Tiger-Tempel in Thailand Die Mönche und ihre Schmusekätzchen

Mit mehr als 140 Tigern im Tempel zusammenleben? Kein Problem, finden Mönche in Thailand. Kritiker sehen das ganz anders: Tierquäler und Schmuggler seien am Werk. Eine Prüfung hat die Mönche nun entlastet. Zumindest vorerst.

REUTERS

Kanchanaburi - Buddhistische Mönche in einem thailändischen Tempel dürfen weiterhin mit mehr als 140 Tigern zusammenleben. Vorwürfe der Tierquälerei sind unbegründet, ergab eine Prüfung.

Rund 50 Personen - unter anderem Mitarbeiter der Tierschutzbehörde und Soldaten - hatten mehrere Stunden lang die Anlage inspiziert. Ihr Eindruck: Den Tigern fehlt es an nichts. "Sie werden gut versorgt", sagte der Regionalchef der Tier- und Umweltschutzbehörde. Jedes Tier sei per Mikrochip eindeutig zu identifizieren; zudem seien die Behörden bei jeder Geburt eines Tigerbabys benachrichtigt worden.

Ein Vorwurf lautete, die Tiere würden mit Medikamenten handzahm gemacht. Die Mönche und der zuständige Tierarzt bestritten dies. Zudem stand der Tempel im Verdacht, am illegalen Handel mit den Tieren beteiligt zu sein.

Die Mönche sehen den Tempel als Schutzort und Zuchtstation für die Tiger. Man biete den Tieren lediglich ein Zuhause. Zum Image der selbstlosen Helfer passte freilich nicht, dass auf Fotos zu sehen war, wie Mönche auf den Tigern reiten und mit ihnen herumalbern. Jeden Mittag zeigen sie sich gemeinsam mit den Tieren, eine Art Show für Besucher.

Die ersten sieben Tiere zogen 2001 ein. Sie waren bei einer Aktion gegen Wilderer beschlagnahmt worden. Inzwischen leben 143 Raubkatzen bei den Mönchen. Deswegen ist die Stätte schon lange als "Tiger-Tempel" bekannt. Sie hat sich längst zu einem inoffiziellen Streichelzoo entwickelt - und für Fotos mit den Tieren zahlen Touristen gerne.

Die Ergebnisse der Prüfung werden nun der Regierung vorgelegt. Die muss entscheiden, was mit den Tieren geschieht. Gut möglich, dass alles bleibt wie bisher. Denn die Versorgung der Tiere würde den Staat mehr als 600.000 Dollar im Jahr kosten, der Bau eines neuen Geheges nicht eingerechnet.

Ganz sicher sollten sich die Mönche aber trotzdem nicht sein. Wenn man weitere Beschwerden höre, werde man die Anlage wieder durchsuchen, sagte ein Behördensprecher. Dann könnten die Tiger aus dem Tempel verschwinden, wie es bei 38 Nashornvögeln schon geschehen ist. Die Inspektoren beschlagnahmten die Vögel - niemand im Tempel hatte eine Genehmigung, sie zu halten.

ulz/AP/Reuters

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