Bruder des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst "leidet nicht an Autismus"

Ist Franz-Peter Tebartz-van Elst krank? Sein Bruder weist Gerüchte zurück, wonach der Limburger Bischof an Autismus leide. Er muss es wissen: Ludger Tebartz-van Elst ist Psychiatrieprofessor und Autismusexperte.

Franz-Peter Tebartz-van Elst (Archivbild): Bruder nimmt den Limburger Bischof in Schutz
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Franz-Peter Tebartz-van Elst (Archivbild): Bruder nimmt den Limburger Bischof in Schutz


Freiburg - Der Bruder des umstrittenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst hat Berichte über eine Autismus-Erkrankung des Kirchenmannes zurückgewiesen. "Als Bruder des Bischofs von Limburg und als Arzt kann ich aufgrund meiner Fachkenntnis und meiner Kenntnis der Biografie meines Bruders klar erklären, dass er weder an einem Asperger Syndrom noch an einer anderen Variante von Autismus leidet", betonte der Freiburger Psychiatrie-Professor Ludger Tebartz-van Elst in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Er wolle davor warnen, "medizinische Krankheitsbegriffe als Mittel der Auseinandersetzung in persönlichen oder institutionellen Konflikten und Machtkämpfen zu missbrauchen", erklärte der Mediziner. Mit Bestürzung habe er verfolgt, wie sein Bruder nicht nur heftig kritisiert, "sondern mit böswilligen Unterstellungen und persönlichen Verunglimpfungen in seiner menschlichen Existenz angegriffen wird".

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") hatte zuvor über Gerüchte in Rom berichtet, wonach Ludger Tebartz-van Elst Vertrauten angeblich gesagt haben soll, sein Bruder leider unter dem Asperger-Syndrom. Das ist eine Form des Autismus. Die Betroffenen haben Probleme, soziale Kontakte zu knüpfen, und tun sich schwer damit, Mimiken zu erkennen. Durch die Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen gelten viele als sonderbar und eigenbrötlerisch.

"Angriffe, die seine menschliche Würde verletzen"

Als Bischof müsse sich sein Bruder vielfältiger Kritik stellen, sagte Ludger Tebartz-van Elst. "Angriffe, die seine menschliche Würde verletzen, sind damit gleichwohl nicht zu rechtfertigen." Sein Bruder, Franz-Peter Tebartz-van Elst, steht seit Wochen massiv unter Druck. Dem 53-Jährigen werden wegen der horrenden Kosten für den Neubau seiner Bischofsresidenz Prunksucht und verschwenderischer Umgang mit Bistumsgeldern vorgeworfen. Wegen einer eidesstattlichen Falschaussage zu einem Erste-Klasse-Flug nach Indien wurde zudem Strafbefehl gegen ihn beantragt.

Der Limburger Skandalbischof wartet mittlerweile seit einer Woche in Rom auf einen Termin beim Papst. Jetzt hat sich Franziskus offenbar erbarmt: Nach Informationen der "FAS" wird der Pontifex den viel kritisierten Bischof am Montag empfangen. Das Gespräch wird wohl nicht einfach werden: Die enormen Kosten für den Bau der Limburger Bischofsresidenz sollen den Papst entsetzt haben. Der Pontifex wird über das berufliche Schicksal des Limburger Bischofs entscheiden - bis dahin könnten allerdings noch Wochen vergehen.

Freiwillig will Tebartz-van Elst der Zeitung zufolge nicht zurücktreten. Er hofft, von einem Untersuchungsbericht entlastet zu werden. Seit Freitag prüft eine von der Bischofskonferenz eingesetzte Kommission die Hintergründe zum Neubau der Limburger Bischofsresidenz.

SPIEGEL ONLINE

irb/dpa



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