Terrorverdacht Bonner König-Fahd-Akademie droht Schließung

Der Verdacht gegen gewaltbereite Islamisten im Umfeld der Bonner König-Fahd-Akademie erhärtet sich. Bei einem Verdächtigen seien für ein Sprengstoffattentat benötigte Substanzen gefunden worden, berichtet das ARD-Magazin "Panorama". Die Akademie wird von der Regierung Saudi-Arabiens unterhalten.


Umstritten: Die König-Fahd-Akademie
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Umstritten: Die König-Fahd-Akademie

Bonn/Köln - Ein Ägypter, der als Mitglied der Terrororganisation al-Qaida und Drahtzieher des Bombenanschlags von Bali gilt, habe in jüngster Zeit Verbindung zur Akademie aufgenommen, berichtet die Nachrichtenagentur ddp unter Berufung auf Berliner Sicherheits- und Geheimdienstkreise.

Ergebnisse einer ersten Überprüfung von Schulbüchern der Akademie durch die Bezirksregierung in Köln seien "Besorgnis erregend" gewesen. In den Schulbüchern werde der Islam als "absolute Wahrheit mit globalem Anspruch" dargestellt und eine "sehr enge Auffassung" vom Islam vermittelt. Es laufe offenbar alles auf eine Schließung der König-Fahd-Akademie hinaus.

Die Akademie war wegen möglicher Kontakte zu Al-Qaida und dem in ihrem Umfeld registrierten vermehrten Zuzug von mutmaßlichen Islamisten nach Bonn ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Der SPIEGEL hatte berichtet, dass mehrere den Sicherheitsbehörden bekannte Islamisten in den vergangenen Monaten ins Umfeld der Akademie gezogen seien, um ihre Kinder dort nach saudischen Lehrplänen ausbilden zu lassen und die Predigten in der Schulmoschee zu besuchen.

"Panorama" berichtete über Erkenntnisse der Behörden aus dem Umfeld der Akademie, die auf gewaltbereite Islamisten hinwiesen. Ein Sprecher der Bonner Polizei bestätigte, dass es in der Bundesstadt "Durchsuchungen" gegeben habe. Bei einem Verdächtigen aus Bonn seien "Substanzen für ein Sprengstoffattentat und al-Qaida-typische Anleitungen zum Bombenbau" Gefunden worden. Dieser Verdächtige habe enge Kontakte zu Islamisten gepflegt, die regelmäßig in der Akademie verkehren, wo rund 500 Schüler unterrichtet werden. Ermittler hätten auch ein handgeschriebenes Testament gefunden, wie es für Selbstmordattentäter typisch sei.

Die Akademie habe Kontakt zur "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland" (IGD), die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Im Falle einer Schließung der Akademie gehe das Vermögen an die IGD über. Der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Hartwig Möller, sprach gegenüber dem Magazin von einem "Alarmzeichen". Einige Mitglieder der IGD unterhielten "enge Beziehungen zu terroristischen Organisationen".

Aus Regierungskreisen in Berlin wurde die "Hoffnung" geäußert, dass jetzt die saudische Regierung, die die Akademie in Bonn unterhält, von sich aus die "Notbremse zieht und die Schule einstellt". Es stünden die Beziehungen zu Saudi-Arabien auf dem Spiel. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte kürzlich bei seinem Besuch in Riad erklärt: "Die Sache wird abgestellt".



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