Fährunglück in Tansania "Großer Schmerz für die gesamte Nation"

Nach dem Fährunglück in Tansania ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 220 gestiegen. Das Schiff soll völlig überladen gewesen sein - der Kapitän nicht an Bord.

Männer tragen den Leichnam eines Opfers des Fährunglücks in einem Sarg
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Männer tragen den Leichnam eines Opfers des Fährunglücks in einem Sarg


Wenige Tage nach dem Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania sind die ersten Todesopfer beigesetzt worden. Rund ein Dutzend Verstorbene wurden unweit des Unglücksortes beerdigt. Der Unfall sei "ein großer Schmerz für die gesamte Nation", sagte Regierungschef Kassim Majaliwa bei der Zeremonie am Sonntag.

Mehr als 220 Menschen waren bei der Havarie am Donnerstag nach Behördenangaben ums Leben gekommen, darunter auch fast 30 Kinder. Rund 40 Menschen hatten das Schiffsunglück überlebt. Zuletzt war am Samstag ein Maschinist gerettet worden, der zwei Tage lang in einer Luftblase innerhalb des gekenterten Schiffs ausgeharrt hatte. Danach gaben Behörden die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, praktisch auf.

Am Ufer des Victoriasees waren dutzende Holzsärge mit Todesopfern des Fährunglücks aufgereiht. Etliche Menschen kamen, um ihre Angehörigen zu finden. Aisha William suchte nach der Leiche ihres Mannes. "Ich weiß nicht, wie ich meine zwei Kinder jetzt aufziehen soll", sagte sie. Der 27-jährige Händler Ahmed Caleb kritisierte, das Unglück hätte verhindert werden können. "Ich habe meinen Chef, Freunde, Menschen, mit denen ich zur Schule gegangen bin, verloren."

Angehörige tragen Särge für die Opfer des Fährunglücks
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Angehörige tragen Särge für die Opfer des Fährunglücks

Die Regierung Tansanias hat den Familien der Opfer 500.000 Tansania-Schilling (etwa 186 Euro) als Kompensation angeboten, wie Regierungssprecherin Jenista Mhagama einem lokalen Sender sagte. Um der Toten zu gedenken, ordnete Präsident Magufuli eine mehrtägige Staatstrauer an.

Fähre soll völlig überladen gewesen sein

Die Fähre "MV Nyerere" war im südlichen Teil des Victoriasees gekentert, nur rund 50 Meter vom Anleger auf der Insel Ukara entfernt. Als eine der Unglücksursachen nannte Regierungschef Majaliwa Überladung. Die Fähre war eigentlich nur für rund 100 Passagiere ausgelegt, laut Regierung waren aber 265 Passagiere an Bord. Zusätzlich hatte das Schiff Mais, Bananen und Zement geladen.

Augenzeugen zufolge waren die Passagiere zudem zum Bug gedrängt, als sich die Fähre dem Anleger näherte. Dadurch geriet sie aus dem Gleichgewicht. Andere Zeugen berichteten von einem waghalsigen Anlegemanöver unmittelbar vor dem Unglück, weil der Zuständige am Steuer durch sein Handy abgelenkt gewesen sei.

Rettungskräfte sind am Unglücksort neben der Fähre im Einsatz
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Rettungskräfte sind am Unglücksort neben der Fähre im Einsatz

Präsident John Magufuli hat bereits die Festnahme der Verantwortlichen angeordnet. Als erster wurde nach einem Bericht der Zeitung "The Citizen" der Kapitän der Unglücksfähre in Gewahrsam genommen, der sich nach Angaben des Staatschefs zum Zeitpunkt des Kenterns nicht an Bord befunden habe. Der Staatschef ordnete zudem die Festnahme der Fährbetreiber an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Magufuli am Freitag in einem Telegramm kondoliert. Auch Papst Franziskus, Uno-Generalsekretär Antonio Guterres, Russlands Präsident Wladimir Putin und andere Staatschefs sprachen ihr Mitgefühl aus.

Auf dem Victoriasee in Ostafrika ereigneten sich in der Vergangenheit mehrere schwere Schiffsunglücke. 1996 ertranken beim Untergang einer Fähre im tansanischen Teil des Sees rund 800 Menschen. Mit einer Fläche von rund 68.800 Quadratkilometern ist der Victoriasee etwa so groß wie Irland und einer der größten Seen der Erde. Er liegt zwischen Tansania, Kenia und Uganda.

fok/AFP/dpa



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Seite 1
diotto 23.09.2018
1. Traurig!
Es ist immer wieder erschütternd zu erfahren, wie selbst die simpelsten Regeln mißachtet werden, bis es dann zum Unglück kommt. Wieso ist es eigentlich nicht möglich, so etwas ähnliches wie eine Zugangssperre einzurichten?
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