Thailand Weniger Verletzte, immer mehr Tote

In den Krankenhäusern auf Phuket kämpfen die Patienten mit Organversagen und schweren Entzündungen. Immer weniger Kranke melden sich in den Hospitälern - doch das ist kein gutes Zeichen. Die meisten Vermissten gelten inzwischen als tot.

Aus Phuket berichtet Hardy Prothmann


Krankenhaus in Phuket: Von Tag zu Tag melden sich weniger Verletzte
REUTERS

Krankenhaus in Phuket: Von Tag zu Tag melden sich weniger Verletzte

Phuket - 1687 Tote, 8951 Verletzte, 4265 Vermisste. Das sind die offiziellen Zahlen, die die thailändischen Behörden zur Zeit herausgeben. Da die Zahlen in den vergangenen Tagen immer deutlich überschritten wurden und oft mit dem Faktor fünf oder zehn multipliziert werden mussten, sagen sie also nur aus, dass die Behörden entweder keine richtigen Zahlen herausgeben oder sie selbst nicht wissen.

Allein die Bundesrepublik Deutschland rechnet mit bis zu 1000 toten deutschen Urlaubern, die schwedischen Behörden mit bis zu 2200 toten Landsleuten. Das wäre schon das Zweifache der thailändischen Zahlen.

Im Vachira Phuket Hospital, dem größten Krankenhaus im Umkreis von 600 Kilometern, liegen noch zehn deutsche Patienten, darunter zwei Schwerstverletzte. Einem muss der Arm amputiert werden, der andere kämpft mit einem septischen Schock und Organversagen. Viele derer, die transportfähig waren, sind auf eigene Faust nach Hause geflogen oder über die Botschaft und die Reiseunternehmen abtransportiert worden. Im Vachirat lag die Zahl der stationär versorgten verletzten Deutschen in den vergangenen drei Tagen immer bei ungefähr 50.

Unklar ist die Lage in Phang Nga und Krabi. Es heißt, dort seien noch viele deutsche Verletzte in Behandlung. Bislang konnten die Verletzten aus Kapazitätsgründen nicht in andere Krankenhäuser transportiert werden.

Wunden entzünden sich

Nach der Erstversorgung der Patienten könnten die Notaufnahmen bald wieder Zulauf finden. Wie der deutsche Arzt Gerhard Melcher berichtet, der hier das zweite Jahr seiner Facharztausbildung absolviert, kommen Patienten ins Krankenhaus, deren Wunden sich entzündet haben: "Das ist kein Wunder, bei dieser Hitze und den provisorischen Unterkunftsbedingungen ist die Gefahr einer Sepsis sehr hoch." Er appelliert deshalb dringend, dass alle Verletzten, deren Wunden eitern oder sich erhärten, sofort ins Krankenhaus zurückkehren. Viele der Flutopfer haben Schnittwunden: "Solche Wunden sind sehr anfällig für Entzündungen, vor allem an den Extremitäten", sagt Melcher.

Mittlerweile sind Betreuungs- und Ärzteteams aus Deutschland eingetroffen. Nach Berichten von Helfern vor Ort seien diese aber zunächst nur bedingt einsatzfähig, weil sie mit den besonderen Bedingungen noch nicht vertraut seien. Der Militärattache Christian Ibrom ist am Mittwoch, drei Tage nach der Katastrophe, aus Bangkok eingeflogen und hat sich mittlerweile ein Bild von der Lage gemacht.

Allerdings erwarten die Hilfskräfte keinen neuen Ansturm von Verletzten. Die meisten Vermissten gelten als tot. In Khao Lak werden Leichen am Strand verbrannt. Die Feuer könnten auch bald andernorts brennen, denn im Hafen von Phuket City türmen sich ebenfalls die Leichen.



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