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10. Oktober 2013, 14:09 Uhr

Kosten der Limburger Bischofsresidenz

Gediegen in den Fels gefräst

"Ich brauche keinen pompösen Lebensstil", so verteidigt sich der umstrittene Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Inzwischen kommen jedoch immer mehr Details über seine neue Residenz ans Licht. Von Bescheidenheit kann keine Rede sein.

Limburg - Es dürfte sich um explosiven Lesestoff handeln. Rund 50 Seiten umfasst nach Angaben der "Frankfurter Neuen Presse" ein Bericht über die Baukosten des Diözesanen Zentrums auf dem Domberg zu Limburg, mit dem sich nun eine Kommission der Deutschen Bischofskonferenz beschäftigt.

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Explosion der Kosten von ehemals einer auf inzwischen 31 Millionen Euro zu erklären ist. Immer lauter werden die Vorwürfe gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, er habe mit permanenten Sonder- und Änderungswünschen selbst dazu beigetragen - eine Version, die zuletzt der am Bau beteiligte Architekt Stefan Dreier auf HR-Info bestätigte.

"Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche", entgegnete Tebartz-van Elst in der "Bild"-Zeitung seinen Kritikern. Doch die Details, die über die Einrichtung seines Bischofssitzes durchsickern, werfen ein ganz anderes Licht auf den Geschmack des 53-Jährigen.

So berichtet Jochen Riebel, eines von drei Mitgliedern im Vermögensverwaltungsrat des Bistums, in der "Süddeutschen Zeitung" über "Umplanungswünsche von erheblichem Umfang", die Tebartz-van Elst durchgesetzt habe. So sollte es in der Kapelle ursprünglich einen stehenden Adventskranz mit schmiedeeisernem Gestell geben. Der Bischof habe aber einen hängenden Kranz gewollt. "Dann musste das fertige Dach wieder aufgeschnitten und ein Seilzug eingebaut werden. So was kostet statt 10.000 Euro 100.000 Euro."

In der "Frankfurter Neuen Presse" verweist Riebel auf weitere Posten des Projekts, im Einzelnen:

Dem Blatt zufolge kostete die ursprünglich auf 200.000 Euro veranschlagte Privatwohnung des Bischofs am Ende 2,98 Millionen Euro, im Übrigen ohne Einrichtung. Unter den Gemächern sei zudem eine weitere, identische Wohnung aufwendig in den Fels gefräst worden. Von deren Existenz erfuhr der Vermögensverwaltungsrat laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" erst vor wenigen Tagen.

Ebenfalls auf Riebel beruft sich die "Wormser Zeitung" und berichtet von 500.000 Euro, die die Sanierung von Kunstobjekten sowie die Medienberatung verschlungen hätten, als es - Zitat Riebel - "eng wurde für den Bischof". Als die Kostenexplosion am Montag im Vermögensverwaltungsrat erörtert worden sei, habe Tebartz-van Elst die Hände vors Gesicht geschlagen und immer wieder gesagt: "Ich habe das nicht gewusst".

Das Bistum Limburg war für eine Stellungnahme kurzfristig nicht zu erreichen. Am Donnerstagvormittag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst beantragt hat. Hintergrund sind zwei falsche eidesstattliche Erklärungen des Bischofs.

rls

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