Texas Pilot steuert Kleinflugzeug in Bürohaus in Austin

Im texanischen Austin ist eine einmotorige Maschine in ein Bürohaus geflogen. Das Gebäude, in dem sich das örtliche Finanzamt befindet, geriet in Brand. Ermittler gehen davon aus, dass der Pilot absichtlich dort hineingerast ist.

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Austin - Am Donnerstagmorgen gegen 11.30 Uhr Ortszeit raste ein Kleinflugzeug in Austin im US-Bundesstaat Texas in ein Bürohaus und ging in einem Feuerball auf. Das siebenstöckige Gebäude geriet in Brand und wurde umgehend evakuiert.

Nach Informationen der Feuerwehr wurden zwei Menschen ins Krankenhaus gebracht, ein Büromitarbeiter wurde am Nachmittag (Ortszeit) noch vermisst. Die Feuerwehr war im Einsatz. Aus den Fenstern des Hauses quoll dicker, schwarzer Rauch.

Offenbar wurde die einmotorige Maschine mit voller Absicht in das Gebäude gesteuert, in dem sich auch ein Büro der Finanzbehörde Internal Revenue Service (IRS) befindet. In dem siebenstöckigen Gebäude arbeiten rund 200 Menschen. Laut Polizeiangaben hat der Pilot zunächst sein Haus angezündet und hat dann sein Kleinflugzeug vom Flughafen geholt.

"Es besteht kein Grund zur Panik", beschwichtigte ein Polizeisprecher die Menschen vor Ort. Einsatzkräfte vermuteten hinter der Tat einen Selbstmordakt.

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Austin: Kleinflugzeug stürzt in Bürohaus
Ermittler identifizierten den Piloten als Joseph Andrew Stack. Auf einer Internetseite drückte der 53-Jährige in einer sechsseitigen Botschaft seinen Unmut über die amerikanische Regierung aus, vor allem aber über die Steuerbehörden. Seine Wut richtete sich auch gegen zahlreiche andere, darunter seine Frau und die Kirche.

Auf der auf seinen Namen registrierten Website hat Stack offenbar eine Nachricht hinterlassen, die wie ein Abschiedsbrief klingt. Darin wirft der Verfasser den Behörden ein unfaires Steuersystem vor, das sein Leben ruiniert habe. "Gewalt ist die einzige Antwort", heißt es in dem Brief. Der Amok-Flug solle andere Menschen zum Kampf gegen "aufgeblasene Polit-Ganoven" aufrütteln.

Das US-Heimatschutzministerium hatte zuvor mitgeteilt, es gehe nicht von einem Terroranschlag aus. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, sagte, er gehe nicht von einem Terrorakt aus. Präsident Barack Obama werde fortlaufend über den Vorfall informiert. Die US-Luftwaffe entsandte zwei F-16-Kampfflugzeuge zur Überwachung des Lufttraums über Austin.

Eine Erschütterung wie ein Erdbeben

Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall, als das einmotorige Flugzeug in den Bürokomplex krachte. Das ganze Gebäude sei durch die Explosion erschüttert worden, Dutzende Scheiben wurden zerstört. "Es fühlte sich an, als sei eine Bombe explodiert", sagte Peggy Walker, eine Angestellte der Finanzbehörde. "Die Decke stürzte ein, Fenster zerschlugen und wir rannten hinaus."

"Es sah aus, als ob das Flugzeug direkt in mein Fenster fliegt", sagte der Finanzbeamte William Winnie der Zeitung "Austin Statesman". Kurz vor dem Einschlag habe die Maschine dann abgedreht und sei in ein unteres Stockwerk gerast.

"Ich sah einen Feuerball, so hoch wie die Gebäude", sagte Matt Farney, der sich in der Nähe des Geschehens aufhielt. "Es war so unwirklich. Es war wahnsinnig. Es sah aus, als habe der Pilot das bewusst getan."

Michelle Santibanez, die rund einen Kilometer entfernt arbeitet, sagte, sie habe Erschütterungen gefühlt. Sie sei sofort zum Fenster gerannt - das, was sie gesehen habe, habe sie an die Anschläge des 11. September 2001 erinnert. "Das Szenario war sehr ähnlich: Tische und Papier flogen aus den Fenstern", sagte sie. Eine Augenzeugin sagte CNN, die Erschütterung habe sich angefühlt wie ein Erdbeben.

Erst am Mittwoch waren beim Absturz einer Maschine in einem Wohnviertel im nordkalifornischen Palo Alto der Pilot und die zwei Passagiere ums Leben gekommen. Ein Haus ging in Flammen auf. Weitere Häuser und mehrere geparkte Fahrzeuge wurden von Flugzeugtrümmern getroffen. Den Behörden zufolge kamen die Anwohner aber mit dem Schrecken davon.

siu/han/AFP/AP/dpa



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