Taifun auf den Philippinen: "Wir haben viele Leichen gesehen"

Der Tropensturm "Washi" hat Teile der Philippinen verwüstet, mehr als 430 Menschen kamen ums Leben. Überlebende des Taifuns berichten über ihren Kampf gegen die Wassermaßen. Viele wurden im Schlaf von den Fluten überrascht und entkamen im letzten Moment.

Manila - Bei schweren Überschwemmungen auf den Philippinen sind am Wochenende mehr als 430 Menschen ums Leben gekommen. Der Tropensturm "Washi" ließ Flüsse über die Ufer treten, die Wassermassen bahnten sich in der Nacht auf Samstag ihren Weg in zwei Städte und überraschten viele Einwohner im Schlaf.

Allein in der Stadt Cagayan de Oro starben nach Angaben des Roten Kreuzes 215 Menschen, im nahe gelegenen Iligan ertranken mindestens 144 Einwohner. Insgesamt wurde die Zahl der Toten mit 436 beziffert.

Bewohner von Cagayan de Oro beschrieben im Radio, was sie gesehen hatten: Sie sei durch das dröhnende Getöse aufgewacht und habe die Sturzflut, sagte Cely Asinero. "Wir mussten beim Haus meines Bruders das Dach aufreißen und hochklettern, sonst wären wir ertrunken". "Es war stockdunkel", sagte Roman Pino, der mit seinen beiden kleinen Kindern auch aufs Dach flüchtete. "Wir haben inbrünstig gebetet. Wir konnten erst nach sechs Stunden runterkommen und haben viele Leichen gesehen."

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Philippinen: Chaos und Angst
Wie viele Menschen am Samstagabend noch vermisst waren, blieb zunächst unklar. Vor der Veröffentlichung der letzten Zahlen hatte ein Militärsprecher erklärt, allein in Iligan würden noch rund 250 Menschen vermisst.

Eine Bewohnerin von Iligan berichtete, wie sie von ihrem Hausdach aus gemeinsam mit ihren Kindern die Zerstörung der umliegenden Häuser mit ansehen musste. "Alle Häuser hinter unserem wurden zerstört", sagte sie. Viele Nachbarn würden vermisst.

"Washi" hatte heftige Regenfälle ausgelöst, die mehr als zwölf Stunden andauerten. Die betroffene Region Cely Asinero war bislang anders als andere Gegenden der Philippinen nicht derart stark von einem Tropensturm getroffen worden. Die sei auch ein Grund für die hohe Zahl der Toten, sagte der Leiter des philippinischen Zivilschutzes, Benito Ramos. Trotz viertägiger Warnungen vor dem Sturm hätten sich die Menschen nicht in Sicherheit gebracht, weil sie nicht an schwere Unwetter gewohnt seien.

Schlamm bedeckt die Straßen

Tausende Soldaten und Hunderte Polizisten sowie Mitarbeiter der Küstenwache und Freiwillige beteiligten sich an den Such- und Rettungsarbeiten in der Region Mindanao. Diese wurden durch zerstörte Straßen und Stromausfälle zusätzlich erschwert. Am Tag nach dem Sturm war das Bild in den beiden am schlimmsten betroffenen Küstenstädten von Schutt, umgestürzten Autos und entwurzelten Bäumen geprägt.

In Cagayan de Oro seien rund 20.000 Bewohner von den Überflutungen betroffen, sagte ein Sprecher. Viele Menschen seien in vorübergehenden Schutzunterkünften untergebracht. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie das trübe Hochwasser durch die Straßen rauschte und dabei Trümmerteile mit sich zog. Dort wo das Wasser zurückgegangen war, waren die Wege mit dicken Schlammschichten bedeckt.

Bürgermeister Lawrence Cruz sagte, die Küstenwache und andere Rettungskräfte würden in den Gewässern vor Iligan nach Überlebenden und Leichen suchen, die möglicherweise auf das Meer hinausgetragen wurden. In einigen Stadtteilen stehe das Wasser hüfthoch.

Sturm "Washi" war bereits der 19., der die Philippinen in diesem Jahr erreichte. Er traf im Osten der Insel Mindanao auf Land und sorgte in der Region innerhalb von zwölf Stunden für so viel Regen, wie dort normalerweise in einem Monat fällt. Am Samstagabend (Ortszeit) zog er weiter in Richtung der Provinz Palawan, südwestlich von Manila.

Im September hatten zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Taifune im Norden der Philippinen mehr als 100 Menschen das Leben gekostet.

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