Chaos durch Wirbelsturm Super-Taifun "Haiyan" trifft die Philippinen

Dächer treiben durch die Fluten, es gibt erste Berichte über Tote: Der Wirbelsturm "Haiyan" hat die Philippinen hart getroffen. Der Taifun könnte so heftig wüten wie keiner vor ihm. Lokale Behörden geben die Windgeschwindigkeit mit 235 Kilometern pro Stunde an, US-Experten maßen Tempo 315.


Manila - Taifun "Haiyan" hat die Philippinen erreicht. Nach Angaben des nationalen Wetterdienstes traf der heftige Sturm auf der Insel Samar rund 600 Kilometer südöstlich von Manila auf Land und bewegte sich rasch in Richtung Nordwesten. Etwa eine Million Menschen suchten in Schutzräumen Unterschlupf. Schulen blieben geschlossen, Hunderte Flüge wurden gestrichen. Der Flug- und Seeverkehr wurde eingestellt; viele Strom- und Telefonleitungen waren unterbrochen.

Er erwarte katastrophale Zerstörungen in dem Fischerort Guiuan, der als erster auf "Haiyans" Weg lag, sagte der US-Meteorologe Jeff Masters vom Wetterdienst Weather Underground. Guiuan war unmittelbar nach dem Eintreffen des Taifuns von der Außenwelt abgeschnitten. In der benachbarten Stadt Tacloban wurden Straßen überschwemmt und Häuser zerstört. Es kam zu Erdrutschen.

Gesicherte Angaben über Opfer und Schäden sind nur schwer zu bekommen. Die Regierung meldete drei Tote und sieben Verletzte. Zwei der Opfer starben demnach durch Stromschläge wegen herabgerissener Kabel. Die meisten Verletzten kamen durch umherfliegende Trümmer zu Schaden. Die Behörden rechnen mit steigenden Opferzahlen. Fernsehbilder aus Tacloban zeigten eine Straße, die fast einen halben Meter unter Wasser stand. Vom Wind fortgerissene Dächer trieben durch die Fluten.

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Taifun "Haiyan": Zerstörerischer Wirbelsturm
Der Wirbelsturm peitsche bis zu fünf Meter hohe Wellen auf, die an die Küsten der Inseln Leyte und Samar rollten. Präsident Benigno Aquino hatte die Menschen in den besonders gefährdeten Regionen aufgefordert, Küstenorte, Flussufer und Berghänge zu verlassen und sichere Gebiete aufzusuchen.

Rund 18 Stunden wird sich der Taifun "Haiyan" nach Angaben von Meteorologen über die philippinischen Inseln bewegen. Der Super-Taifun, wie der US-Sender CNN schreibt, entspricht in seiner Stärke einem Hurrikan der höchsten Kategorie 5. Als Super-Taifun werden solche Stürme ab einer Windgeschwindigkeit von 241 Kilometern pro Stunde bezeichnet. Bei "Haiyan" wurden laut der Taifun-Warnstelle der US-Navy kurz vor dem Auftreffen an Land Windgeschwindigkeiten von 315 km/h gemessen, in Böen sogar 380 km/h. Lokale Meteorologen gaben allerdings weniger hohe Werte an und nannten als Windgeschwindigkeit beim Auftreffen an Land 235 Kilometer pro Stunde, in Böen 275.

"Haiyan" ist den Angaben zufolge der weltweit bislang stärkste Sturm dieses Jahres. Die Philippinen werden jedes Jahr von rund 20 heftigen Stürmen getroffen. Wetterexperte Masters geht davon aus, dass "Haiyan" der heftigste Zyklon ist, der je auf Land traf. "Es gibt nicht viele Gebäude, die solche Geschwindigkeiten aushalten."

"Neben starken Windböen, Regen, über die Ufer tretenden Flüssen und Schlammlawinen rechnen wir auch mit der Gefahr von Flutwellen in mehr als hundert Regionen", sagte Präsident Aquino. In mehr als 30 Provinzen gelten Unwetterwarnungen, Aquino rief die Einwohner auf, auf Reisen zu verzichten.

"Haiyan" soll stärker sein als "Bopha" im Dezember 2012, damals starben auf den Philippinen nach Angaben aus dem Weltkatastrophenbericht 1901 Menschen. Unter den bedrohten Regionen sind auch die Inseln Bohol und Cebu. Diese waren erst im Oktober von einem schweren Erdbeben erschüttert worden.

ffr/kha/wit/dpa/AFP/AP/Reuters



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papayu 08.11.2013
1. Nicht ueberall auf den Philippinen
gibt es immer wieder Naturkathastrophen. Es gibt auch ziemlich sichere Gegenden. Diese Nacht ruettelte er nur an den Tueren und Fenstern, machte einen Hoellenlaerm. Die Einwohner an der Kueste bauen ihre Haeuser auf Stelzen. Da kann das Wasser landeinwaerts uunten durchlaufen. Und Alles in Leichtbauweise mit Vielem was die Natur liefert. Vor Jahren hatte ich einen Taifun erlebt, direkt am Meer. Nachts! Am naechsten Morgen war alles vorbei, nur mancher suchte seine Behausung, die war einfach weg!! Einige der riesigen Mangebaeume hatte es entwurzelt./ Das Schlimmste daran war, das es hinterher 6 Wochen keinen Strom gab, 35 km lang einfach die Masten umgelegt!! Nach ca. 1 Monat hatte wieder Jeder ein Dach ueber dem Kopf. Alle Nachbarn halfen dabei!!!
earl grey 08.11.2013
2. seltsam
Zitat von sysopDPADie Philippinen gehen in Deckung vor Wirbelsturm "Haiyan". Der Taifun könnte so heftig wüten wie keiner vor ihm. Experten haben bereits Windgeschwindigkeiten von 315 Kilometern pro Stunde gemessen, Böen erreichten sogar Tempo 380. http://www.spiegel.de/panorama/taifun-haiyan-trifft-die-philippinen-a-932462.html
Es ist schon seltsam, dass es immer die Gegenden trifft, wo die Verhältnisse eine besser stabilere (und damit teurere) Bebauung nicht zulasen. So fliegen mal wieder die Wellblechhütten der Ärmsten der Arneb in den Orcus, während die Reichen in ihren Erdbeben- und Taifunsicherren Häusern den Nachmittagstee servieren...
tel33 08.11.2013
3.
Zitat von earl greyEs ist schon seltsam, dass es immer die Gegenden trifft, wo die Verhältnisse eine besser stabilere (und damit teurere) Bebauung nicht zulasen. So fliegen mal wieder die Wellblechhütten der Ärmsten der Arneb in den Orcus, während die Reichen in ihren Erdbeben- und Taifunsicherren Häusern den Nachmittagstee servieren...
Naja, so seltsam ist das nicht. Armensiedlungen entstehen immer dort, wo es am billigsten ist, weil da sonst niemand siedeln will. Am Wasser, am Berg, in Müllecken. Unkontrollierbares Bevölkerungswachstum tut sein übriges. Insofern ist es also völlig normal, dass genau diese Leute immer auch als erstes von Naturkatastrophen jeder Art betroffen sind.
countrushmore 08.11.2013
4.
Würde solch ein Sturm die USA treffen, wäre er schon seit Tagen das wichtigste Thema in den Medien.
manfredkaese 08.11.2013
5. "peitschte fünf Meter hohe Wellen auf.."
Das, was auf englisch "Storm Surge" heisst, sind nicht bloss Wellen. Der Sturm erzeugt vielmehr im Innern einen Unterdruck, der den gesamten Wasserpegel steigen lässt. Darauf muss man sich dann noch die Wellen vorstellen.
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