentlich nie.
braman 24.03.2014
2. Surfen und andere Sportarten
Toll, das es solche Leute gibt. Angsthasen, so wie ich, werden durch die Berichterstattung ganz sicher nicht dazu ermutigt etwas derartiges zu tun. Niemand wird gezwungen sich einen waghalsigen Sport aus zu suchen. Jeder nach seiner Facon. Wenn jeder 'stinknormal' wäre, wie langweilig. Für diese Leute bin ich sogar bereit, einen kleinen Teil meines Krankenkassenbeitrags mit zu entrichten. Die Kosten 'mich' sicher weniger wie all die Raucher, Trinker und Müllschlucker. MfG: M.B.
GuterBürger 24.03.2014
3.
Zitat von bramanToll, das es solche Leute gibt. Angsthasen, so wie ich, werden durch die Berichterstattung ganz sicher nicht dazu ermutigt etwas derartiges zu tun. Niemand wird gezwungen sich einen waghalsigen Sport aus zu suchen. Jeder nach seiner Facon. Wenn jeder 'stinknormal' wäre, wie langweilig. Für diese Leute bin ich sogar bereit, einen kleinen Teil meines Krankenkassenbeitrags mit zu entrichten. Die Kosten 'mich' sicher weniger wie all die Raucher, Trinker und Müllschlucker. MfG: M.B.
Zum Glück gibt es solche Extremsportler wie - Jean-Baptiste Chandelier: http://www.youtube.com/watch?v=L62faWn- Jokke Sommer: http://www.youtube.com/watch?v=GASFa7rkLtM - Ruben Lenten: http://www.youtube.com/watch?v=DOVoWJxRMXM nur um ein paar Namen zu nennen. Diese Menschen sind Meister ihres Faches und bringen den Sport weiter als nur den Massenmainstreamsport. Hier ein Trailer, der dieses Lebensgefühl sehr gut zeigt: http://www.youtube.com/watch?v=drIPZEP17F4
wittchen2000 25.03.2014
4. "den Sport weiterbringen"
Zitat von GuterBürgerZum Glück gibt es solche Extremsportler wie - Jean-Baptiste Chandelier: http://www.youtube.com/watch?v=L62faWn- Jokke Sommer: http://www.youtube.com/watch?v=GASFa7rkLtM - Ruben Lenten: http://www.youtube.com/watch?v=DOVoWJxRMXM nur um ein paar Namen zu nennen. Diese Menschen sind Meister ihres Faches und bringen den Sport weiter als nur den Massenmainstreamsport. Hier ein Trailer, der dieses Lebensgefühl sehr gut zeigt: http://www.youtube.com/watch?v=drIPZEP17F4
"...bringen den Sport weiter..." - ja wohin wollnse denn? :) War es denn nicht mal so dass es im Leistungssport um die leistungsfähigeit des menschlichen Körpers ging, nicht um das Überstehen von Todesgefahren? Und Sport generell - war das nicht mal so gedacht dass menschen dadurch gesünder und fitter werden sollten... und gerade eben NICHT im Krankenhaus landen?
GuterBürger 25.03.2014
5.
Zitat von wittchen2000"...bringen den Sport weiter..." - ja wohin wollnse denn? :) War es denn nicht mal so dass es im Leistungssport um die leistungsfähigeit des menschlichen Körpers ging, nicht um das Überstehen von Todesgefahren? Und Sport generell - war das nicht mal so gedacht dass menschen dadurch gesünder und fitter werden sollten... und gerade eben NICHT im Krankenhaus landen?
Höher, weiter, schneller, besser. Die Grenzen des Möglichen dehnen. Die eigenen Grenze ausloten. Die Technik und das Material perfektionieren. Wir hätten heute keine Snowboards, wenn nicht irgendein Irrer auf die Idee gekommen wäre, mit einem Surfboard die Berge runter zu fahren. Das trifft auf so gut wie Warum geht es in den Extremsportarten nicht um die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers? Ich würde einmal behaupten, dass hier Kräfte auf den Körper einwirken wie sonst nirgends. Entscheidungen müssen in Sekunden getroffen werden und können fatale Auswirkungen haben. Stimmt nicht, wurde nicht der volksgesundheitshalber erfunden. Sport entsteht da, wo Menschen an ihre physischen Grenzen gehen und diese durch Training verschieben, wo sie ihre Kreativität nutzen um eine bessere Technik zu finden und wo sie sich im Wettkampf mit anderen messen. Der Sportgedanke ist nicht dadurch definiert, wie leicht man im Krankenhaus landet.
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