Katholiken über Bischof Tebartz-van Elst: "Er ist nicht mehr haltbar"

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Pfarrer über Tebartz-van Elst: Der Bischof und sein Protzbau Fotos
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Mit heftigen Worten reagieren Kirchenvertreter auf die Kostenexplosion beim Bau des Limburger Bischofssitzes. Offen fordern einige den Rücktritt von Tebartz-van Elst. Die Katholiken verweisen dabei auf die Bescheidenheit von Papst Franziskus.

Hamburg - Limburgs umstrittener Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gerät nach erneuten Negativschlagzeilen aus seinem Bistum immer mehr in die Defensive. Nachdem am Montag bekannt wurde, dass sich die tatsächlichen Kosten des Ausbaus seines Bischofssitzes auf mehr als 30 Millionen Euro belaufen werden, melden sich nun deutsche Kirchenvertreter zu Wort - mit zum Teil heftigen Reaktionen.

"Ich bin schockiert", sagte etwa Christoph Hefter, Vorsitzender der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, der Bischof hat seinen Rückhalt und seine Glaubwürdigkeit endgültig verspielt." Wenn man wolle, dass es in Limburg mit der Kirche weitergehe, müsse man Konsequenzen ziehen. "Und dann ist er nicht mehr haltbar", sagte Hefter, der im August als Mitinitiator eines offenen Briefes an Tebartz-van Elst aufgetreten war.

Offen den Rücktritt des Geistlichen forderte auch der Theologe Thomas Schüller von der Uni Münster. Tebartz-van Elst müsse die Verantwortung für die Kostensteigerung übernehmen, sagte er dem Radiosender hr-info. "Das ist ein großer Flurschaden, nicht nur im Bistum Limburg. Das trifft die gesamte Kirche in Deutschland. Das ist ein Skandal und muss Konsequenzen haben."

"Jetzt steht das Haus da oben"

Der Limburger Bistumssprecher Martin Wind beteuerte gegenüber SPIEGEL ONLINE, Tebartz-van Elst habe selbst erst am Montag von den erheblich gestiegenen Kosten des Bauvorhabens erfahren. Der Vermögensverwaltungsrat habe ihn darüber informiert. Diese Aussage steht im Widerspruch zu einer Erklärung des Rates, wonach man sich durch den Bischof "hinters Licht" geführt sehe: Die Gesamtkosten seien den Mitgliedern des Vermögensverwaltungsrats bis zuletzt nicht bekannt gewesen, hieß es in der Stellungnahme, die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" veröffentlichte.

Zur Frage, wie sich ein derart teures Bauvorhaben mit dem neuen Stil der Bescheidenheit von Papst Franziskus vereinbaren lasse, betonte Wind, das Domkapitel habe den Beschluss zum Ausbau des Bischofssitzes bereits 2007 getroffen - also vor dem Amtsantritt Tebartz-van Elsts. "Jetzt ist der Papst zurückgetreten und das Haus steht da oben. Und jetzt werden die Entscheidungen der Vergangenheit an den Maßstäben gemessen, die an den neuen Papst angelegt werden."

Tatsächlich beziehen sich einige Kritiker des Bischofs ausdrücklich auf Papst Franziskus. So sagte Christian Weisner, Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", der Pontifex lebe doch gerade Bescheidenheit und eine Bereitschaft zum Dialog vor. "Bischof Tebartz-van Elst scheint es noch sehr schwer zu fallen, diesen Stil im eigenen Bistum wahrzunehmen." Mit den Vorgängen in Limburg sei "ein großer Schaden angerichtet worden, was Glaubwürdigkeit und Ansehen der katholischen Kirche angeht". Es sei wohl "keine gute Entscheidung gewesen, diesen jungen, ehrgeizigen Mann ins Limburger Bischofsamt zu berufen".

"Aufgabe liegt jetzt in Rom"

Der Sprecher des Priesterrats im Bistum Limburg sieht den Vatikan in der Pflicht. "Die Aufgabe liegt jetzt in Rom und bei den deutschen Bischöfen, damit umzugehen", sagte Pfarrer Reinhold Kalteier. Er könne sich jedoch nicht vorstellen, wie der Bischof Vertrauen wieder herstellen könne. Dass die Kosten derart explodiert seien, liege in seiner Verantwortung. "Ich gehe davon aus, dass alles, was geschehen ist, mit dem Wissen des Bischofs geschehen ist."

"Solch hohe Kosten für die Wohn- und Arbeitsräume eines einzelnen Menschen sind den Gläubigen nicht zu vermitteln", sagte Werner Otto, Mitglied des "Hofheimer Kreises", einer Gruppe von 20 kritischen Pfarrern. Noch erschreckender sei jedoch, dass der Bischof offenbar den Vermögens- und Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls getäuscht habe. "Wenn das zutrifft und er die Haushalte nicht vorgelegt hat, dann ist sein Amt extrem beschädigt." Tebartz-van Elst werde nun einiges zu erklären haben.

Unterdessen hüllten sich die deutschen Bischöfe auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE in Schweigen. Man werde sich zu den Vorgängen in Limburg nicht äußern, hieß es unter anderem bei den Tebartz-kritischen Kardinälen Karl Lehmann (Mainz) und Reinhard Marx (München-Freising). Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ließ über seinen Sprecher lediglich ausrichten, man habe eine Prüfungskommission eingerichtet. "Die nimmt jetzt ihre Arbeit auf - und dann muss man sehen", hieß es.

Tebartz-van Elst steht seit längerem wegen seiner Amtsführung in der Kritik, ihm werden autoritärer Stil und Verschwendungssucht vorgeworfen. Die Situation in seinem Bistum wurde auch vom Vatikan als problematisch eingeschätzt. Papst Franziskus, der für Bescheidenheit und Hinwendung zu den Armen stehen möchte, hatte deshalb im September einen Gesandten nach Limburg geschickt.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt ebenfalls gegen Tebartz-van Elst. Dabei geht es um den Vorwurf der Falschaussage in Zusammenhang mit einem teuren Flug nach Indien. Ob Anklage erhoben wird, ist bislang unklar. Zur Frage, ob der Bischof in diesem Fall zurücktrete, wollte sich Bistumssprecher Wind nicht äußern. Er beteilige sich nicht an Spekulationen, sagte er.

Mit Material von dpa

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1. Und nun die Tebartz-van Elst Hetze (gefühlt) die 100ste
Welo33 08.10.2013
Wenn sie keine anderen Kritiker aufweisen können als die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken (die ihn ja schon lange loswerden wollen) und den eigentlich vollkommen außerhalb der Kirche stehenden Verein "Wir sind Kirche" (der sich ähnlich einer Sekte seinen eigenen Glauben zurechtzimmert - immer schön dem gesellschaftlichen Zeitgeist folgend), dann scheint es offenbar bisher keine seriöse Kritik zu geben. Was ist dem Bischof denn vorzuwerfen? Dies ist mir im Artikel nicht klar geworden!
2. Sorry, können Sie lesen ...?
nadennmallos 08.10.2013
Zitat von Welo33Wenn sie keine anderen Kritiker aufweisen können als die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken (die ihn ja schon lange loswerden wollen) und den eigentlich vollkommen außerhalb der Kirche stehenden Verein "Wir sind Kirche" (der sich ähnlich einer Sekte seinen eigenen Glauben zurechtzimmert - immer schön dem gesellschaftlichen Zeitgeist folgend), dann scheint es offenbar bisher keine seriöse Kritik zu geben. Was ist dem Bischof denn vorzuwerfen? Dies ist mir im Artikel nicht klar geworden!
Wie wär's mit: Verschwendungssucht, Größenwahn auf Kosten der Steuerzahler / seiner Gemeinde / der Gläubigen? Oder ganz einfach: Ein Hirte, der nicht auftritt wie Jesus, sondern prachtliebend wie ein Fürstbischof der Renaissance oder des Barock. Was mich aber an Ihrem Post wundert, ist die offensichtliche Bereitschaft, diesem Mann die Stange zu halten.
3. Sorry, können Sie lesen II....?
poke64738 08.10.2013
Über den autoritärenFührungsstil dieses Bischofs ist ja auch schon einiges geschrieben worden. Für MICH ergibt sich hier das Bild eines Mannes, der sein zölibatäres Dasein mit Prunk und Luxus irgendwie kompensieren will. Das ist doch kein Mensch, der nah an den Problemen und Herzen der Menschen ist.
4. Leider in der falschen Zeit gewirkt
fat_bob_ger 08.10.2013
Tebartz-van Elst tut mir wirklich leid, wenn er vor 500 Jahren Bischof gewesen wäre, dann wäre er als bescheidener Mensch in Erinnerung geblieben. Jetzt sollte man in abberufen und zur Klausur in ein verrottetes, altes Kloster nach Irland zwangsversetzen. Die Fahrt dorthin könnte er per Bahn 2. Klasse durchführen. Auch in den Slums Afrikas könnte seine neue Wirkungsstätte liegen.
5. Wen wundert´s
tiilly 08.10.2013
Hier herrschen immer noch mittelalterliche Verhältnisse...
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