Höhlendrama So läuft die Rettung - Spezialtaucher dringen erneut zu den Jugendlichen vor

In Thailand versuchen Taucher erneut, Jugendliche und ihren Trainer aus einer Höhle zu befreien. Medienberichten zufolge konnten inzwischen vier weitere Jungen ins Freie geholt werden - fünf Menschen müssen noch ausharren.

Wolken über den Bergen von Tham Luang
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Wolken über den Bergen von Tham Luang


In Thailand kämpfen Rettungskräfte weiter um das Überleben von einer Jugendfußballmannschaft, die seit mehr als zwei Wochen in einer Höhle eingeschlossen ist. Die Rettungsaktion wurde am Montag nach mehr als zwölf Stunden Unterbrechung fortgesetzt. Spezialtaucher seien wieder auf dem Weg in die Höhle zu den Jungen und ihrem Betreuer, teilte Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn mit.

Nach Angaben des Missionsleiters ist das Wasser in der teilweise überfluteten Höhle stark abgesunken, auch das Wetter ist gut. Die Rettungsaktion sei daher früher als ursprünglich geplant fortgesetzt worden, sagte Narongsak. Weil schwere Regenfälle drohen, ist die Aktion auch ein Wettlauf gegen die Uhr. Der Gouverneur äußerte sich zuversichtlich: "Wir werden in einigen Stunden gute Nachrichten haben."

Video: Offenbar drei weitere Jungen gerettet

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Schon kurze Zeit später meldeten mehrere Medien, die Rettungsaktion komme gut voran. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen Helfer vor Ort am Höhleneingang von acht Menschen, die aus der Höhle befreit worden seien. Die Nachrichtenagentur Reuters berief sich auf einen Augenzeugen und berichtete ebenfalls von insgesamt acht Geretteten. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

Am Sonntag hatten Rettungskräfte bereits vier Jungen ins Freie geholt. Damit warten nun noch vier Jugendliche und ihr 25-jähriger Betreuer auf Hilfe. Sie sitzen seit mehr als zwei Wochen in der Höhle fest.

Die Rettung der Jugendmannschaft, die etwa vier Kilometer vom Ausgang entfernt und in etwa 600 Metern Tiefe festsitzt, gilt als äußerst riskant. Auf dem Weg ins Freie müssen die Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren lange Strecken durch schlammiges Wasser tauchend zurücklegen. Da sie in dem Wasser praktisch nichts sehen können, wurden Taue befestigt, an denen sie sich voran hangeln sollen.

An einigen Stellen ist der Weg hinaus extrem eng. Jeweils zwei Retter nehmen die Jungen ins Schlepptau. Alle sind mit Taucherbrillen ausgerüstet und werden von den Männern mit Sauerstoff versorgt. Wie gefährlich das Unterfangen ist, hatte am Freitag der Tod eines erfahrenen thailändischen Tauchers gezeigt, der auf dem Weg aus der Höhle wegen Sauerstoffmangels gestorben war.

Gerettete bekamen Beruhigungsmittel

Am Sonntag war es gelungen, vier Jugendliche sicher aus der Höhle zu bringen. Sie hatten den Angaben zufolge zuvor starke Medikamente bekommen. "Die Jungs standen unter Beruhigungsmitteln, damit sie nicht in Panik gerieten", sagte der dänische Taucher Ivan Karadzic dem dänischen Rundfunk. "Sie waren nicht total betäubt, aber sie reagierten nicht mehr richtig."

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Thailand: Rettungsaktion in der Höhle

Karadzic war an der Rettungsaktion am Sonntag beteiligt und half etwa auf halben Weg in der überschwemmten Höhle dabei, Druckluftflaschen auszuwechseln. "Wir hatten uns alle möglichen Katastrophenszenarien ausgemalt - Ausrüstung, die kaputt geht, und Kinder, die in Panik geraten, ertrinken und wiederbelebt werden müssen", erzählte er der Nachrichtenagentur Ritzau. "Wir waren vorbereitet, doch nichts ist passiert."

Die Jungen hätten Taucheranzüge und Masken getragen. "Sie sahen etwas verängstigt aus, aber sie waren nicht in Panik oder so. Und sie lächelten und sagten Danke", berichtete der Taucher.

Video: Rettungsaktion: "Bislang sind nur die fittesten Kinder rausgekommen"

DER SPIEGEL

Familien dürfen erstmals Gerettete besuchen

Insgesamt sind bei der Rettungsaktion etwa 90 Taucher im Einsatz. Das Kernteam besteht aus 18 Spezialtauchern, davon der größte Teil aus dem Ausland, aus Ländern wie Australien und Großbritannien. Die australische Außenministerin Julie Bishop äußerte die Erwartung, dass die Jungen wie am Sonntag in Vierer-Gruppen aus der Höhle gebracht würden. Dies würde bedeuten, dass sich die Aktion noch mehrere Tage hinzieht.

Die vier geretteten Kinder werden in einem Krankenhaus der Provinzhauptstadt Chiang Rai behandelt, etwa 50 Kilometer von der Höhle entfernt. Noch am Montag sollten ihre Familien das erste Mal die Gelegenheit haben, die Jungen zu besuchen. Nach Auskunft der Behörden geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Der achte Stock der Klinik, wo die Jungen die erste Nacht nach ihrer Rettung verbrachten, ist von der Polizei abgesperrt.

Die Behörden machen weiterhin keine Angaben dazu, welche der insgesamt zwölf Jungen am Sonntag befreit wurden. Die Gruppe war am 23. Juni mit ihrem Trainer zu einem Ausflug in die Höhle gegangen und nach Regengüssen von steigenden Wassermassen überrascht worden. Erst neun Tage später wurden sie von Tauchern gefunden und mit Nahrung versorgt

Anmerkung: Wir haben die Angaben zu dem Ort der Höhle, an dem die Gruppe festsitzt, korrigiert.

fok/dpa/Reuters/AFP

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