Terrorbotschaft: Wenn al-Qaida Norwegen und Dänemark verwechselt

Irgendwie scheinen die Qaida-Chefs geographische Schwächen zu haben. Die angebliche Botschaft des Bin-Laden-Vizes Aiman al-Sawahiri nennt Norwegen als potenzielles Terrorziel - was in dem im Irak-Konflikt unauffälligen Land für erhebliche Verwunderung sorgte. Die Dänen vermuten, dass eigentlich sie gemeint waren.

Oslo/Kopenhagen - "Erlaubt Amerikanern, Briten, Australiern und Norwegern oder anderen Kreuzfahrern, die eure Brüder im Irak töten, nicht, in euren Ländern zu leben", forderte der mutmaßliche Stellvertreter Osama Bin Ladens auf dem Tonband, das der Sender al-Dschasira veröffentlicht hatte - was die Norweger ziemlich verstörte. Was hatten sie mit dem Irak-Krieg zu tun? Das Land gilt gemeinhin als Vermittler in internationalen Konflikten und war im Irak-Konflikt neutral geblieben.

Ganz anders Nachbar Dänemark: Die Regierung in Kopenhagen gehörte zur Koalition der Willigen, beteiligte sich am Krieg und sieht sich inzwischen als eigentlichen Adressaten der Drohungen. "Er meint auf jeden Fall Dänemark", sagte Helle Lykke Nielsen, Terrorismusexperte an der Universität von Süddänemark. "Er warnt ganz offensichtlich die Mitglieder der Kriegskoalition." Im Nahen Osten würden die skandinavischen Länder häufig verwechselt.

Das vermutet auch der Direktor des Friedensforschungsinstituts in Oslo, Stein Toennesen. Er sagte, möglicherweise habe Sawahiri, dessen Stimme auf dem Tonband zu hören sein soll, Norwegen mit Dänemark verwechselt.

Der dänische Geheimdienst messe der Qaida-Erklärung hohe Beachtung bei, sagte eine Sprecherin. Die Polizeikontrollen vor den Botschaften in Kopenhagen wurden verstärkt.

Beruhigt sind die Regierungsstellen in Oslo dennoch nicht. Das Außenministerium rief seine Botschaften im Nahen und Mittleren Osten zu besonderen Sicherheitsvorkehrungen auf. Die Vereinigten Staaten schlossen am Donnerstag ihre Botschaft in Oslo für einen Tag. Zugleich seien die nahezu 8000 in Norwegen lebenden US-Bürger zu besonderer Vorsicht aufgerufen worden, teilte Botschaftssprecherin Kathy Perez mit.

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