Titeltraum in Spanien: Im Bann von Rot-Gelb-Rot
Rot-gelb-rote Flaggen an den Balkonen, den Sieg vor Augen: Spanien sehnt das Endspiel gegen die Niederlande herbei. Dass die Nationalmannschaft den Cup holt, bezweifelt kaum jemand. Villa und Co. verzaubern das ganze Land - selbst die sonst skeptischen Katalanen und Basken lassen sich mitreißen.
Das war jetzt echt nicht nötig. Elena Facio raucht eine Zigarette, vor ihr stehen ein Toast und Marmelade. Die Nacht in den Bars von Madrid endet für sie und ihre vier Freunde an einem Cafétisch voller Tassen und Bierflaschen. Und dann sagt eine Freundin: Sie glaube nicht, dass Spanien gewinnt.
"Hört nicht auf sie", ruft Elena. "Sie versteht nichts von Fußball!" Ein Mann auf der anderen Seite des Raums singt: "Yo soy español." - "Ich bin Spanier." Draußen kickt jemand eine Bierdose durch die von der Morgensonne erleuchtete Straße. Eine Vuvuzela trötet.
Heute ist ein Tag, um Weltmeister zu werden.
Die elegante Nationalelf begeistert das Land. Spanien wird gewinnen, darin sind sich fast alle einig, vielleicht bis auf Elenas Freundin - von Kindern und Kneipengästen bis hin zur Königin. Wer wollte der "roten Furie", wie die Mannschaft hier genannt wird, den Sieg nehmen? Diese Niederländer etwa?
Selbst die Götter hüllen sich in Rot-Gelb-Rot. Um die Schulter und Hüften von Neptun, der über einem Brunnen im Zentrum von Madrid thront, ist eine spanische Flagge geknotet. Auch die Statue auf dem Cibeles-Platz im Herzen der Stadt ist geschmückt. Hier sollen am Abend Fans im Glück entlangtaumeln, das ist der Plan, besser: Das ist der Traum.
Die Eisengitter vieler Balkone sind in Nationalfarben gehüllt. "Unsere Fußballmannschaft eint Spanien", sagt Elena Facio. Sie arbeitet als Dolmetscherin und hat auch in Deutschland gelebt. Ein bisschen ähnlich seien sich die Länder. Wenn früher jemand Flagge zeigte, beschlich die meisten ein komisches Gefühl. "Nationalist", dachten viele Spanier. Besonders Katalanen und Basken wehren sich gegen "Zentralspanien", wie sie die Regierung in Madrid nennen, und pochen auf ihre Unabhängigkeit. Erst am Samstag forderte mehr als eine Million Menschen in Katalonien mehr Autonomie.
Und doch: Andrés Iniesta, Carles Puyol und Xabi Alonso schaffen, was der Politik seit Jahrzehnten nicht gelingt. Das ganze Land feiert zusammen. "Jetzt sind alle Spanier, jetzt sind alle stolz", sagt Juan Antonio Gallego, der mit Facio Kaffee trinkt. Auch Bilbao und Barcelona schmücken sich mit Flaggen. "Wenn wir nicht aufpassen, hängen von den Balkonen mehr spanische als katalanische Fahnen", sagte besorgt der Vizepräsident der Regionalregierung, Josep-Lluis Carod Rovira, vor der Demonstration am Samstag.
74 Prozent der Fernsehzuschauer in Katalonien sahen das Halbfinale. Zum ersten Mal haben die Behörden in Barcelona eine große Leinwand aufgestellt, auf der das Endspiel übertragen wird. Gegen die Furie kommt seit dem Europameistertitel 2008 eben keiner an.
Gegenüber der Bar, in der Facio und Gallego ihren Kaffee trinken, haben sich Einheimische und Touristen im "Futbol House" am Vortag noch rechtzeitig mit WM-Accessoires versorgt. Wie könnten sie dem "¡¡¡Angebot!!! Zwei Nationaltrikots für 25 Euro" widerstehen? Das Geschäft geht gut, noch besser als vor zwei Jahren, auch wenn man dafür sieben Tage die Woche aufmacht.
Die Angestellten des Ladens drucken Nummer und Name selbst auf den Stoff, eine Sache von fünf Minuten. Am besten verkaufen sich David Villa und Fernando Torres, und so streifen lauter Villas und Torres durch Madrid - sie rudern auf dem See im Parque del Retiro, sie essen Eis am Brunnen der Puerta del Sol, sie drängen sich durch die heißen Gassen der Hauptstadt.
Manchmal laufen auch Puyols vorbei, nur ohne die Bobtail-Frisur. Puyol, der Torschütze gegen Deutschland, ist Kapitän des FC Barcelona - jener Mannschaft, in deren Stil die Nationalelf spielt. Auch das ist einer der Gründe, warum die Katalanen neuerdings so begeistert sind. Auf den Ramblas in Barcelona, wo sonst jeder Sieg in der Liga über Real Madrid wie ein Champions-League-Pokal gefeiert wird, tanzen die Menschen nun für die Nationalelf.
So manchen Kommentator bringt das in Gewissensnöte. In der katalanischen Tageszeitung "El Punt" rang eine Journalistin mit sich, ob sie denn mit der Nationalelf fiebern könne, wenn doch "Spanien" den Fußball immer "für seine nationalistische Propaganda" nutze. Ein Kollege sah's nicht ganz so eng: "Die Katalanen sind der Motor der Mannschaft, so wie Katalonien für Spanien." Und der in Barcelona lebende Schriftsteller Sergi Pàmies findet: "Die heutige Auswahl trägt die Handschrift Real Madrids aus besseren Zeiten, umgesetzt von den besten Spielern Barcelonas."
Krise? Welche Krise?
Rot-Gelb verdrängt nicht nur für kurze Zeit die Regionenkonflikte, sondern auch Arbeitslosigkeit und Rekordschulden - selbst wenn die Wirtschaft sich noch lange nicht erholt hat. Und Rot-Gelb kann man ja auch wirtschaftlich nutzen, hat sich Josué Reyes gedacht. Er stammt aus Mexiko, ist Koch und Patissier, und arbeitet bei einer Konditorei in dem Madrider Nobelmarkt San Miguel. Aus Karamell hat er kleine Spanien-Fähnchen geformt, die er auf Zahnstocher gesteckt und in Zellophan-Papier eingepackt hat.
150 Stück mit Geschmacksrichtung Mango hat er in den vergangenen drei Tagen verkauft. "Natürlich will ich damit auch die Nationalelf unterstützen", sagt Reyes. "Aber ein Geschäft zu machen ist auch nicht schlecht." Die Fähnchen stecken auch in rot-gelb-rot überzogenen Törtchen. Fairerweise hat Reyes dazu noch niederländische Fähnchen kreiert. Außerdem im Angebot: Fußbälle aus Marshmallow-Masse.
Ob der spanischen Wirtschaft ein WM-Titel hilft? Reyes ist skeptisch. "Ein paar Wochen werden alle euphorisch sein, aber danach? Das Gefühl, die Besten der Welt zu sein, ändert nicht die Lage im Land."
Auch die Nachtschwärmer glauben nicht an ein Wirtschaftswunder nach dem Fußballwunder. "Jeder weiß, dass es Probleme gibt. Aber wenigstens sind wir jetzt so fröhlich, dass wir sie besser angehen können", sagt Elena Facio, bevor sie ihren Kaffee bezahlt und ins sonnige Madrid entschwindet.
Jetzt müssen sie erst mal schlafen. Denn bald geht es endlich los.
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live über die WM in Südafrika:
Bevölkerung: 46,196 Mio.
Fläche: 505.988 km²
Hauptstadt: Madrid
Staatsoberhaupt: König Juan Carlos I.
Regierungschef: Mariano Rajoy
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Doch die Republikaner wehrten sich und verteidigten die Regierung: Auf der Seite der "Roten" kämpften Kommunisten, Sozialisten, Liberale und antifaschistische "Internationale Brigaden". Sie wurden unterstützt von der Sowjetunion. Der Bürgerkrieg wurde auf beiden Seiten mit einem Höchstmaß an Einsatzbereitschaft, aber auch an Brutalität geführt.


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