London - Wenn's passt, kramen britische Boulevardzeitungen für Artikel über Deutschland immer noch gerne das Weltkriegsvokabular hervor, bevorzugt bei großen Fußballturnieren. Dass die Briten auch anders können, beweist ausgerechnet die "Sun": Sie hat eine Liste mit zehn Gründen veröffentlicht, Deutschland zu lieben.
Der Artikel hat eine Vorgeschichte. Großbritanniens Premierminister David Cameron strebt eine Volksabstimmung darüber an, ob man in der Europäischen Union bleiben soll. Das veranlasste die "Bild"-Zeitung zur Schlagzeile: "Bitte geht nicht, ihr seid so schön crazy!" Man brauche den britischen Eigensinn statt Einheitseuropa. "Und vor allem: Wir lieben Eure schrulligen Royals! Euren Punk! Euren Humor!" Prinz Harry sei besser zum Fremdschämen geeignet als jeder andere. Auch das Ungeheuer von Loch Ness, Designerin Vivienne Westwood und sogar britische Urlauber führte das Blatt an.
Und nun revanchiert sich die "Sun", so etwas wie das britische Pendant zur "Bild"-Zeitung. Zwar seien manche Gründe des deutschen Blattes wenig einfühlsam gewesen, etwa die Bemerkung über Prinz Philips oftmals unpassende Kommentare. Aber immerhin werde auch der britische Humor gepriesen, etwa Rowan Atkinson alias Mr. Bean.
Das reicht offenbar, um eine ähnliche Liste zu machen. Darauf finden sich unter anderem: Jägermeister, Rudi Völlers Frisur und Bart, die Band Kraftwerk, das Oktoberfest, Wimbledon-Legende Boris Becker, sogar Aldi und Lidl. Ganz oben, als Nummer eins, steht allerdings ausgesprochen teutonische Wertarbeit: gleich vier deutsche Autohersteller. "Wir lieben Audi, BMW, VW und Mercedes." Selbstverständlich kommen auch deutsche "Laufsteg-Königinnen" zu ihrem Recht: Claudia Schiffer und Heidi Klum machen Deutschland offenbar ebenso liebenswert wie Turnschuhe deutscher Marken.
Nur in einem Punkt hat die "Sun"-Redaktion offenbar Probleme. Die "Bild"-Zeitung hatte einen Satz des früheren englischen Nationalspielers Gary Lineker zitiert, wonach beim Fußball am Ende immer Deutschland gewinne. Das wollte die "Sun" nicht einfach so gelten lassen. Wenigstens war der Hinweis auf den einzigen WM-Sieg der Engländer dezent: "Ähm. Wembley '66?"
ulz
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