Teddy-Affäre im Sudan Tausende Demonstranten fordern Todesstrafe für britische Lehrerin

Der Streit um einen Teddybären namens Mohammed im Sudan eskaliert. Ein Gericht hatte die britische Lehrerin, in deren Unterricht das Plüschtier getauft worden war, zu 15 Tagen Haft verurteilt. Tausende Demonstranten fordern nun ihre Todestrafe. Die Lehrerin selbst ruft zu Toleranz gegenüber Muslimen auf.


Khartum - Die britische Lehrerin sagte: "Ich will keinen Groll gegen muslimische Menschen". Das teilte ihr Sohn John Gibbons mit, der mit seiner Mutter telefonieren konnte. Bei dem Gespräch habe sie zu Toleranz gegenüber Muslimen aufgerufen. "Sie hält ganz gut durch", sagte Gibbons.

Demonstranten in Khartum: "Schande über Großbritannien"
AFP

Demonstranten in Khartum: "Schande über Großbritannien"

Auch das britische Außenministerium bestätigte, dass die inhaftierte 54jährige bei guter Gesundheit sei. Konsularbeamte hätten sie im Gefängnis besuchen können. Lord Ahmed, ein muslimisches Mitglied des britischen Oberhauses, will nach Khartum reisen, um ihre Freilassung zu erreichen. Das Außenministerium erklärte, es handele sich um eine private Initiative.

In der sudanesischen Hauptstadt forderten unterdessen tausende Demonstranten die Hinrichtung der britischen Lehrerin. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Präsidentenpalast in Khartum und riefen "Schande über Großbritannien!", "Tötet sie, tötet sie!" und "Keine Toleranz: Hinrichtung!". Ein Gericht hatte die Lehrerin gestern zu 15 Tagen Haft verurteilt, weil in ihrem Unterricht ein Teddybär angeblich nach dem Propheten Mohammed benannt worden war. Danach soll sie abgeschoben werden.

Der Sudan hatte der Britin vorgeworfen, mit der Benennung des Klassenmaskottchens die Ehre des muslimischen Religionsstifters und Propheten verletzt zu haben. Nach den Gesetzen des Landes drohten der Lehrerin 40 Peitschenhiebe oder bis zu einem Jahr Gefängnis.

Schätzungen von Beobachtern zufolge nahmen bis zu 10.000 Menschen an der Protestaktion nach den Freitagsgebeten teil. Einige trugen Schlagstöcke, Messer und Äxte bei sich, allerdings keine automatischen Waffen - ein Hinweis darauf, dass die Demonstration nicht von der Regierung organisiert wurde.

Während der Gebete hatte der Geistliche in der größten Moschee der Stadt die Lehrerin scharf verurteilt. "Diese Dame zu inhaftieren, stillt nicht den Durst der Muslime im Sudan", erklärte der bekannte Hardliner. "Aber wir begrüßen die Inhaftierung und Ausweisung." Gibbons sei eine arrogante Frau, die Hass auf den Propheten Mohammed gelehrt habe.

Als Reaktion auf die Proteste wurde Gibbons aus dem Frauengefängnis an einen nicht bekannten Ort verlegt. Ihr Anwalt Kamal al Gisuli erklärte nach einem Besuch bei ihr, seine Mandantin sei bei guter Gesundheit. Die Regierung wolle offenbar, dass die Haftstrafe reibungslos ablaufe, um die ausländischen Beziehungen nicht zu gefährden.

Großbritannien bemüht sich auf diplomatischem Weg um eine Lösung der Krise. Außenminister David Miliband hatte bereits gestern Abend den sudanesischen Botschafter einbestellt und ihn darüber informiert, dass London enttäuscht sei von dem Urteil gegen Gibbons. Die britischen Muslime kritisierten das Vorgehen gegen die Lehrerin. Der Generalsekretär des Muslimischen Rates in Großbritannien, Muhammad Abdul Bari, warf den sudanesischen Behörden eine Überreaktion vor.

ffr/AP/Reuters/dpa



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