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Terror in Madrid: Züge von Bomben zerfetzt - 192 Tote, mehr als 1400 Verletzte

Es ist einer der blutigsten Anschläge, die Europa je gesehen hat: 192 Menschen starben und über 1400 wurden verwundet, als in vier Vorortzügen zehn Bomben explodierten. Die Sprengsätze waren in Reisetaschen in den Zügen abgestellt worden. Die Spanier sprechen in Analogie zum 11. September von ihrem 11. März.



Tatort Atocha: Rettunskräfte bergen Tote und betten sie in Leichensäcke
DPA

Tatort Atocha: Rettunskräfte bergen Tote und betten sie in Leichensäcke

Madrid - Es war 7.39 Uhr, als die erste Bombe explodierte, dann detonierten die Sprengsätze im Sekundentakt. Insgesamt zehn mit Sprengstoff gefüllte Taschen explodierten mitten in den dicht besetzten Vorortzügen, in denen Pendler, Schüler und Studenten unterwegs in die Stadtmitte waren. Dort, wo die Reisetaschen versteckt waren, sind die Züge aufgebogen wie Konservenbüchsen. Wer sich in der Nähe aufhielt, war sofort tot, Dutzende Menschen wurden durch umherfliegende Trümmer und Glassplitter schwer verletzt.

Drei Taschen wurden später von den Suchtrupps in den Wracks entdeckt. Sie waren nicht explodiert, vermutlich hatte die Zündvorrichtung versagt. Im Laufe des Tages mussten die Behörden ständig die Zahl der Toten nach oben korrigieren. Am Abend nannte das Innenministerium die Zahl von 192 Toten. Noch immer sind die Einsatzkräfte vor Ort, um in den Zügen nach Opfern zu suchen. Hoffnung, dass eingeklemmte Menschen noch am Leben sind, gibt es aber wohl nicht mehr.

Verletzte Opfer unter Schock: Bomben im Vorortszug
AFP

Verletzte Opfer unter Schock: Bomben im Vorortszug

Bislang hat sich niemand offiziell zu den blutigen Anschlägen bekannt. Die Londoner Zeitung "al Quds al Arab" berichtet jedoch, dass ihr eine E-Mail einer Gruppierung namens Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden vorliege, die sich im Namen von al-Qaida zu dem Anschlag bekennt. In dem Schreiben heißt es: "Wir haben erfolgreich das Herz des Kreuzfahrer-Europas infiltriert und einen der Stützpunkte der Kreuzfahrerallianz getroffen."

Polizei und führende Politiker machten die baskische Terrororganisation Eta für die Anschläge verantwortlich. Der Chef der verbotenen Eta-nahen Baskenpartei Herri Batasuna, Arnaldo Otegi, wies dies jedoch zurück. Vielmehr stünden vermutlich islamistische Terroristen hinter den Attentaten. Er sprach von einer "Operation des arabischen Widerstands". Dafür spreche auch, dass es keine vorherige telefonische Warnung gegeben habe, wie es sonst bei der Eta immer der Fall gewesen sei.

Einen Anschlag islamistischer Terroristen schloss der spanische Innenminister Angel Acebes jedoch umgehend aus. Es gebe keine Hinweise auf eine Verbindung zu al-Qaida: "Wir haben keinen Zweifel, dass die baskische Terrororganisation Eta hinter diesem Massaker steht", ergänzte er. Nach Angaben des Innenministers stimmte der verwendete Sprengstoff mit der in der Vergangenheit von Eta benutzten Sorte überein.

Karte der Anschlagsorte
SPIEGEL ONLINE

Karte der Anschlagsorte

"Die Eta hatte ein Massaker in Spanien geplant. Leider hat sie heute ihr Ziel erreicht", sagte Acebes. "Das ist Massenmord", sagte Ministerpräsident José María Aznar. "Die Verbrecher, die für so viele Todesopfer verantwortlich sind, werden gefasst werden", versprach er in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. "Wir werden die Terrorbande erfolgreich zur Strecke bringen", ergänte er und benutzte dabei die Bezeichnung, die die spanische Regierung üblicherweise für die baskische Separatistengruppe Eta gebraucht. Aznar erwähnte die Eta aber nicht namentlich. Diese Menschen seien heute getötet worden, "nur weil sie Spanier waren", sagte Aznar lediglich.

Die spanische Polizei war wegen der bevorstehenden Parlamentswahl in erhöhter Alarmbereitschaft. "Diejenigen, die für diese Tragödie verantwortlich sind, werden verhaftet werden, und sie werden teuer dafür bezahlen", sagte der Innenminister. Für morgen Abend rief die Regierung zu landesweiten Kundgebungen gegen die Eta auf. Außerdem ordnete sie eine dreitägige Staatstrauer an.

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