Gesägt, getan

Gesägt, getan Zu Gast bei Profis

Tischchen Marke Eigenbau
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Tischchen Marke Eigenbau

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Ein Projekt bringt den Heimwerker an seine Grenzen. Er sucht Hilfe bei Profis. Baut mit ihrer Hilfe einen kleinen Tisch. Und erlebt gleich mehrere Offenbarungen.

Staub schwirrt durch die Luft, auf dem Boden häufen sich Sägespäne, und im Hintergrund surren die Exzenterschleifer: Hier fühle ich mich wohl. Ich stehe in einer Werkstatt und baue einen Beistelltisch aus Holz. An solch ein Projekt hätte ich mich allein kaum herangewagt.

Dass der Tisch inzwischen bei mir zu Hause steht, habe ich im Grunde genommen meinen mehr oder weniger gescheiterten Versuchen zu verdanken, eine Schwalbenschwanzverbindung herzustellen. Mehrere Leser, darunter auch Tischlermeister, rieten mir danach, mich doch einmal an Leute zu wenden, die mehr von der Sache verstehen als ich. Ein Leser meinte, so lasse sich den Betrachtern künftiger Projekte vielleicht ein "wohlwollendes Nicken" entlocken.

Auf meiner Mission "Nicken statt Kopfschütteln" habe ich Dietrich Sümmermann kennengelernt. Er ist passionierter Hobbybastler und bietet unter dem Namen "Dein Tagewerk" im westfälischen Ort Frömern Tischlerkurse an.

"Dein Tagewerk"-Werkstatt
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"Dein Tagewerk"-Werkstatt

Die Kursleiter sind Profis, schließlich sollen die Teilnehmer etwas lernen. Die Maschinen sind so ausgewählt, dass sie auch in der Werkstatt eines ambitionierten Hobbytischlers zu finden sein könnten - schließlich hat kaum jemand zu Hause Zugang zu einer Profi-Werkstatt oder Platz und Geld, eine einzurichten.

Auch mit dem besten Werkzeug kann man schlecht arbeiten

Die Werkstatt von "Dein Tagewerk" ist in einem alten Kornspeicher untergebracht. Dort habe ich einen Tag lang gemeinsam mit vier anderen Hobbybastlern gesägt, gefräst, gebohrt, geleimt und geschliffen.

Die anderen standen mehr unter Druck als ich, hatten sie doch den Kurs von ihren Partnerinnen geschenkt bekommen - und die wollten Ergebnisse sehen. Da war es gut, dass mit Zimmerermeister Jan und Tischlergeselle Bobby zwei Kursleiter für fünf Teilnehmer zur Verfügung standen. Von solchen Betreuungsschlüsseln können Kitas nur träumen.

Meine erste Erkenntnis kam schon nach dem ersten Sägeschnitt: Auch mit dem besten Werkzeug kann man schlecht arbeiten. Schräg abgesägt. Zu Hause wären zu dem Zeitpunkt möglicherweise schon Frust und Hilflosigkeit über mich gekommen. Im Kurs gab es zum Glück zwei Profis, die wissen, wie man Fehler korrigiert. Rechte Winkel sucht man bei meinem Tischchen jedenfalls nicht vergeblich.

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Projekt Tischbau: Der Korpus

Ich habe schon mal gehört, dass Leute beim Arbeiten in einen tranceartigen Zustand geraten. Dann geht alles quasi wie von selbst, die Arbeit gleicht einem Erweckungserlebnis. So ähnlich ging es mir, als ich mit meinen Holzteilen am Frästisch stand. Wie sauber sich der Fräskopf ins Holz arbeitete! Und wie einfach das dank einer von Jan hergestellten Schablone ging!

Nachdem ich bei meinen eigenen Versuchen viele Stunden lang von Hand an Schwalbenschwänzen und Zinken gearbeitet hatte, war die Fräserei wirklich eine Offenbarung. Vor allem, weil die Eckverbindungen nach dem Zusammenleimen und Schleifen besser aussahen, als ich es mir je hätte träumen lassen. (Und weil Jan und Bobby Tipps wussten, wie man kleinere Fehler geschickt kaschieren kann. Ich sage nur: Leim auf die Problemstelle und nachschleifen. Das wirkt Wunder.)

Die nächste Offenbarung gab es bei der Herstellung der Tischbeine. Rückblickend frage ich mich, wie ich bislang ohne Oberfräse auskommen konnte. In diesem Fall war sie nicht unter einen Frästisch montiert, sondern wurde von Hand geführt.

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Projekt Tischbau: Die Beine

Die Fräse machte aus vier Fichtenbrettstücken Tischbeine, die meiner Meinung nach ohne Probleme auch als Handschmeichler durchgehen würden. Ich musste mir eingestehen, dass ich all die Jahre gestümpert hatte bei meinen Versuchen, fiese Kanten mit Schleifpapier und Feile in schmucke Rundungen zu verwandeln.

Ich hatte auch gedacht, es sei quasi ein Ding der Unmöglichkeit, ohne eine einzige Schraube einen stabilen Tisch zu bauen. Im Kurs wurde klar, dass im Zweifelsfall ein paar sauber gebohrte Löcher, etwas Leim und Holzdübel vollkommen ausreichen.

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Projekt Tischbau: Der Zusammenbau

Als mein Tischchen schließlich fertig dastand, stieg in mir ein Gefühl auf, wie es wohl Eltern haben, deren Kind nicht mehr auf ihre Unterstützung angewiesen ist: Guck mal, jetzt steht der Kleine ganz auf eigenen Beinen.

Ich war stolz auf mein Baby. Und dachte: Noch wirkt es etwas blass. Es soll glänzen! Zu Hause habe ich noch mal fein nachgeschliffen und dann geölt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, finde ich. Und das Schönste: Es gab nicht nur von mehreren Betrachtern wohlwollendes Nicken. Sondern auch Bestellungen für weitere Tischchen.

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Projekt Tischbau: Das Finish

Diese Materialien und Werkzeuge wurden benutzt:

  • 2 Leimholz-Eichenplatten 80 x 40 x 2 cm
  • 1 Fichtenbrett
  • Zollstock, Winkel, Stift
  • Tauchkreissäge + Führungsschiene
  • Oberfräse (mit und ohne Frästisch)
  • Kappsäge
  • Exzenterschleifer + Hand-Schleifpapier
  • Hobel
  • Akkuschrauber + Holzbohrer
  • Holzhammer
  • Schraubzwingen
  • Leim
  • DPA
    Als Kind stellte er im heimischen Keller Holzschwerter in Massenproduktion her. Heute prüft er mit der Wasserwaage, ob der Haussegen schief hängt. SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Benjamin Schulz ist Bastler aus Leidenschaft und Notwendigkeit. Er hat wenig Erfahrung und keine Fachkenntnis, dafür fehlt ihm oft das passende Werkzeug.
  • Im Blog "Gesägt, getan" schreibt er über seine Basteleien und den mühsamen Weg zur Heimwerker-Erleuchtung.

  • E-Mail an den Autor
Benjamin Schulz auf Twitter:

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19 Leserkommentare
Papazaca 16.03.2017
Referendumm 16.03.2017
jamguy 16.03.2017
Stäffelesrutscher 16.03.2017
napoleonwilson 16.03.2017
frank_w._abagnale 16.03.2017
fundador 16.03.2017
ser4t 16.03.2017
globalworker 16.03.2017
see_baer 16.03.2017
marcus_tullius 16.03.2017
Abel Frühstück 17.03.2017
TS_Alien 17.03.2017
poetdale 17.03.2017
Blattmann 17.03.2017
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eisfuchs 17.03.2017

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