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Wut auf Bischof Tebartz-van Elst: "31 Millionen! Unfassbar, mir wird schlecht"

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Bischofssitz in Limburg: Protzbau für 31 Millionen Euro Fotos
DPA

Der Protzbau in Limburg verschlingt jetzt schon 31 Millionen Euro. Selbst Kritiker des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst hatten mit solch einer Kostenexplosion kaum gerechnet. Und die Summe für den Amtssitz könnte noch größer werden. Der Zorn wächst.

Limburg vor wenigen Tagen. Im großen Saal des Priesterseminars haben sich die Leiter und Mitarbeiter der zusammengelegten Großgemeinden des Bistums getroffen. Bischof Tebartz-van Elst, so berichten es Teilnehmer später, redet über Neubeginn und Dialog, über Fehler und Brüderlichkeit, doch die Unruhe im Saal wird immer größer. "Aufhören, es reicht, aufhören!", ruft schließlich einer der rund 80 versammelten Priester.

Die Mehrzahl von ihnen kann das Gerede ihres Bischofs nicht mehr ertragen, nur eine kleinere Gruppe jüngerer Kleriker will dem Bischof noch eine neue Chance geben und hören, was er sagt.

Tebartz-van Elst hat sein Bistum gespalten. Die Stimmung bei dem Treffen im katholischen Krisenbistum beschreiben Teilnehmer als "extrem angespannt". Und nun kommt die Hiobsbotschaft noch dazu: Franz-Peter Tebartz-van Elst hat bisher über 31 Millionen Euro für sein Wohnhaus mit Privatkapelle, Privatgarten, Reliquienkeller, Vikarie und vielen Räumen für seine Dienstboten ausgegeben. Ganz zu Anfang war von fünf Millionen Euro die Rede gewesen.

Weitere Kosten in Millionenhöhe möglich

"31 Millionen! Unfassbar, mir wird schlecht" - so die spontane Reaktion des altgedienten Limburger Pfarrers Hubertus Janssen am Dienstagmorgen. Bei ihm und anderen mache sich so etwas wie "heiliger Zorn" breit. Den ganzen Tag schon hat er Gläubige am Telefon, die dem Seelsorger ihre Empörung mitteilen.

Es sind gut 20 Millionen Euro mehr, als sein Bischof bisher zugegeben hat. Aber es ist immer noch nicht einmal der Endstand seines im Mai 2010 begonnen Prestigebaus. In der Limburger Stadtverwaltung ist momentan noch ein Gutachten in Arbeit, das die Nebenkosten des technisch extrem aufwendigen Baus auf dem Limburger Domberg beziffern soll. Dabei geht es um die Kosten für Zufahrtstraßen, Tiefbauarbeiten, Entwässerungsmaßnahmen und mögliche Schäden an Privathäusern auf dem historischen Hügel der Stadt. Ersten Berechnungen nach sollen dadurch weitere Kosten in Millionenhöhe anfallen.

Pfarrer Reinhold Kalteier, Sprecher des Limburger Priesterrats im Bistum, will den Bischof zum Gehen drängen. Weil Tebartz-van Elst sein Amt ohne Genehmigung von Papst Franziskus nicht einfach selbst niederlegen kann, muss jetzt die Deutsche Bischofskonferenz und der Vatikan den überfälligen Rücktritt einleiten.

Wieso schlugen Kontrolleure nicht früher Alarm?

Angesichts der Versechsfachung der Bausumme auf 31 Millionen Euro ist es jedoch auch verwunderlich, dass das honorig besetzte Kontrollgremium, das den Bischof und seine Finanzen kontrollieren sollte, erst jetzt Alarm geschlagen hat. Die drei Herren des Vermögensverwaltungsrats klagen nun, sie seien "durch den Bischof von Limburg hinter das Licht geführt worden".

Dazu gehören wie immer zwei Parteien - auch die, die sich hinters Licht haben führen lassen. An Warnungen hat es beileibe nicht gefehlt, die "Limburger Leidkultur", der finanziell waghalsige Kurs ihres neuen Bischofs, der aus dem sogenannten Bischöflichen Stuhl, mit dem Kirchenvermögen verwaltet wird, ständig Geld für den Bau nachschoss, ist seit langem bekannt. Jeder Pfarrer muss dagegen Rechenschaft über den kleinsten Betrag ablegen.

Doch unkontrollierte Finanzen der Bistumsspitze sind keine Limburger Spezialität. Auf eine SPIEGEL-Umfrage nach ihrem Vermögenshaushalt verweigerten 25 von 27 katholischen Bistümern in ganz Deutschland die Auskunft. Seit Jahren kommen deswegen immer wieder Finanzskandale in den Bistümern vor, auch in Limburg. Dort wollte man eigentlich schon im Jahr 2010 nach einer Fünf-Millionen-Veruntreuung durch den Leiter der kirchlichen Finanzverwaltung aus Fehlern lernen. Tebartz-van Elst gab damals schon "Fehler bei der Finanzkontrolle" zu.

Im gleichen Jahr, in dem er seinen Protzbau begann, verordnete er seinem Bistum den Kurs "Sparen und erneuern". Aus angeblichem Geldmangel ließ er die Zahl von Gemeinden, Messen und Seelsorgern zusammenstreichen.

Doch statt endlich zu Transparenz und Kontrolle zu kommen, gab es in Limburg seitdem weiterhin Geheimniskrämerei, strikte Vertraulichkeit und schwarze Kassen, vor allem in Form des Bischöflichen Stuhls, mit dessen Millionen Tebartz-van Elst offenbar jonglieren konnte, wie er wollte.

Reformen dringend nötig

Schuld daran ist auch das höfisch geprägte System der bischöflichen Ordinariate, das dringend reformiert werden müsste. Man hat sich aber von seinem frommen Auftritt, seiner Wiederbelebung von katholischem Klimbim, von der scheinbaren Autorität und Macht des jungen Bischofs und seiner Protektion durch Kirchenpromis wie dem Kölner Joachim Kardinal Meisner blenden lassen.

Was soll man vom Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, halten, der offenbar ohne Kenntnis der Situation kürzlich Tebartz-van Elst mit einem Basta-Wort aus Rom beistand ("Er bleibt")? Die "Kampagne" gegen den Limburger Bischof, so Müller, sei "ein sich selbst tragendes Lügengebäude".

Mit der Wahrheit tut sich der Limburger Bischof seit langem schwer. Dabei geht es längst nicht mehr um kleinen Verdrehungen, Halbwahrheiten und Versprechungen, mit denen er versuchte, weiter im Job zu bleiben. Auch wenn die Tage des Fürstbischofs von Limburg nun gezählt sein sollten, bleibt die Notwendigkeit in Limburg und anderswo, das Denken und das System dahinter abzuschaffen, das einen wie Tebartz-van Elst erst ermöglicht und dann hat gewähren lassen.

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