Thüringen Flugzeug rast in Menschenmenge

Missglückter Startversuch: Bei einem Fest auf einem Sportflugplatz in Eisenach raste ein Kleinflugzeug in eine Gruppe von Menschen am Rand des Flugfelds. Eine Frau wurde getötet, weitere Zuschauer und der Pilot zum Teil schwer verletzt.


Erfurt - Das ehemalige Agrarflugzeug tötete mindestens einen Zuschauer. Vier Menschen wurden laut Polizei schwer verletzt, vier weitere erlitten leichte Verletzungen. "Die Zahl der Opfer kann sich noch erhöhen", sagte der Sprecher der Polizeidirektion Gotha weiter. Nähere Angaben zu den Opfern lagen am späten Nachmittag nicht vor.

"Der Rettungsgroßeinsatz läuft derzeit noch auf Hochtouren. Wir haben vor Ort einen Krisenstab einberufen", so der Polizeisprecher. Die Opfer standen nach Behördenangaben an einer Imbissbude am Rand des Sportflugplatzes, als die Maschine während einer Flugschau verunglückte. Aus bisher nicht sicher geklärter Ursache hob das Flugzeug, das älteren Baujahres sein soll, nicht vom Boden ab.

Nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) platzte bei der Maschine während des Starts ein Reifen. Sie sollte zu einer Vorführung starten, als das Unglück passierte. Das Flugzeug raste demnach in die Menschenmenge, streifte ein Zelt mit Rettungssanitätern und fuhr in den Verkaufsstand einer Zuckerwatte- und Eisverkäuferin. Dabei wurde nach Augenzeugenberichten eine der beiden Verkäuferinnen getötet. Zuschauer berichteten auch, dass unter den Schwerverletzten ein Kind sein soll. Das konnte die Polizei am Abend noch nicht bestätigen.

Auch eine von dpa zitierte Augenzeugin, die Betreiberin der Flughafengaststätte, bestätigte: "Beim Start sah es so aus, als sei plötzlich ein Reifen geplatzt". Das Flugzeug sei ins Trudeln geraten. "Es hob noch kurz einige Meter vom Boden ab, kam aber nicht mehr auf Höhe und raste dann völlig außer Kontrolle in den Zuckerwatte-Stand".

Der Pilot selbst wurde im Flugzeug engeklemmt und musste befreit werden. Er soll ebenfalls schwer verletzt sein. Bei der zweiten Verkäuferin wurden Wiederbelebungsversuche unternommen. Über den Zustand der beiden liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Am Unglücksort herrsche blankes Entsetzen, so ein Augenzeuge, ein Korrespondent der "Thüringer Allgemeinen Zeitung" in einem Radiointerview des MDR. Er monierte, dass kein Arzt vor Ort gewesen sei. In einem Rettungswagen am Rande des Flugfeldes hätten lediglich zwei Sanitäter gesessen. Die eigentlichen Rettungskräfte seien erst nach rund zehn Minuten am Ort eingetroffen, so der Reporter.

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) reagierte mit Betroffenheit auf die Unglücksnachricht. "Er verfolgt den Fortgang der Ereignisse und bedankt sich bei allen freiwilligen Helfern, die sofort Hilfestellung gegeben haben", sagte ein Sprecher des Regierungschefs.

Nach Angaben der Polizei sind vier Rettungshubschrauber, zahlreiche Rettungswagen und Feuerwehren im Einsatz. Zur der Flugshow hatten sich rund 5.000 Menschen versammelt.

sev/dpa/Material der Homepage des MDR



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