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Tieffliegender Jumbo: Air-Force-Stunt löst Panik in Manhattan aus

Viele New Yorker fühlten sich an den 11. September 2001 erinnert: Eine Boeing 747 kreiste über Manhattan und versetzte viele Menschen in Panik. Doch es handelte sich nur um eine Fotoaktion mit der US-Präsidentenmaschine - die Polizei teilt mit, sie habe die Bevölkerung nicht warnen dürfen.

New York - Die Bilder weckten bei vielen New Yorkern böse Erinnerungen. In langsamem Tiefflug steuerte eine Boeing 747 am Montag auf die Südspitze Manhattans zu. Gefolgt von einem F-16-Kampfjet der Air Force passierte sie erst die Freiheitsstatue, dann den Financial District, umrundete ein paar Mal den Goldman Sachs Tower, den höchsten Wolkenkratzer auf der gegenüberliegenden Seite des Hudson Rivers - und verschwand schließlich wieder.

Bei genauem Hinsehen war die mächtige Maschine sogar zu identifizieren: "Air Force One" stand auf ihrer Seite - samt US-Präsidentensiegel.

Wie am 11. September 2001, als Qaida-Terroristen mit zwei gekaperten Jets das World Trade Center zerstörten, gingen bei der New Yorker Polizei und der Infozentrale 311 sofort Hunderte Notrufe ein. Menschen verließen in Scharen ihre Büros in den Skyscrapern von Lower Manhattan. Einige Wolkenkratzer wurden vorsorglich ganz evakuiert. "Die Leute strömten nur so aus den Gebäuden", sagte der Fotograf Edward Acker der "New York Times". "Sie kamen aus dem American Express Building, aus allen Gebäuden des Financial Districts."

Auch an der New York Mercantile Exchange, der Warenterminbörse unweit von Ground Zero, machte sich kurz Panik breit. Händler und Broker flüchteten aus dem Haus. Ein Börsenmitarbeiter habe versucht, die Menge zu beruhigen, doch "die Kerle sind einfach an ihm vorbei gerannt", sagte der Trader Pete Donovan dem "Wall Street Journal". Die Zeitung selbst filmte den vorbeifliegenden Jumbo Jet aus den Fenstern der Redaktion im World Financial Center.

Die Boeing 747 war in der Tat eine offizielle US-Präsidentenmaschine, allerdings nur der Reservejet für die normale "Air Force One", die Barack Obama benutzt. Und der Flug war, wie sich schnell herausstellte, ein reiner Stunt - eine Fotoaktion, inszeniert von der Air Force.

Es habe sich um eine "Luftfoto-Mission" fürs Weiße Haus gehandelt, teilte die Air Force mit. Sie sei im Rahmen des "weiterführenden Trainings" für Crew-Mitglieder und in Einklang mit der US-Luftfahrtbehörde FAA arrangiert worden. Die New Yorker Polizei bestätigte, vorab informiert gewesen zu sein, sie habe die Öffentlichkeit aber explizit nicht warnen dürfen.

Der Jet näherte sich Manhattan von Süden, indem er die Verrazano-Narrows-Brücke überflog, und steuerte dann insgesamt dreimal niedrig am Finanzviertel vorbei.

Die betroffenen Bürger waren wenig erfreut. Einmal habe der Jumbo den Goldman Tower nur um Dutzende Meter verfehlt, berichteten Bauarbeiter. "Ein Mann, mit dem ich sprach, zitterte", sagte Fotograf Acker.

Selbst die drei Leitindizes der US-Börsen fielen zur gleichen Zeit steil ab, obwohl ein direkter Zusammenhang mit dem Jumbo-Stunt natürlich nicht nachweisbar ist. "Nach all dem, was wir hier unten mitgemacht haben, tut man das den Leuten hier nicht an", schimpfte Jillian Pievarello, die an der Mercantile Exchange arbeitet, in der "New York Post".

In der Nacht übernahm Louis Caldera, Direktor des Militärbüros im Weißen Haus, die Verantwortung für den Zwischenfall. Er habe in der vergangenen Woche einen Einsatz über New York genehmigt. Bundesbeamte hätten zwar die Staats- und Stadtbehörden korrekt informiert - aber es sei klar, dass die Operation "Konfusion und Verstörung" erzeugt habe. Er bitte um Entschuldigung für jegliches Leid, das sie verursacht habe.

pit

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"Air Farce One": Das Flugzeug über Manhattan


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