Zerstörte Tagebücher in Japan Rätsel um Anne-Frank-Hasser

Unbekannte haben in Tokio mehr als 250 Exemplare von "Das Tagebuch der Anne Frank" schwer beschädigt, betroffen sind 31 Bibliotheken. Die Regierung spricht von einer Schande, die Polizei rätselt: Was ist das Motiv für die Zerstörung?

Beschädigte Exemplare von Anne Franks "Tagebuch": Dutzende Bücher beschädigt
AFP

Beschädigte Exemplare von Anne Franks "Tagebuch": Dutzende Bücher beschädigt


Tokio - Unbekannte in Japans Hauptstadt scheinen es sich zum Ziel gemacht zu haben, das "Tagebuch der Anne Frank" und Bücher über das jüdische Mädchen zu beschädigen. In zahlreichen Tokioter Bibliotheken wurden aus Ausgaben des berühmten Werkes Seiten herausgerissen. Mitarbeiter verständigten die Polizei, nachdem sie mehrere zerstörte Druckexemplare gefunden hatten. Das teilten die Bibliotheksbehörden mit.

"Bücher über Anne Frank sind ganz klar das Ziel, und es geschieht in ganz Tokio. Es ist eine Schande", sagte ein Sprecher. Insgesamt wurden seit Januar 265 demolierte Exemplare in 31 Bibliotheken entdeckt. Betroffen sind auch Dutzende Bücher über Anne Frank. In manchen Fällen wurden die Bücher offenbar unbemerkt in Lesesälen beschädigt. Mindestens eine Bibliothek nahm den Bestand an Anne-Frank-Büchern hinter den Ausgabetresen, um die Werke immer im Blick zu haben.

Das Motiv für die Zerstörung ist unklar. Die Polizei steht am Anfang der Ermittlungen. Japan und Nazi-Deutschland waren während des Zweiten Weltkrieges Verbündete.

Das "Tagebuch der Anne Frank" gehört zu den meistgelesenen Büchern der Welt und wurde in Dutzende Sprachen übersetzt. Das jüdische Mädchen versteckte sich von 1942 bis 1944 mit seiner Familie vor den Nazis in Amsterdam. Frank starb 1945 kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren. Ihr Vater überlebte und veröffentlichte ihr Tagebuch.

Ein Regierungssprecher nannte den Vandalismus an den Büchern "extrem bedauerlich und beschämend." Das US-amerikanische Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte Ermittlungen. Das Ausmaß der Vorfälle lege nahe, dass es sich um einen organisierten Versuch handle, das Andenken der Anne Frank zu verunglimpfen, sagte der Rabbiner Abraham Cooper.

Bücherei-Leiter Kotaro Fujimaki zeigt in Tokio eines der beschädigten Bücher
AP/dpa

Bücherei-Leiter Kotaro Fujimaki zeigt in Tokio eines der beschädigten Bücher

ulz/dpa/AP

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insgesamt 1 Beitrag
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geotie 21.02.2014
1. yoooh
Dummheit findet man überall, warum nicht auch bei den Japanern.
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