Thailand Taucher wollen Jungen in mehreren Gruppen aus der Höhle holen

Mindestens bis zum Nachmittag soll es dauern, bis die ersten geretteten Jungen am Höhleneingang im Norden Thailands ankommen. Die Aktion ist gefährlich - für die Eingeschlossenen und für die Rettungstaucher.

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Es regnet in den Bergen von Chiang Rai - und für die nächsten zwei Wochen ist noch stürmischeres Wetter im Norden Thailands angekündigt. Für die zwölf eingeschlossenen Jugendlichen und ihrem Trainer in der Tham-Luang-Höhle könnte das tödlich sein. Denn starke Regenfälle lassen das Wasser in den Gängen ansteigen, eine Rettung würde immer schwieriger.

Daher begann um zehn Uhr Ortszeit (fünf Uhr MESZ) am Sonntagmorgen die äußerst gefährliche Rettungsaktion. 18 Sporttaucher aus Thailand und dem Ausland machten sich in Tauchanzügen, mit Helmen, Stirnlampen und Spezialausrüstung für Höhlentauchgänge auf den Weg. "Das Wetter ist gut. Der Wasserstand ist gut. Die Taucher sind bereit", sagte Provinzgouverneur Narongsak Osotthanakorn, der die Rettung leitet, vor Journalisten. "Die Jungen sind körperlich, seelisch und psychisch bereit, herauszukommen."

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Rettungsaktion in Thailand: Eingeschlossen im Fels

Seit vergangenem Mittwoch lernen die Jungen, die zwischen 11 und 16 Jahre alt sind, und ihr 25-jähriger Trainer, Tauchmasken und Atemgeräte zu benutzen. Sie würden nun in mehrere Gruppen aufgeteilt, berichtete die Zeitung "Bangkok Post" unter Berufung auf Rettungskräfte. So sollen zunächst vier Jungen in Begleitung der erfahrenen Höhlentaucher den riskanten und langwierigen Tauchgang beginnen. Drei weitere Gruppen von jeweils drei Jugendlichen sollen folgen. Der Betreuer der seit 16 Tagen in der Höhle eingeschlossenen Gruppe werde demnach bei der letzten Gruppe sein.

Im vorderen Bereich der etwa zehn Kilometer langen Höhle steht noch das schlammige Wasser, wie auf Fotos der Armee zu sehen ist. Überall liegen dicke Plastikrohre, durch die die Helfer Flutwasser aus der Höhle pumpen. Dadurch soll es einfacher werden, die Kinder herauszuholen. In der Nacht vor der Rettung halfen Hunderte Soldaten und Helfer beim Abpumpen und schleppten Ausrüstung über schlammige Stufen hoch zum Höhleneingang.

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Vor den Jungen liegt ein anstrengender Weg durch die weit verzweigte Höhle. Zurzeit harrt die Gruppe noch auf einem trockenen Vorsprung aus, etwa vier Kilometer weit im Inneren. Sie müssen enge und zum Teil überflutete Abschnitte in Dunkelheit passieren, die zum Teil nur 60 Zentimeter breit sind und schon für Höhlentaucher eine Herausforderung darstellen. Ein früherer Navy-Seal-Taucher kam am Freitag ums Leben.

Als frühestmöglicher Zeitpunkt, wann die ersten Jungen aus der Höhle kommen könnten, wurde der Sonntagabend um 21 Uhr (16 Uhr MESZ) genannt. Die Rettung könnte sich aber auch bis Montag oder noch länger hinziehen. Als Letzter wird der Trainer erwartet. 13 Rettungswagen und Helikopter stünden an zwei verschiedenen Orten bereit, sagte Narongsak. Das nächstgelegene Krankenhaus Prachunakroh-Krankenhaus in der knapp 60 Kilometer entfernten Stadt Chiang Rai ist vorbereitet: Zudem waren im thailändischen Fernsehen Krankenhaus-Mitarbeiter zu sehen, die 13 Krankentragen vor dem Eingang aufstellten. Der achte Stock des Krankenhauses soll Berichten zufolge für die Geretteten reserviert sein.

Elon Musk will Mini-U-Boot bauen

Am Aufenthaltsort der Gruppe ist der Sauerstoffgehalt in der Luft von 21 Prozent auf 15 Prozent abgesunken. Gleichzeitig zur laufenden Rettungsaktion werden daher andere Möglichkeiten erkundet, die Fußballteam wieder ans Tageslicht zu bringen. Wie schon in den vergangenen Tagen bohren Helfer Löcher in das Gestein über dem Höhlenkomplex, um einen alternativen Zugang zu schaffen.

Am Sonntag soll zudem ein Team des Tech-Milliardärs Elon Musk eintreffen, wie Thailands Verteidigungsministerium ankündigte. Am Freitag hatte der 47-Jährige mitgeteilt, Ingenieure seines Raumfahrtunternehmen SpaceX und seiner Tunnelbaufirma The Boring Company seien auf dem Weg nach Thailand.

Zudem gebe es Überlegungen, ein U-Boot in Kindergröße zu bauen, das von zwei Tauchern getragen werden könne. Seine Techniker würden dafür etwa acht Stunden brauchen, 17 Stunden würde der Transport nach Thailand dauern. Nachdem bekannt wurde, dass Taucher die eingeschlossenen Jungen am Sonntag aus der Höhle holen sollen, twitterte Musk, er wünsche dem "extrem fähigen Taucherteam" alles Gute. Wegen des Monsunregens sei der Einsatz nun vernünftig.

"Kämpft weiter!"

Vor dem Höhleneingang hatten sich in den letzten Tagen Hunderte Angehörige, Behördenvertreter, Katastrophenhelfer und Reporter aus aller Welt eingefunden. Kostenlose Massagen und Haarschnitte werden angeboten, und Freiwillige kochen lokale Gerichte. Am Sonntag wurde das provisorische Mediencamp mit mehr als tausend thailändischen und ausländischen Journalisten geräumt. Sie wurden zu einem Regierungsgebäude geleitet, in dem Freiwillige Eis verteilen mit Fähnchen, auf denen steht: "Wir unterstützen unsere Helden moralisch. Kämpft weiter".

Die Rettungsaktion hat weltweit viel Aufmerksamkeit geweckt. Eine Erfolg könnte Thailands Regierung Auftrieb verschaffen, bevor im kommenden Jahr die nächste Wahl ansteht. Premierminister Prayut Chan-o-cha, Führer der Militärjunta, plant, die Höhle am Montag zu besuchen, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Sein Besuch in der vergangenen Woche mit Verwandten und Rettungskräften wurde von vielen Thailändern als opportunistisch kritisiert.

abl/Reuters/dpa

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