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Faktencheck zum "Tatort": Wie gefährlich ist Dortmunds Norden?

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Dortmund bei Nacht: Der neue Tatort über die Nordstadt Zur Großansicht
Thomas Kost/ WDR

Dortmund bei Nacht: Der neue Tatort über die Nordstadt

Straßendealer, Selbstjustiz, Mafiapaten: Der "Tatort" aus Dortmund führte hinein in eine hochkriminelle Parallelwelt im Norden der Stadt. Wie nah kam der Krimi der Realität?

Eine Sechsjährige stirbt an Herzversagen. Sie hat auf einem Spielplatz Drogen gefunden und die Kapseln geschluckt, sie hielt sie für Süßigkeiten. "Tja, 'ne Überdosis mit sechs", sagt die Rechtsmedizinerin zynisch. Und der Dortmunder "Tatort"-Chefermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) antwortet noch zynischer: "Willkommen in der Nordstadt!"

Die Handlung des neuesten "Tatort" samt Bürgerwehren und Drogenpaten führt hinein in einen Dortmunder Problembezirk, den die "FAZ" schon vor Jahren als "Getto" bezeichnet hat. Die Nordstadt werde bestimmt von "Straßenzügen voller Armut, Kriminalität und Gewalt", schrieb die Zeitung. Ähnlich wie im Duisburger Norden kollidieren auch in Dortmund Strukturschwäche, Armutseinwanderung und Elend.

Welche Probleme gibt es in der Nordstadt?

Die Arbeitslosigkeit im Dortmunder Norden ist überdurchschnittlich hoch, jeder Vierte hat laut Statistik keinen Job. Den Niedergang der Stahlindustrie hat das Viertel bis heute nicht kompensieren können. Zwei Drittel der Stadtteil-Bewohner sind Migranten. Hinzu kommen Tausende Armutszuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, deren Zahl sich kaum vollständig erfassen lässt. Häufig handelt es sich um Roma.

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"Tatort" mit Jörg Hartmann: Koks auf dem Kinderspielplatz
Weil ihre Heimatländer zur Europäischen Union gehören, können sie sich in Deutschland niederlassen. Viele von ihnen sind Analphabeten, wie die Dortmunder Sozialdezernentin Birgit Zoerner der "FAZ" sagte. Die Männer verdingen sich zumeist als Tagelöhner auf dem sogenannten Arbeiterstrich, die Frauen müssen sich mitunter prostituieren.

Trotzdem gibt es auch Menschen, die gerne und freiwillig in der Nordstadt leben, wie "Vice" vor einiger Zeit berichtete. Sie wissen die günstigen Mieten in den Altbauten und die alternative Szene mit ihren Kneipen, Cafés und Bars zu schätzen.

Drogen-"Tatort" aus Dortmund
Wie kriminell ist die Nordstadt?

Die Polizeiliche Statistik des Dortmunder Präsidiums beschreibt die Kriminalität nicht für einzelne Stadtteile - womöglich ist das nicht unbedingt ein Zufall. Man darf jedoch annehmen, dass die Kriminalitätsbelastung der Nordstadt schon wegen ihrer erheblichen sozialen Probleme in einigen Deliktsbereichen deutlich höher ist als im Durchschnitt.

In vielen Straßen der Nordstadt wird gedealt, meist mit Marihuana. Rund um den Nordmarkt bewegt sich dann die härtere Drogenszene, hier geht es um Heroin.

Gibt es organisierte Kriminalität?

In den vergangenen Jahren hat die Polizei immer wieder Banden ausgehoben, die in dem Viertel mit Betäubungsmitteln handeln, meist aber sind die Ordnungshüter machtlos. "99,9 Prozent der Verfahren gegen Ersttäter werden eingestellt", sagte ein Ermittler den "Ruhr Nachrichten". Die Dealer führten fast immer nur geringe Mengen mit sich, so dass die bei einer Kontrolle zum tolerierten "Eigenbedarf" erklärt werden könnten.

Im Frühjahr 2015 berichtete die Dortmunder Lokalzeitung über einen eskalierenden "Drogenkrieg" rund um den Borsigplatz. Dort sollen türkische und libanesische Banden um die Vorherrschaft in ihrem Revier gekämpft haben - mit Messern, Macheten und Gaspistolen.

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