Tebartz-van Elst Medien lästern weltweit über den "Bling-Bling-Bischof"

Der Skandal um Franz-Peter Tebartz-van Elst sorgt auch außerhalb Deutschlands für Aufregung. Medien in aller Welt berichten über den "swanky bishop" aus Limburg - von "Fox News" bis zur peruanischen "Cronica Viva".

Von und Rainer Leurs


Hamburg - Limburg an der Lahn hat alles, was Deutschland-Touristen aus fernen Ländern wünschen. Eine Menge Fachwerk gibt es zu sehen, zum Teil noch aus dem Mittelalter, dann den Dom und die Burg Limburg. Inzwischen aber, so muss man es wohl sagen, ist die bekannteste Sehenswürdigkeit Limburgs ein Neubau: Das Diözesane Zentrum auf dem Domberg und sein Bewohner Franz-Peter Tebartz-van Elst finden weltweit mediale Beachtung.

Ein kleiner Abglanz dieser fragwürdigen Prominenz war am Donnerstag in Berlin zu spüren, als Erzbischof Robert Zollitsch vor die Presse trat. In Südamerika, erwähnte während der Fragerunde ein Journalist, würden sie Tebartz-van Elst inzwischen "den Lügenbischof" nennen. Nicht nur Kollegen aus der Branche gerieten da ins Stutzen: Ein Bischof aus Limburg hat einen Spitznamen in Südamerika?

Tatsächlich bewegt die Story vom gefallenen Gottesmann auch in Lateinamerika die Menschen. "Bischof wegen 'Extravaganz' angezeigt", titelt etwa der Onlineauftritt der argentinischen Zeitung "El Día". Und in Peru berichtet "Cronica Viva" vom "Strafverfahren" gegen den deutschen Bischof, "der ein Leben im Luxus führte".

"Bling-Bling-Bischof"

Das peruanische Blog Lamula.pe zeigt Tebartz-van Elst, wie er gerade aus einem Oldtimer aussteigt; darunter steht die Schlagzeile: "Die Gratwanderung des Luxusbischofs". Der Artikel endet mit dem ganz großen Bogen: "Die Kontroverse um Tebartz-van Elst hat den Skandal um andere Priester aus Deutschland verschärft, die des Kindesmissbrauchs beschuldigt werden."

In England greifen gleich mehrere große Zeitungen den Fall auf. In der "Daily Mail" ist von der "wachsenden Wut" auf den Bischof die Rede; selbst die nachdenkliche "Financial Times" schreibt über den "swanky bishop". Der "Guardian" wiederum staunt über die Badewanne für 15.000 Euro und verweist auf ein Jesus-Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: Man solle nicht Schätze auf Erden, sondern im Himmel sammeln, heißt es dort. Der "einflussreiche deutsche Bischof" habe sich offenbar nicht an diese Anweisung gehalten.

In den USA sieht das "Wall Street Journal" Tebartz-van Elst "under fire", während ihm "Fox News" lapidar ein "legal problem" attestiert. In Frankreich wiederum berichtet das Wochenmagazin "Le Point" gehässig über "l'évêque 'bling-bling'", den "Bling-Bling-Bischof". "Man könnte fast darüber lachen, wenn diese Geschichte nicht so schmutzig wäre", lästert das Blatt.

"Opulentes Leben des Geistlichen"

Fast muss man sich ein wenig wundern über all die Aufmerksamkeit, die der Skandal um den 53-Jährigen generiert. Rein juristisch ist es schließlich kein großes Drama: Tebartz-van Elst hat unter Eid die Unwahrheit gesagt, und er bezahlt aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls ein enorm teures Bauprojekt. Nüchtern betrachtet ist das eine deutsche Kirchenposse; nichts, worüber es in Peru oder in Frankreich zu reden lohnt.

Aber der Skandal um Tebartz-van Elst ist eben auch mehr als das. Es ist die Story vom katholischen Provinzfürsten, dem man jetzt womöglich all die Laster nachweisen kann, die viele ohnehin hinter den Kulissen der Kirche vermuten. Hinzu kommt der neue Papst, der seinem Personal Bescheidenheit und Volksnähe predigt und damit Menschen in aller Welt für sich begeistert. Der Limburger Bischof ist eine Art Gegenentwurf zu Franziskus; das scheint diesen Skandal auch für internationale Medien interessant zu machen.

"Sein teurer Amtssitz passt nicht gut in eine Zeit, in der Papst Franziskus ein einfaches Gästehaus dem Petersdom vorzieht", schreibt etwa "De Telegraaf" in den Niederlanden.

Und in Franziskus' Heimatland Argentinien? "Noch ein Kirchenskandal", titelt die Zeitung "Los Andes". Sie berichtet über die Falschaussage, die Tebartz-van Elst an Eides statt machte, und den Strafbefehl, den die Staatsanwaltschaft beantragt hat. "Aber das", heißt es in dem Blatt weiter, "ist nur ein Detail im opulenten Leben des Geistlichen, der das Gegenteil der Predigten von Papst Franziskus lebt."



insgesamt 172 Beiträge
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xxbigj 11.10.2013
1.
Lustig wäre wenn rauskommt das Merkel und der Bischof sich kennen. Würde ja passen zu ihren Freunden zu gehören. Wie Uli Hoenes und wie sie alle heißen. Helmut Kohl ist stolz auf seine kleine Angie
eisbaerchen 11.10.2013
2. Ab in die Kartause
im finstersten Bayern, bei Wasser und Brot, da kann er dann wieder zum wesentlichen zurückkommen..."Gott zu dienen..." Eine Zumutung, dieser Typ...wenn ich Mitglied der katholischen Kirche wäre, würde ich spätestens jetzt austreten...
flateric 11.10.2013
3. Wahnsinn!
Welche eine Meldung! Jetzt Medien berichten über andere Medien, dass diese über Geschehnisse berichten! Ich bin fassungslos.
john_doe77 11.10.2013
4. ...
So lieber Spiegel, und eben kann man es auch wieder gut sein lassen mit der hämischen Berichterstattung, die sich wieder vor allem an Nicht-Katholiken richtet
kuai 11.10.2013
5. Nur der Korrektheit halber
... meines Wissens hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht "unter Eid die Unwahrheit gesagt", was im übrigen angesichts der Strafdrohung von § 154 Abs. 1 StGB ein juristisches Drama wäre.
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