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Tanztrend Lindy Hop: Rocken wie Oma

Sie tragen züchtige Röcke und schmieren sich Pomade ins Haar: die Anhänger des Lindy Hops. Die neuartige Tanzart, vor allem in den Großstädten bekannt, lässt den Swing wieder aufleben. In Osnabrück bietet ein Paar jetzt Schnupperkurse an.

Lindy Hop: Wie aus Omas Zeiten Fotos
AP

Hamburg/Osnabrück - "Ihr müsst immer bouncen", ruft Karsten Hoffmann den Tanzpaaren zu und macht vor, was er meint: Er wippt in den Knien. Wenn Michaela de Giosa mit Hoffmann den Lindy Hop zu Swing-Musik tanzt, wirbelt nicht nur ihr schwarzer Pferdeschwanz durch die Luft. Die Bewegungen der Tänzer im Osnabrücker Szene-Club "Kleine Freiheit" sind schnell, aber elegant. Hoffmann schiebt seine Partnerin durch seine gespreizten Beine. Mal führt er, mal sie. Die beiden leidenschaftlichen Tänzer haben ein Ziel: Sie wollen den fast vergessenen Lindy Hop nach Nordwestdeutschland bringen. Der in Osnabrück lebende Tanz-Weltmeister und TV-Moderator Michael Hull sieht den Lindy Hop bereits als neuen Trend.

Der Tanz entstand in den zwanziger Jahren in den USA, sagt Michael Hull. "Er wurde zu Swing-Musik getanzt und ist der Vorläufer von Jive, Boogie und Rock'n'Roll", erklärt Hull. Seit einiger Zeit gebe es in England und den USA ein Revival des Lindy Hop. Mittlerweile werde der er auch in Deutschland getanzt. Zum Beispiel in Berlin, Hamburg oder jetzt in Osnabrück.

Viele der Teilnehmer des Schnupperkurses stammen unverkennbar aus der Rock'n'Roll-Szene: Männer haben sich Tollen in ihr Haar frisiert. Auf ihren Köpfen glänzt die Pomade. Mehrere Frauen tragen ihr Haar gewellt, so wie Marylin Monroe. Die Röcke der Tänzerinnen sind zwar figurbetont, aber reichen züchtig bis über die Knie. Es läuft Musik von Glenn Miller, Louis Prima oder Benny Goodman.

Erotische Komponente

Unter Hoffmanns Tanzschülern ist die Gesamtschullehrerin Clarissa Schröder. Sie ist in Jeans und T-Shirt zum Kurs gekommen. Die 39-Jährige ist fasziniert von der erotischen Komponente des Tanzes, wie sie sagt. "Der Lindy Hop nimmt Elemente von afrikanischen Stammestänzen wie zum Beispiel das Wippen in den Knien auf", sagt sie. Schröder ist überzeugt, die Nazis hätten den Tanz wegen dieser sexuellen Anspielungen verboten und weil er eine Art von Gleichberechtigung beinhalte. "Beim Lindy Hop müssen nicht nur Männer als Leader führen, sondern können sich von den Damen als Follower führen lassen", betont sie.

"Der Lindy Hop ist nicht so steif wie Standardtänze", sagt Hoffmann. Ob der Lindy Hop Teil einer Mode-Bewegung sei oder nicht, interessiere sie nicht. Es gehe vor allem um Spaß. Für Michael Hull zeugt das Interesse am Lindy Hop von einer "Bewegung zu den Ursprüngen der Tänze". Er sieht Parallelen zum Tango argentino, der als Urform der heute gängigen Tango-Stile gilt. Ähnlich wie der Lindy Hop habe der Tango argentino afrikanische Einflüsse.

Der Lindy Hop sei die Urform des Rock'n'Roll, sagt Hull. "Es ist eine ganz andere Art der Bewegungsform und ein rasanter Tanz, der eng beieinander getanzt wird." Dass der Swing durch den Tanz wieder auflebt, gefällt Hull besonders.

dapd/nga

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