Höhlenrettung in Thailand Der Wortführer der "Wildschweine"

Ohne Papiere lebt Adul Sam-on in Thailand. Er geht zur Schule und spielt in seiner Freizeit Fußball. Als er mit seinem Team in der Höhle eingeschlossen ist, nimmt er eine Führungsrolle ein.

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Seine Eltern wünschten sich für ihren Sohn ein besseres Leben und brachten ihn aus Myanmar über die Grenze nach Thailand. Adul Sam-on lebt ohne seine Familie in dem Land und hat keinen Pass - aber er spricht Englisch und wurde so zum Wortführer der zwölf Jungen und ihres Fußballtrainers, die mehr als zwei Wochen in einer Höhle in Thailand eingeschlossen waren, wie mehrere Medien berichten.

Die ersten Taucher, die die Jungen vergangene Woche nach neuntägiger Suche entdeckten, gehörten zu einem britischen Rettungsteam. Adul war der einzige, der mit ihnen sprechen konnte.

"Welchen Tag haben wir?", fragt er auf Englisch in dem Video der britischen Rettungstaucher, die die Jungen nach tagelangem Bangen in der Höhle fanden. Er und die anderen hätten Hunger, sagt Adul weiter. Die Bilder des Jungen, geblendet vom Licht der Taschenlampe, gingen um die Welt.

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Adul stammt aus dem faktisch autonomen, aber nicht anerkannten Wa-Staat im Nachbarland Myanmar. Der gewaltsame Konflikt der dort herrschenden Miliz mit der Regierung Myanmars hat Tausende Menschen ins Exil gedrängt. In der Hoffnung auf ein besseres Leben für ihn schickten Aduls Eltern ihn nach Thailand, wo er seit sieben Jahren in einer christlichen Schule unterrichtet wird.

Ohne Pass ist er einer von mehr als 400.000 Menschen, die nach Angaben des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in Thailand als staatenlos registriert sind. Anderen Quellen zufolge haben bis zu 3,5 Millionen Menschen in dem Land keine Staatsangehörigkeit.

Adul ist der beste Schüler seiner Klasse

Seine Lehrer loben Aduls sportlichen Ehrgeiz und sein Sprachtalent. Der 14-Jährige sei der beste Schüler seiner Klasse, sagte der Direktor der Ban Wiang Phan Schule gegenüber der "New York Times". Außer Thailändisch und Englisch spricht er auch Birmanisch und Mandarin-Chinesisch.

20 Prozent der Schüler seien staatenlos, erzählt der Direktor weiter. "Die staatenlosen Kinder haben so ein starken Kampfgeist, der ihnen dabei hilft, sich selbst zu übertreffen."

Trotzdem wird es Adul nach seiner Rettung aus der Höhle nicht leicht haben. Staatenlose können in Thailand nicht rechtsgültig heiraten, ein Bankkonto eröffnen, Land besitzen oder wählen. Doch davon ließe er sich nicht entmutigen, heißt es aus seinem Umfeld.

Als einer der ersten aus dem Fußballteam "Moo Pa", die "Wildschweine", verließ Adul die Höhle. Wie er sich in diesem Moment verhalten solle, schrieben ihm seine Eltern in einem Brief. "Nachdem du aus der Höhle gekommen bist, musst du dich bei jedem Offizier bedanken. Wir werden solange auf dich warten, bis du herausgekommen bist."

Karte der überfluteten Höhle in Thailand
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Karte der überfluteten Höhle in Thailand

Nach ihrer Rettung wurden Adul, sein Trainer und der Rest der Mannschaft in ein Krankenhaus gebracht. Das Team hat die lange Zeit unter der Erde laut Aussagen der Ärzte gut überstanden. Sie müssen allerdings zur weiteren Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Ihre Rettung kam offenbar genau zum richtigen Zeitpunkt. Laut eines Zeitungsbericht des "Guardians" hätte die Aktion auch schiefgehen können: Kurz nach der Rettung habe die Haupt-Wasserpumpe versagt, woraufhin der Pegel rasch stieg. Zu dem Zeitpunkt seien Taucher und Rettungsarbeiter noch mit dem Einsammeln von Gerät beschäftigt gewesen. Die verbliebenen hundert Arbeiter in der Höhle seien in wilder Flucht zum Ausgang gerannt, berichtete das Blatt.

Die spektakuläre Rettung könnte bald auch auf der großen Leinwand laufen. Solch ein Film könne Millionen Menschen weltweit inspirieren, sagte Michael Scott, Geschäftsführer der US-amerikanischen Produktionsfirma Pure Flix Entertainment, in einer Videobotschaft auf Twitter.

sen/AFP/dpa



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