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Terrorverdacht: Angst vor Cat Stevens - Jumbojet umgeleitet

Dem ehemaligen Popstar Cat Stevens ist als Terrorverdächtiger die Einreise in die USA verweigert worden. Wegen des vor Jahrzehnten zum Islam konvertierten Briten haben die US-Behörden eine Linienmaschine auf dem Weg von London nach Washington nach Maine umgeleitet.

Yusuf Islam alias Cat Stevens (Archiv, 1997): Einreise in die USA verweigert
AP

Yusuf Islam alias Cat Stevens (Archiv, 1997): Einreise in die USA verweigert

Washington - Dem 56-Jährigen wurde die Einreise in die USA aus Sicherheitsgründen verweigert, bestätigte ein Sprecher des Heimatschutzministeriums. Er sei aus Gründen der nationalen Sicherheit der USA festgenommen worden und werde heute mit dem ersten möglichen Flug das Land verlassen. Erst als die Boeing 747 der United Airlines bereits in der Luft war, hatte man den potenziellen Terroristen erkannt. Sein Name wurde bei einer Überprüfung der Passagiere auf der Liste der Terrorverdächtigen entdeckt. Die Folge: Der Flug mit der Nummer 919 wurde auf Anweisung der amerikanische Flugsicherheitsbehörde (TSS) 1000 Kilometer weit in Richtung Bangor im US-Staat Maine umgeleitet. Hier musste der verdächtige Passagier das Flugzeug verlassen.

Cat Stevens nennt sich seit seiner Konvertierung Yusuf Islam und setzt sich für Menschen in Not ein. Wie die Verkehrssicherheitsbehörde mitteilte, steht der neue Name des Künstlers auf der so genannten Watchlist der USA, auf der missliebige Personen aufgeführt sind. Fluglinien sind verpflichtet, ihre Passagierlisten den US-Behörden vorab mitzuteilen.

Seit seinem Übertritt zum muslimischen Glauben war der Sänger mit zahlreichen Kontroversen in die Schlagzeilen geraten. Die Behauptung, er habe das von Ayatollah Khomeini ergangene Todesurteil gegen Salman Rushdie gutgeheißen, hat Yusuf Islam öffentlich dementiert. Genützt hat ihm das wenig, denn vor allem in Amerika wurde derart Stimmung gegen ihn gemacht, dass der Ruf des ehemaligen Popsängers dort fast vollständig ruiniert ist.

Aus seiner anti-amerikanischen Grundhaltung macht der Muslim kein Hehl: In einem Interview mit der "Tageszeitung" kritisierte er vor knapp einem Jahr die US-Regierung scharf: "Ich glaube, die USA sind ein naives Volk, nicht annähernd so weit entwickelt wie die europäischen Nationen. Deswegen machen sie so viele Fehler. (...) Schauen Sie sich George W. Bush an. Er sollte diesen Job nicht haben, er dürfte diesen Job nicht haben - und jeder weiß das!" Er wolle versuchen, den zivilisierenden Beitrag zu unterstreichen, den der Islam in der Welt leisten könne und bereits geleistet hat, erklärte der Barde.

"Ich verfolge immer noch dasselbe Lebensziel wie zu meinen Zeiten als Sänger. Ich möchte die Welt zu einem besseren, friedlicheren Ort machen", sagte Islam kürzlich anlässlich der Eröffnung einer US-Niederlassung seiner Wohltätigkeitsorganisation "Small Kindness". Die Organisation sammelt Geld für Kinder und Familien in Krisengebieten.

Islam wurde als Stephan Georgiou geboren und nahm als Sänger den Künstlernamen Cat Stevens an. In den sechziger und siebziger Jahren feierte er Erfolge mit Liedern wie "Wild World" oder "Morning Has Broken". Cat Stevens verkaufte 40 Millionen Alben - und verschwand 1978 als nicht einmal 30-Jähriger abrupt von der Showbühne. Er beendete seine Musikerkarriere und konvertierte zum Islam. Später wurde er Religionslehrer und gründete 1983 eine muslimische Schule in London.

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