Terror in Marokko Regierung lässt Islamisten festnehmen

Nach den Anschlägen in Casablanca geht die marokkanische Polizei nun hart gegen Islamisten vor. Bei Massen-Razzien nahm sie rund 60 Menschen fest. Bisher haben die Behörden keine Beweise für eine Verbindung zum Terror-Netz al-Qaida. US-Präsident Bush forderte trotzdem eine Fortsetzung des Kampfes gegen den Terror.


In dem attackierten Hotel fand zur Zeit des Anschlags eine Anti-Terrorismus-Tagung statt
AFP

In dem attackierten Hotel fand zur Zeit des Anschlags eine Anti-Terrorismus-Tagung statt

Casablanca - Zumindest einen wichtigen Mann haben die marokkanischen Behörden auf jeden Fall in ihren Händen. Einer der vermutlich 13 Attentäter vom Freitagabend überlebte den Anschlag und wird nun von der Polizei befragt. Bisher aber wurde über die Ergebnisse nichts bekannt. Nach bisher nicht bestätigten Angaben soll er einer der insgesamt 13 Männer gewesen sein, die aufgeteilt in fünf Teams in der Hafenstadt Casablanca zeitgleich Bomben zündeten und 28 Menschen töteten. Viel ist über die Täter noch nicht bekannt. Die marokkanischen Behörden teilten am Samstagabend lediglich mit, dass es sich um Einwohner des nordafrikanischen Landes handeln soll.

Nach den Anschlägen konzentriert sich die Polizei offenbar auf eine militante Islamisten-Gruppe, die hinter den Anschlägen stecken könnte. Noch in der Nacht zum Samstag ließ sie Dutzende von Islamisten festnehmen. Allein in Casablanca habe es um die 40 Festnahmen gegeben, in Kénitra in der Nähe der Hauptstadt Rabat etwa 20, hieß es am Samstagabend von einer Menschenrechtsgruppe in Marokko. Eine Bestätigung der Regierung gab es dafür nicht. Laut einem Bericht der "New York Times" fanden die Polizisten bei einer Durchsuchung auch eine handgefertigte Bombe und Anleitungen zum Bombenbau.

Offenbar richtet sich der Fokus der Ermittlungen gegen die Gruppe mit dem Namen "Salafist Djihad", die den Behörden seit Jahren bekannt ist. Ein Beamter sagte der Nachrichtenagentur AP, dass mehrere Mitglieder der Gruppe zur Zeit befragt würden. Es sei aber noch zu früh, die vorläufigen Festnahmen zu bewerten. Den Salafisten wird ähnlich wie im Fall der Geiselnahme in Algerien eine Verbindung zum Terror-Netz al-Qaida nachgesagt.

Schon seit März diesen Jahres steht die Vereinigung ganz oben auf der Agenda der marokkanischen Behörden, die seitdem mehr als 100 Mitglieder hinter Gitter brachten. Vor allem die anti-westliche und regierungsfeindliche Propaganda ist den Behörden in Marokko ein Dorn im Auge. Außerdem gilt die Gruppe als gut bewaffnet. Ihr ebenfalls bereits verhafteter Führer ist für seine mitreißenden Reden gegen den Westen bekannt.

Bisher aber halten sich die Behörden mit der Nennung von al-Qaida sehr zurück. Ohne das Netz von Osama Bin Laden direkt zu nennen, sprachen Regierungsvertreter nach dem Anschlag immer wieder allgemein vom "internationalen Terrorismus". Es gebe starke Hinweise auf Kontakte der Attentäter mit weltweit operierenden Terroristen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Auch ein Sprecher des Königs äußerte sich ähnlich.

Der US-Präsident George W. Bush bot Marokko Hilfe bei der Suche nach den Hintermännern an. "Die Attacken zeigen erneut, dass der Terrorismus keine Grenzen kennt", sagte Bush in einem veröffentlichten Statement. Der Krieg gegen den Terror müsse deshalb weiter geführt werden, forderte Bush.

Die meisten Opfer der Anschläge in Casablanca waren Marokkaner, teilten die Behörden mit. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen starben aber auch mindestens zwei Spanier und ein Franzose. Hinweise auf deutsche Opfer gab es nicht. Die Terroristen hatten am späten Freitagabend im Vergnügungs- und Finanzzentrum der Wirtschaftsmetropole zeitgleich mehrere Autobomben gezündet oder sich vor westlichen und jüdischen Einrichtungen in die Luft gesprengt.



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