Terror Al-Qaida bekennt sich zu Angriff auf US-Kriegsschiffe

Erneute Attacke der Qaida: Die "Abdallah Azzam-Brigaden" übernehmen die Verantwortung für die Raketen auf US-Kriegsschiffe und die israelische Stadt Eilat. Israel, so die Terroristen, sei ein ewiger Feind und die USA verbreiteten nur das Laster.

Von Yassin Musharbash


Screenshot des Bekennerschreibens: Warnungen gegen Tel Aviv

Screenshot des Bekennerschreibens: Warnungen gegen Tel Aviv

Berlin - "Eine Gruppe Eurer Mudschahidin-Brüder aus der Brigade des Märtyrers Abdallah Azzam hat heute um Punkt 8:30 Uhr ... amerikanische Kriegsschiffe im Hafen von Akaba, außerdem den Hafen von Eilat angegriffen - und zwar mit drei Raketen vom Typ 'Katjuscha'", heißt es in dem Bekennerschreiben, das heute Nachmittag auf der einschlägig bekannten, erst kürzlich wieder auferstandenen Islamisten-Website "Al-Ansar" veröffentlicht wurde. "Danach kehrten die Mudschahidin unversehrt wieder an ihren Aufenthaltsort zurück", heißt es in dem arabischen Dokument weiter, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Die Authentizität des Bekennerschreibens ist, wie in solchen Fällen üblich, nur schwer einzuschätzen. Unterzeichnet ist es mit "Abdallah Azzam-Brigaden, Organisation al-Qaida - Großsyrien und Kanaan". Bereits mehrfach hat es in der Vergangenheit Selbstbezichtungen unter genau diesem Namen gegeben, zuletzt bei den verheerenden Selbstmordanschlägen auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel im Juli mit Dutzenden Toten. Aber auch im Oktober 2004, bei einer früheren Bombenserie in dem Urlaubsgebiet, bekannten sich die nach einem ägyptischen Dschihad-Ideologen benannten Gotteskrieger. Auf diesen Anschlag in der Stadt Taba beziehen sich die Verfasser des heute aufgetauchten Schreiben denn auch ausdrücklich - offensichtlich um klar zu machen, dass es sich wieder um dieselben Täter handelt.

Die von den mutmaßlichen Tätern gegebenen Informationen decken sich mit den tatsächlichen Ereignissen. Ziele der koordinierten Angriffe vom Morgen waren offenbar zwei US-Kriegsschiffe, die gerade im zu Jordanien gehörenden Hafen von Akaba lagen. Die Katjuscha-Rakete verfehlte aber ihr Ziel und schlug in eine Lagerhalle des jordanischen Militärs ein, wobei ein jordanischer Soldat ums Leben kam.

Raketeneinschlag in Flughafennähe

Kurz danach schlugen nahe der nur rund sieben Kilometer entfernten israelischen Hafenstadt Eilat zwei weitere Geschosse ein; ein Taxifahrer wurde dabei leicht verletzt. Eine der Raketen kam in unmittelbarer Nähe des Flughafens von Eilat zur Explosion und verursachte einen Krater. Zuletzt hatten 1968 militante Palästinenser von Akaba aus Israel angegriffen. Die israelischen Behörden zeigten sich heute optimistisch, dass ihre jordanischen Kollegen alles tun würden, um weitere Angriffe zu unterbinden. Die beiden Staaten haben Mitte der Neunziger Jahre einen Friedensvertrag geschlossen und kooperieren in Sicherheitsfragen.

Anvisiertes US-Krieggschiff im Hafen von Akaba: "Bedingungsloser Feind"
REUTERS

Anvisiertes US-Krieggschiff im Hafen von Akaba: "Bedingungsloser Feind"

In dem Bekennerschreiben heißt es, Israel beziehungsweise der Zionismus "ist ein bedingungsloser Feind und Ziel unserer Aktionen". Erst vor wenigen Wochen, hieß es heute in israelischen Medien, habe das israelische Militär den jordanischen Nachbarn vor bevorstehenden Angriffen des Terrornetzwerks al-Qaida auf Israel von jordanischem Boden aus gewarnt. Zurzeit laufen in Jordanien mehrere Verfahren gegen Anhänger des Staathalters der al-Qaida im Irak, Abu Musab al-Sarkawi, der ebenfalls in Jordanien Anschläge geplant und finanziert hatte. Die heutige Serie scheint, so der durch das Bekennerschreiben erweckte Eindruck, aber von einer anderen Filiale der al-Qaida ausgeführt worden zu sein.

Warnung an Tel Aviv

"Die Amerikaner haben das Laster und die Zerstörung im Land verbreitet", schreiben die Autoren. Islamisten, insbesondere al-Qaida, halten den jordanischen Staat für ungläubig und korrupt, weil er mit den USA kooperiert. Es werde zu weiteren Anschlägen in "Großsyrien und Kanaan" kommen, wird deshalb gewarnt - unter Großsyrien fassen Islamisten auch die Staaten Libanon, Jordanien sowie Teile der Palästinensischen Gebiete.

In seinem erst vor wenigen Wochen erschienenen Buch über al-Sarkawi beschrieb der jordanische Terrorexperte Fuad Hussein, was seinen Recherchen zufolge die langfristige Strategie der al-Qaida ist. Er prophezeit, dass das Terrornetzwerk in den kommenden Monaten und Jahren eine Ausweitung der Kampfzone auf die Nachbarländer des Irak und Israel anstrebt. Der Anschlag von heute könnte ein Versuch in dieser Richtung sein. "Wir werden bald in Tel Aviv zuschlagen", wird in dem Dokument denn auch ausdrücklich gewarnt. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sagte Hussein, er halte es für sehr wahrscheinlich, dass al-Qaida hinter den Anschlägen steckt.

"Dem jordanischen Unterdrücker sagen wir Folgendes", schreiben die Verfasser mit Bezug auf den jordanischen König Abdallah II. weiter, "Wir haben schon damit begonnen, den Thron des ägyptischen Pharaos (gemeint ist der Staatspräsident Hosni Mubarak) zu zerstören". Jordanien, so der Sinn, stehe ähnliches bevor.

Das Bekennerschreiben fügt sich - wie auch der Anschlag - passgenau in die Ideologie al-Qaidas. Ob das heute aufgetauchte Schreiben authentisch ist, kann man dennoch nicht mit Bestimmtheit sagen. Ebenfalls noch unklar ist, was es mit Meldungen jordanischer Medien auf sich hat, denen zufolge eine aus Syrern und Irakern bestehende Gruppe Verdächtiger gesucht würde. Das Haus, von dem aus die Raketen abgefeuert wurden, soll zudem von einem Ägypter gemietet worden sein. Das alles deutet, schon wegen der Internationalität, auf al-Qaida, ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr als ein Indiz.



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