Tierliebhaber in Australien: Für Schaf Baa vors Oberste Gericht

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Schaf Baa: Der wertvollste Besitz von Vu Ho

Seit sechs Jahren streitet der Australier Vu Ho für sein Recht, Hausschaf Baa in seinem Garten halten zu dürfen. Mehr als Hunderttausend Euro hat ihn das schon gekostet. Nun will er sogar vor das Oberste Gericht ziehen.

Sydney - Zwölf Jahre dauert die Beziehung von Hausschaf Baa und dem Australier Vu Ho nun schon: So lange hält der Mechaniker das Tier in seinem Garten. Der sei jedoch viel zu klein für das Schaf, findet die Stadtverwaltung Greater Dandenong nahe der Metropole Melbourne. Schon vor sechs Jahren ordnete sie an, dass Baa gehen müsse. Doch der Besitzer weigerte sich, zog vor Gericht - und verlor bisher jeden Rechtsstreit. Mehr als 200.000 Australische Dollar (etwa 140.000 Euro) war ihm das an Gerichts- und Anwaltskosten bislang wert.

Nun will Vu Ho vor das Oberste Gericht in der Hauptstadt Canberra ziehen, berichten australische Medien. Er musste seine Mechanikerwerkstatt schließen und sich selbst vor Gericht vertreten - einen Anwalt kann er sich nicht mehr leisten. "Beim nächsten Berufungsverfahren habe ich die besseren Argumente", sagt er.

Der Fall schlägt Wellen. Die Zeitung "Herald Sun" schrieb, die Stadtverwaltung mache aus einer Mücke einen Elefanten. "Man verwendet keinen Vorschlaghammer, um eine Erdnuss zu knacken - das sollte sogar die Stadtverwaltung von Dandenong kapieren." Die Behörden hätten sich in der Sache Baa lächerlich gemacht, und riskierten im Fall einer Niederlage vor Gericht jede Menge Steuergelder, so die Zeitung. Außerdem gebe es in der Stadt viele Tiere, die weitaus gefährlicher und unangenehmer seien oder von ihren Besitzern viel schlechter behandelt würden als das harmlose Schaf, schrieb das Blatt.

Vu Ho kaufte Schafdame Baa 2001 für umgerechnet 42 Euro. Das Schaf sollte das Gras in seinem Garten und auf der Fläche um seine Werkstatt fressen. Mittlerweile ist Baa 16 Jahre alt, etwa die durchschnittliche Lebenserwartung für ein Schaf.

"Ich glaube, dass mein Fall ein Justizirrtum ist"

"Die Stadtverwaltung versucht, das beste Ergebnis für Schaf Baa zu erreichen", so Bürgermeisterin Angela Long in einer Mitteilung. Das Grundstück sei für die Viehhaltung zu klein und nicht artgerecht, es ist etwa einen halben Hektar groß.

Vu Ho hingegen argumentiert, Baa sei ein Haustier und sollte auch so behandelt werden. Diese Einwände seien bislang vor Gericht nicht beachtet worden, sagt er. Seine 116 Seiten lange Eingabe fand das Lob des höchsten Gerichts im Bundesstaat Victoria, obwohl Vu Ho nur schlecht Englisch spricht und keine höhere Schulbildung besitzt. "Ich habe noch nie eine so gezielte Recherche von einer nicht von einem Anwalt vertretenen Prozesspartei gesehen", so Gerichtspräsident Chris Maxwell.

Vu Ho hat nun knapp zwei Wochen, um seinen Fall schriftlich dem Obersten Gerichtshof Australiens darzulegen. "Ich glaube, dass mein Fall ein Justizirrtum ist", sagte er. "Nun muss das Oberste Gericht eine Entscheidung fällen." Es könnte aber Monate dauern bis das Gericht überhaupt über eine Anhörung entscheidet.

Von Sid Astbury, dpa/aar

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Ein halber Hektar???
Blamage 08.07.2013
Und das soll zu klein sein, um ein Schaf zu halten?
2.
MacGeifer 08.07.2013
halber hektar für ein schaf allein nich groß genug? die sollten vielleicht mal in einen stall der fleischindustrie gucken...
3. Vielleicht sollte man
pedites 08.07.2013
eher darüber nachdenken, dass die Haltung eines einzelnen Schafes eher tierschutzwidrig ist!
4. Halber Hektar
topibur 08.07.2013
Da hat der Autor wohl etwas verwechselt. Im australischen Artikel steht: Mr Ho said he would “fight to the end” to prevent the council taking away his sheep which, according to the council’s local laws, is not permitted to be kept on land less than half a hectare. http://www.dandenongjournal.com.au/story/1608278/baa-and-vu-beaten-but-sheer-determination-will-go-on/?cs=2082
5. Menschenverstand
Malshandir 08.07.2013
Das ist Tierliebe und das es dem Schaf gut geht, das sieht man ja. Ich denke, hier waere anstatt ewigen Herumprozessieren einmal ein Gesprach notwendig gewesen. Ich hoffe, dass Ho gewinnt und danach die Buerger beschliessen, das ie Stadtoberen, die das verbockt ahben, die Kosten schoen privat zahlen sollen.
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Fläche: 7.741.000 km²

Bevölkerung: 22,268 Mio.

Hauptstadt: Canberra

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Regierungschef: Tony Abbott

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