Tierschutz Niederlande verbieten Wildtiere im Zirkus

Zirkusse in den Niederlanden müssen künftig ohne Tiger, Elefanten oder Nilpferde auskommen. Die Regierung hat ein Verbot beschlossen. In Deutschland sind ähnliche Initiativen mehrmals gescheitert.

Zirkus im weißrussischen Minsk: Artgerechte Haltung von Nilpferden sieht anders aus
AFP

Zirkus im weißrussischen Minsk: Artgerechte Haltung von Nilpferden sieht anders aus


Den Haag - Ist es möglich, wilde Tiere wie Löwen oder Zebras in Wanderzirkussen artgerecht zu halten? Viele sind der Meinung, dies sei unmöglich. Die Regierung der Niederlande zieht daraus jetzt die Konsequenz: Zirkusse müssen künftig auf Wildtiere verzichten. Ein entsprechendes Verbot sei vom Regierungskabinett beschlossen worden, teilte das Wirtschaftsministerium in Den Haag am Samstag mit. "Die Gesundheit der Tiere ist wichtiger als ihre Verwendung für Vergnügungen oder das Festhalten an überkommenen Traditionen", sagte Staatssekretärin Sharon Dijksma.

Enge Gehege sowie die für Zirkusse unumgänglichen ständigen Reisen seien für die oft angeketteten Tiere eine Qual. Das Wildtierverbot gilt vom 15. September 2015 an für sämtliche Zirkusveranstaltungen in den Niederlanden.

Verbot in mehreren Ländern

Mehrere europäische Länder haben in den vergangenen Jahren solche Verbote verhängt, darunter Belgien, Österreich und Finnland. In Großbritannien dürfen Zirkusse vom 1. Dezember 2015 an keine Wildtiere mehr halten.

Der Deutsche Tierschutzbund kämpft seit Jahren vergeblich für ein bundesweites Wildtierverbot im Zirkus. Zuletzt hatte der Bundesrat 2011 eine entsprechende Regelung gefordert.

Bislang können in Deutschland nach geltenden gesetzlichen Regeln Einschränkungen erst verfügt werden, wenn die Wildtierhaltung nachweislich "unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden" erfolgt.

wbr/dpa

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Peter Eckes 13.12.2014
1. Und wieder einmal
sind uns die Niederländer meilenweit voraus. (Wenn auch andere schon längst vorangegangen waren) Lange überfällig so ein Verbot. Im Gegensatz zum meisten was sonst noch so verboten ist.
Frokuss 13.12.2014
2. bei Merkel
ist es auch kein wunder, das andere Nationen weitet sind. Die "gute" Frau zeichnet sich auch nur damit aus, das Politik langweiliger ist denn je... Aber das hat sie gut gemacht. Es ist vollkommen richtig, das sowas verpoten wird. es gibt immer noch Zoos, wo man die Tiere begaffen kann..
MoorGraf 13.12.2014
3. wo darf ich unterschreiben?
ich hab nie verstanden, was daran toll sein soll, Tiger durch brennende Reifen springen zu sehen... ja klar, das ist eine Dressierherausforderung, keine Frage. Aber es ist auch nicht so leicht, 12-jährige Kinder zum sorgfältigen Nähen in einer Fabrik zu zwingen und trotzdem kaufe ich (soweit für mich erkennbar) Klamotten, die ohne Kinderarbeit erstellt worden. Wenn ich irgendwas tun kann, damit keine Nilpferde, Elefanten oder sonstige Tiere in Circussen gequält werden, würde ich das gerne machen!
filos eleftherias 13.12.2014
4. Wildtier ist ein menschliches Konstrukt
Alle Tiere stammen von wildlebenden Vorgängern ab, so auch der Mensch. Während ich ein auf konkretes Leid bezogenes Verbot noch halbwegs nachvollziehen kann (befürworten wäre eine Beleidigung meines Intellekts), so ist doch eine Unterscheidung nach Wild-, und als Antonym mitzudenken, oder Haustieren mehr als fraglich. Oder will man uns weismachen, dass Hausschweine angekettet sein wegen der jahrhundertelangen Selektion nicht so sehr als stressig empfinden wie ihre wilden Artgenossen? Aber sachliche Überlegungen sind den selbsternannten Ökos ja schon immer fremd gewesen, handelt es sich bei den Initianden dieses Gesetzes um die selbe Art von Leuten, die zwischen "pflanzlichen" und "chemischen" Inhalten, "genmanipulierten" und "biologischen" Landwirtschaftsprodukten, sowie "Natürlichen Heilmethoden" und "Schulmedizin" unterscheiden und, stets am chronischem Bambisyndrom leidend, dem "Natürlichen" blind den Vorzug geben.
Werner_Holt 13.12.2014
5.
Diese schon krankhaft zu nennende bilderstürmerische Politische Korrektheit der einheimischen Gutmenschen nimmt immer verheerendere Ausmaße an. Nach die Menschheit seit vielen Hundert Jahren Tiere dressiert und zum eigenen Nutzen gehalten hat, entdeckt man jetzt auf einmal, daß das alles nicht "artgerecht" ist und verbietet es auf einmal. Der Gutmensch ist im Grunde immer ein "Bessermensch", d.h., er weiß immer besser als alle anderen, was gut für diese ist. Das, was unter "gut" oder "böse" zu verstehen ist, definiert er natürlich immer selbst.
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