Terrorprävention: BA erwägt Raketenabwehr für Passagierflugzeuge
Nach den Warnungen von Geheimdiensten, Terroristen könnten Passagierjets mit Boden-Luft-Raketen abschießen, prüft die Fluggesellschaft British Airways offenbar, ihre Maschinen mit entsprechenden Abwehrsystemen auszurüsten. Doch solche Einrichtungen sind umstritten.
Eine Maschine des Typs "Lockheed MC-130 Talon I" verschiesst Täuschkörper, die mittels hoher Wärmeabstrahlung Flugabwehrraketen mit Infrarot-Suchkopf fehlleiten sollen
London - Die British Airways habe entsprechende Gespräche mit den Flugzeugherstellern Airbus und Boeing aufgenommen, berichtet "The Times" am Freitag. "Wir prüfen die Möglichkeiten. Was im militärischen Bereich funktioniert, muss aber nicht notwendigerweise auch bei einem zivilen Flugzeug gehen", zitierte die Zeitung den Sicherheitschef der Gesellschaft, Geoff Want.
Zunächst, so fordert die Fluggesellschaft, sollten Regierungen weltweit das Risiko vermindern, dass Passagierflugzeuge zum Ziel für Terroristen werden können. Dazu gehöre eine bessere Bewachung von Flughäfen und des umgebenden Geländes. Landende und startende Maschinen können schon allein auf Grund der geringen Flughöhe von Boden-Luft-Raketen angegriffen werden.
Das ist bereits einmal geschehen: Im vergangenen November wurde ein israelisches Passagierflugzeug beim Start in Mombasa beschossen. Damals kamen die rund 260 Passagiere mit dem Schrecken davon: Die Raketen verfehlten das Flugzeug knapp.
Die Installation von Raketenabwehrsystemen ist jedoch nicht unumstritten: Nach Angaben des Blattes ist die Fluggesellschaft besorgt, dass ein Fehlalarm eines solchen Abwehrsystems zu Chaos auf Flughäfen führen könne. Zudem sei die Ausrüstung sehr teuer. Der Besitzer eines Privatflugzeuges müsse etwa umgerechnet 2,5 Millionen Euro für ein solches Infrarotsystem bezahlen. Laut " Times" beträgt der Preis auch für Großabnehmer wie die British Airways mit seinen 330 Maschinen immer noch rund 840.000 Euro pro Flugzeug.
Ein Sprecher der australischen Fluggesellschaft Qantas, die zum Teil der BA gehört, sagte der Zeitung, ein besserer Schutz an und um Flughäfen sei effektiver als ein System im Flugzeug. "Die Kosten, ein solches Raketenabwehrsystem zu installieren, sind enorm und ihre Wirkung ist sehr unsicher", sagte der Sprecher.
Bislang sind in der zivilen Luftfahrt Raketenabwehrsysteme nicht üblich. Regierungsflugzeuge wie die Air Force One oder die Kanzler-Maschine sind allerdings mit solchen Systemen ausgestattet. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bereits eine Schreck-Erfahrung gemacht: Als er im Mai 2002 von Kabul nach Usbekistan flog, löste das Abwehrsystem aus. Zunächst hieß es damals, die Transall-Maschine sei ins Zielradar einer Raketenstellung geraten. Das wurde später jedoch dementiert.
Ein Sprecher der deutschen Luftwaffe erklärte dann, das Abwehrsystem könne durch ein Gewitter aktiviert worden sein. Dabei sei es zu einem "Fehlausschuss" von Kartuschen mit Magnesiumleuchtkörpern und Aluminiumtäuschkörpern gekommen. Diese Gegenstände entwickeln Hitze und sollen Raketen von ihrem eigentlichen Ziel ablenken.
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