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Thorsten Legat: Ex-Fußballstar als Kind vom Vater sexuell missbraucht

Der ehemalige Fußballprofi Thorsten Legat ist in seiner Kindheit von seinem Vater offenbar misshandelt und sexuell missbraucht worden. "Es war das reinste Horrorszenario", schreibt der 45-Jährige in seinen jetzt erscheinenden Lebenserinnerungen.

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Legat in seiner Zeit bei Schalke 04: "Die Leute denken, dass ich ein Psycho bin"

Hamburg - In seiner Autobiografie "Wenn das Leben foul spielt" enthüllt der ehemalige Bundesligaspieler Thorsten Legat, dass er von seinem Vater sexuell missbraucht und schwer misshandelt wurde.

"Mein Vater war ein Tyrann", sagte er der "Bild"-Zeitung, die Auszüge aus dem Buch veröffentlichte. Mit Bambusstöcken sei das Familienoberhaupt auf die Mutter, seine drei Brüder und ihn selbst losgegangen, so lange, bis sie bluteten und der Bambus zerbrach. "Wenn er betrunken nach Hause kam, dann ließ dieser Choleriker seinen Aggressionen freien Lauf", schreibt Legat.

Jahrelang habe ihn der Vater zudem sexuell missbraucht und erniedrigt - im Ehebett, wo er zusammen mit den Eltern schlief, aber auch im Beisein von Freunden und Bekannten. "In mir spürte ich die allgegenwärtige Angst - aber auch Hass, Ekel und Wut. Ich wünschte ihm den Tod", so Legat.

In diesem Zusammenhang gewinnt die Anekdote, dass Legat einst auf die Frage von Jupp Heynckes nach dem Grund für seine schlechten Leistungen bei Eintracht Frankfurt sagte, sein Vater sei gestorben, eine völlig andere Bedeutung. Heynckes entsandte damals einen Kondolenzstrauß in Legats Bochumer Elternhaus, den der äußerst lebendige Vater selbst entgegennahm.

Sieben Jahre lang sei er dem "miesen Schwein" hilflos ausgeliefert gewesen, bis er sich im Alter von zwölf den Brüdern anvertraut habe, erzählt Legat. Diese hätten ihn von da an vor weiteren Übergriffen geschützt. Einer seiner Brüder sei ebenfalls vom Vater missbraucht worden.

"Zeigen, warum ich manchmal so war"

Legat schildert sehr belastende Details des Missbrauchs. Warum er damit an die Öffentlichkeit gehe? "Die Leute denken doch alle, dass ich ein Psycho bin, einen Knall habe", sagt er der "Bild"-Zeitung. "Ich will nun zeigen, warum ich manchmal so war und alles ausgelebt habe, manchmal auch aggressiv."

Solche kritischen Momente gab es in seiner Karriere einige. In der Silvesternacht 1996 schlug Legat in Bochum einen Mann krankenhausreif. 2007 wurde er angezeigt, weil er mit einem Samurai-Schwert auf eine Gruppe pöbelnder Jugendlicher losgegangen war.

Wegen eines rassistischen Ausfalls drohte ihm 1999 beim VfB Stuttgart der Rauswurf. Der damals 31-Jährige hatte im Kraftraum des Bundesligisten auf ein Poster, das seinen dunkelhäutigen Mitspieler Pablo Thiam mit einer Trinkflasche zeigte, das Wort "Negersaft" gekritzelt.

"Den hau ich um"

Heute ist sich Legat sicher: Die schlimmen Kindheitserfahrungen waren verantwortlich für sein späteres unkorrektes Verhalten. Wenn er aufs Spielfeld gegangen sei, habe er sich vorgestellt, der Gegenspieler sei sein Vater und gedacht: "Den hau ich um!" Selbst im Training sei es zu Situationen gekommen, "in denen ich einfach anderen wehtun wollte". Mit Kampfsport und Fitness habe er versucht, diese Gewaltbereitschaft zu kompensieren.

Als der verhasste Erzeuger 2005 starb, ließ Legats Alarmstimmung langsam nach. Er musste sich nicht mehr verteidigen, hörte auf mit Kampfsport und konzentrierte sich ganz auf den Fußball. Als er mit 33 Jahren das Profi-Kicken aufgeben musste, gelang es ihm offenbar nur schwer, das entstandene Vakuum zu füllen: "Alles zerbrach", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Ich wollte nichts und niemanden mehr sehen - nicht einmal meine Frau und meine beiden Söhne." Dann fing er selbst an zu trinken. "Ich soff so lange, bis ich nicht mehr Herr meiner Sinne war."

Suizidgefährdet sei er gewesen, nur die Liebe seiner Familie habe ihn zur Vernunft kommen lassen. "Ich weiß nicht, wie es ohne Alexandra und meine Kinder mit mir weitergegangen wäre."

Legat bestritt in seiner aktiven Zeit insgesamt 243 Bundesligaspiele für den VfL Bochum, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, den VfB Stuttgart und Schalke 04. Heute ist er Trainer des Landesligisten 1. FC Wülfrath und bezeichnet sich selbst als "glücklichsten Menschen der Welt".

ala

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