Explosionen in Tianjin Die unsichtbare Gefahr

Nach der Katastrophe von Tianjin ist das Ausmaß noch immer nicht klar. Die größte Bedrohung für die Menschen geht offenbar von giftigen Gasen aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

DPA

Einsatzkräfte bekommen die Umweltkatastrophe in der chinesischen Hafenstadt Tianjin nicht unter Kontrolle. In der Bevölkerung wächst die Angst vor den freigesetzten hochgiftigen Chemikalien.

An der Unglücksstelle waren am Samstag mehrere schwächere Detonationen zu hören. Kleinere Feuer brachen aus. Zudem bestätigten die Behörden, dass hoch giftiges Natriumzyanid gefunden wurde. Im Umkreis von drei Kilometern wurden die Bewohner in Sicherheit gebracht.

Bei den schweren Explosionen im Hafen kamen mindestens hundert Menschen ums Leben. Die wichtigsten Antworten zur Katastrophe von Tianjin.

Wie kam es zu den verheerenden Explosionen?

Die Ursache ist unklar. Fest steht, dass die Feuerwehr am Mittwochabend zu einem Brand auf das Hafengelände gerufen wurde. Das Ziel war eine Halle für Gefahrgüter, das "Ruhai International Logistics Warehouse", in dem offenbar viele Tonnen Chemikalien lagerten.

Eine genaue Aufstellung der Giftstoffe und der Mengen ist bisher nicht öffentlich. Die Behörden haben mitgeteilt, dass Kalziumkarbid darunter war, Kaliumnitrat, Ammoniumnitrat und das hochgiftige Natriumzyanid. Die Zersetzung von Ammoniumnitrat kann bei höheren Temperaturen zu Detonationen führen. In Deutschland fällt der Stoff unter das Sprengstoffgesetz.

Der China News Service berichtete, es seien auch Tanks mit den leicht entzündlichen Flüssigkeiten Methanol und Ethanol explodiert.

Warum sind so viele Feuerwehrleute unter den Opfern?

Womöglich haben die Feuerwehrleute die Katastrophe dadurch beschleunigt, dass sie den Brand mit Wasser bekämpfen wollten. Kalziumkarbid zum Beispiel reagiert mit Wasser zum hochexplosiven Acetylen.

Mehr als 20 Feuerwehrleute starben. Eine unbekannte Zahl von ihnen wird vermisst. "Als die Explosion passierte, waren Feuerwehrleute dabei, den Brand zu löschen, und Verstärkung war gerade eingetroffen, sodass die Opferzahl hoch ist", sagte Zhou Tian, Chef der Feuerwehr von Tianjin.

Wie gefährlich ist Natriumzyanid?

Natriumzyanid ist ein weißes kristallines Pulver. Wenn es inhaliert oder eingenommen wird, behindert es die Atmung, schreibt die BBC. Der Stoff wird zum Beispiel in Minen verwendet, um Gold oder Silber zu gewinnen. Aus Natriumzyanid entsteht die hochgiftige Blausäure.

Kurz nachdem die Behörden am Samstag mitgeteilt hatten, dass der Stoff auf dem Gelände gefunden worden war, ordneten sie an, die Menschen im Umkreis in Sicherheit zu bringen. Wie groß die Gefahr ist, sagten sie nicht. Einwohner aber äußerten die Angst, dass sich Gift in der Luft und im Wasser befinden könnte. In Tianjin leben etwa zehn Millionen Menschen.

In der Luft hing am Samstag nach Angaben des China News Service ein schlechter Geruch. Menschen klagten über gereizte Atemwege. Feuerwehrleute nahe dem Unglücksort hätten tränende Augen, berichteten Augenzeugen.

sms/dpa/Reuters



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