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Unglück in China: Weißer Schaum auf den Straßen von Tianjin

Unglücksgebiet in Tianjin: Schweigeminute für die Opfer der Explosionen Zur Großansicht
AP/ Chinatopix

Unglücksgebiet in Tianjin: Schweigeminute für die Opfer der Explosionen

Nach den verheerenden Explosionen in Tianjin erschwert Regen die Aufräumarbeiten. Viele fürchten, das Wasser könnte giftige Stoffe verbreiten. Gegen den chinesischen Arbeitsschutzminister wird ermittelt.

Die chinesischen Behörden bereiten sich offenbar auf eine größere Umweltkatastrophe in Tianjin vor. Derzeit würden Pläne für die Behandlung von "Zehntausenden Tonnen verunreinigten Wassers" im Unglücksgebiet gemacht, sagte der Chefingenieur des Umweltamtes der Stadt, Bao Jingling.

Der erste Regen seit der Explosionskatastrophe im Hafen von Tianjin schürt in der nordchinesischen Stadt neue Angst vor der Verbreitung giftiger Stoffe. Auf den Straßen sei eine weiße Flüssigkeit zu sehen, berichtete die Zeitung "Global Times". Auch andere chinesische Reporter sprachen von ungewöhnlichem weißem Schaum auf den Straßen.

Bao Jingling riet der Bevölkerung, sich so weit wie möglich von den Verschmutzungen an der Unglücksstelle zu entfernen. Der Regen löste Sorgen aus, dass die weit verstreuten Chemikalien bei Kontakt mit Wasser gefährlich reagieren oder das Abwasser vergiften. Bao Jingling kündigte an, die Luft werde an 18 Testorten untersucht und die Bevölkerung bei einer zu hohen Belastung umgehend informiert.

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Tianjin: Riskantes Aufräumen
Durch die Explosionen nach einem Feuer in dem Gefahrgutlager vergangenen Mittwoch sind mindestens 114 Menschen gestorben. 70 Menschen gelten noch als vermisst. In Krankenhäusern wurden fast 700 Menschen behandelt, darunter 57 Schwerverletzte.

Mit einer Schweigeminute und dem Heulen von Schiffssirenen gedachten die Menschen in Tianjin am Dienstag der Opfer. Der siebte Tag nach dem Tod ist in China traditionell der Trauertag.

Die Aufräumarbeiten in dem riesigen Trümmerfeld mit herumgewirbelten Containern, ausgebrannten Häusern und Chemikalien kommen nur langsam voran. Bergungstrupps mit Spezialisten brachten bis Montagabend rund 150 Tonnen mit gefährlichen Chemikalien in Sicherheit, wie Vizebürgermeister He Shushan mitteilte. Ursprünglich hatten Beamte einen großen Teil von 700 Tonnen giftigen Natrumcyanids in versprengten Behältern einsammeln und abtransportieren wollen.

Inzwischen ist der chinesische Minister für Arbeitsschutz, Yang Dongliang, von seinen Pflichten entbunden worden. Gegen den Chef der staatlichen Verwaltung für Sicherheit am Arbeitsplatz werde wegen "schwerer Verletzung von Disziplin und Gesetzen" ermittelt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Staatsagentur stellte keinen Zusammenhang mit der Katastrophe in Tianjin her, doch war Yang Dongliang bis Mai 2012 Vizebürgermeister der Metropole. Kommentatoren und Nutzer sozialer Medien wiesen auch auf seine Karriere in staatlichen Ölkonzernen und später in der chemischen Industrie Tianjins hin.

Ermittlungen gegen Yang Dongliang (Archiv): Minister für Arbeitsschutz entlassen Zur Großansicht
imago/ Xinhua

Ermittlungen gegen Yang Dongliang (Archiv): Minister für Arbeitsschutz entlassen

Auch gegen das Unternehmen Ruihai Logistik, das das unheilvolle Gefahrgutlager betrieb, wird wegen Ungereimtheiten bei seinen Lizenzen für den Umgang mit Chemikalien ermittelt. Das 2011 gegründete Unternehmen hatte von April bis Oktober 2014 nur eine vorübergehende Genehmigung, hatte aber nach deren Auslaufen trotzdem weiter Chemikalien transportiert. Erst im Juni dieses Jahres habe Ruihai eine neue Lizenz bekommen, um mit Gefahrgütern umzugehen. Dafür sei eine Sicherheitsprüfung vorgenommen worden.

wit/dpa/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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1. prioritäten
jamon 18.08.2015
was jucken uns denn die menschlichen schicksale? was jucken uns die arbeitsbedingungen? die aktienkurse brechen ein.....
2.
andros0813 18.08.2015
Unschwer zu erkennen, das auch hier wieder eine Menge Sicherheitsvorschriften missachtet wurden. Es mag eine Weile gut gehen, aber wenn es knallt, wird es fürchterlich. Mensch und Tier werden dort noch Jahre leiden, denn die Vergiftung hat ein ungeheures Ausmaß. Wie auch der atomare Gau in Japan geschieht das alles für eine 'gesunde Volkswirtschaft'.. Doch richtig verdienen tuen nur Leute wie Dongliang & Co.. Chinas 'Elite' ist korrupt, das sollte bekannt sein.
3. Korrupte Elite
taggert 18.08.2015
Zitat von andros0813Unschwer zu erkennen, das auch hier wieder eine Menge Sicherheitsvorschriften missachtet wurden. Es mag eine Weile gut gehen, aber wenn es knallt, wird es fürchterlich. Mensch und Tier werden dort noch Jahre leiden, denn die Vergiftung hat ein ungeheures Ausmaß. Wie auch der atomare Gau in Japan geschieht das alles für eine 'gesunde Volkswirtschaft'.. Doch richtig verdienen tuen nur Leute wie Dongliang & Co.. Chinas 'Elite' ist korrupt, das sollte bekannt sein.
... Leider nicht nur Chinas. Ich bezweifel stark, dass es auch nur ein Land in der Welt gibt wo die Eliten nicht bis ins mark von Gier, Egoismus und Gleichgültigkeit korrumpiert wurden.
4. Alles, was im
wermoe 18.08.2015
Kapitalismus im Überfluss vorhanden ist, ist nicht viel wert, Menschenleben gehören dazu, auch bei uns, siehe die Dramen im Mittelmeer !
5.
limespolytheist 18.08.2015
Ursprünglich hatten Beamte einen großen Teil von 700 Tonnen giftigen Natrumcyanids in versprengten Behältern einsammeln und abtransportieren wollen. Das soll Natriumcyanids heißen oder?
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