Höhlenrettung in Thailand Ist mein Junge in Sicherheit?

Vier weitere Kinder sind aus der Höhle in Thailand befreit worden. Doch die Bedingungen für den Rettungseinsatz dürften wieder schlechter werden - und noch bangen Angehörige um die letzten Eingeschlossenen.

Einsatzkräfte in Thailand
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Einsatzkräfte in Thailand

Aus Chiang Rai berichtet


Somboom Sompiangjai weiß noch nicht genau, ob er sich freuen soll. Er glaubt schon, denn gerade hat ihm ein Helfer aus dem Einsatzteam erneut versichert, dass "zuerst die Starken" die Höhle verlassen. Sein Sohn Peerapat ist 16, fast schon ein Mann, ganz sicher stärker als die anderen, die ja teilweise noch elf sind.

Der Vater lächelt. Er hat ein gutes Gefühl. Sein Sohn ist bestimmt nicht mehr in dieser verfluchten Höhle. Peerapat ist sicher schon mit dem Hubschrauber ausgeflogen worden. Sitzt in Chiang Rai, in der nächst größeren Stadt, 50 Kilometer von hier, gut versorgt von Ärzten und Psychologen. Aber wissen, wirklich wissen tut es Somboom Sompiangjai zu diesem Zeitpunkt nicht.

Denn die Namen der geretteten Kinder, so berichten es die Eltern, wurden ihnen zunächst nicht mitgeteilt. Am Abend Bangkoker Zeit hatten die rund 100 beteiligten Helfer das achte Kind aus der Höhle geschafft. Das wurde von offizieller Seite bestätigt.

Die Bedingungen waren besser als erwartet und die Rettungskräfte schneller als geplant: Anders als angekündigt, regnete es am Montag kaum. Die Pumpen arbeiteten auf Hochtouren, weite Teile der vier Kilometer vom Höhleneingang zum Fundort der Kinder können mittlerweile zu Fuß zurückgelegt werden.

Eigentlich sieht es gut aus, mehr als die Hälfte der Kinder ist in Sicherheit. Und dennoch ist es eine sehr seltsame Situation, durch die die Angehörigen gehen müssen. Seit gut 14 Tagen harren die meisten von ihnen vor der Höhle aus. Gut bewacht von Polizisten und Soldaten, die meist recht erfolgreich jeden Kontakt zu den Journalisten unterbinden.

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Vor den Vätern, Eltern und Geschwistern der eingeschlossenen Kinder entstand in kürzester Zeit ein kleines Dorf, direkt vor dem Höhleneingang. Immer mehr Journalisten kamen. Erst nur Thailänder, später internationale Presse, jetzt ist quasi die ganze Welt da: CNN, BBC, FOXNews, ARD, RAI, India News, jeder hat Reporter geschickt.

Zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Hälfte der Eltern eigentlich längst keine Sorgen mehr machen musste, blieb für alle die Frage: Ist mein Junge in Sicherheit? Oder ist er noch in der Höhle? Gehört mein Sohn zu den schwachen Kindern, die vermutlich nicht mehr den Vorteil des guten Wetters auf ihrer Seite haben, da es jetzt definitiv regnen soll?

Inzwischen haben die ersten Eltern Gewissheit bekommen: Sie durften die geretteten Jungen im Krankenhaus sehen, auch Prayut Chan-o-cha, Premierminister und Führer der Militärjunta, war vor Ort.

Bei den Einsatzkräften, speziell bei den Tauchern, führen die Erfolgsmeldungen offenbar nicht zu mehr Optimismus. Natürlich wissen alle Beteiligten, dass es nur einen einzigen Ausgang gibt, der als Erfolg gewertet werden wird: Wenn alle gerettet werden.

Video: "Erst ein Erfolg, wenn alle raus sind"

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Die "perfekten Bedingungen" jedenfalls, von denen Einsatzleiter Narongsak Ossothankorn sprach, die sind spätestens am Dienstag vorbei. Der lange angekündigte, starke Regen soll nun wirklich kommen. Die Höhle könnte wieder volllaufen. Die Pumparbeiten müssten von vorne beginnen.

Der "Kampf gegen das Wasser", wie der Einsatzleiter es nannte, er würde wieder schwerer werden. Mit anderen Worten: Acht Kinder sind draußen, und keiner der Taucher in der Höhle scheint zu glauben, auch nur ansatzweise am Ziel zu sein.

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