Teststrecke Transrapid fährt wieder durchs Emsland

Knapp zwei Jahre nach dem schweren Transrapid-Unglück im Emsland ist der Betrieb auf der Teststrecke wieder aufgenommen worden: Der neue Transrapid 09 begann in Lathen mit seinen Versuchsfahrten - allerdings nur bei niedriger Geschwindigkeit.


Lathen/Ottobrunn - Noch sind die Strecken kurz, noch ist das Tempo gering: Nach Angaben einer Sprecherin der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG) in Ottobrunn bei München befuhr der Magnetzug bei niedriger Geschwindigkeit einen Teil der Versuchsanlage in Niedersachsen. Die ganze rund 32 Kilometer lange Strecke werde noch nicht umrundet. Details zum Testprogramm nannte sie nicht.

Transrapid vom Typ TR09: Wiederaufnahme der Testfahrten
DDP

Transrapid vom Typ TR09: Wiederaufnahme der Testfahrten

"Es war bei den Vorgängerzügen auch üblich, dass zunächst nur kurze Strecken mit niedriger Geschwindigkeit absolviert wurden", sagte die Sprecherin. Die Wiederaufnahme der Fahrten seien ein Meilenstein für das Unternehmen.

Am vergangenen Dienstag hatte der Magnetzug erstmals die Betriebshalle verlassen. Seit dem Unglück im September 2006 mit 23 Toten hatte der Betrieb geruht. Im Juli hatte die Landesregierung in Hannover die Wiederaufnahme der Testfahrten genehmigt. Zunächst darf der Transrapid keine Fahrgäste mitnehmen. Vor einer Neuauflage sollte ein Unfall wie der vor zwei Jahren künftig ausgeschlossen werden.

Am 22. September 2006 war ein Transrapid ungebremst auf einen auf der Strecke vergessenen Werkstattwagen geprallt.

Inzwischen sind nach Auskunft der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Werkstattwagen mit einem elektronischen Schloss ausgestattet: Das System gibt den Fahrweg für den Magnetzug erst dann frei, wenn sämtliche Wartungsfahrzeuge und andere mögliche Hindernisse - wie etwa Arbeitsbühnen - auf klar definierten Abstellorten geparkt wurden.

Im Mai waren zwei frühere Betriebsleiter der Anlage wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu Geldstrafen verurteilt worden. Das Verfahren gegen einen Fahrdienstleiter war wegen Selbstmordgefahr vorläufig eingestellt worden.

Nach dem Scheitern der geplanten Verbindung zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Münchner Flughafen gibt es derzeit keine konkrete Planung für einen kommerziellen Einsatz des Transrapids.

Bislang fährt der Magnetzug nur in Shanghai. Mehrere für Deutschland geplante Trassen sind seit den neunziger Jahren immer wieder an Finanzierungsproblemen gescheitert.

han/dpa



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