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Tod im Death Valley: Vermisste Dresdner nach 13 Jahren gefunden

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13 Jahre nach ihrem Verschwinden scheint das Schicksal einer Dresdner Familie geklärt. Im US-Nationalpark Death Valley sind menschliche Knochen gefunden worden, ein deutscher Ausweis lag in der Nähe. 1996 hatte sich nur wenige Kilometer nördlich die Spur des Paares und ihrer Söhne verloren.

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Vermisst im Death Valley: Rätsel nach 13 Jahren gelöst
Death Valley - Das Death Valley kennt keine Gnade. Wer in dem kalifornischen Nationalpark verloren geht, hat ohne Wasser kaum Chancen, auch nur einen Tag zu überleben. Regelmäßig herrschen hier in der Mojave-Wüste Temperaturen von mehr als 50 Grad Celsius. Erst im August verdurstete ein elfjähriger Junge aus Las Vegas bei einem Ausflug mit seiner Mutter ins Tal des Todes.

Bei solch extremer Hitze verirrte sich im Sommer vor 13 Jahren auch eine Familie aus Dresden - nur ihr Mietwagen fand sich Monate später, von dem Paar und den beiden Jungen fehlte jede Spur.

Am Freitag fanden zwei Wanderer menschliche Knochen in einem abgelegenen Gebiet des Tals, das sonst nur für Geländewagen mit Vierrad-Antrieb zugänglich ist. Die kalifornische Polizei sei "relativ sicher", dass es sich um die sterblichen Überreste eines oder mehrerer der Vermissten handele, sagte die Sprecherin des Sheriffs von Inyo County, Carma Roper. In der Nähe sei einer ihrer Ausweise gefunden worden.

Es wäre eine Erleichterung, wenn das Rätsel endlich gelöst wäre, sagte Roper: "Ich weiß, dass eine Menge Menschen viel Zeit, Energie und Gefühle investiert haben, um den Fall aufzuklären." Die Identifizierung sowie die Bestimmung der Todesursache werde jedoch noch längere Zeit dauern. Hinweise auf eine Gewalttat gebe es derzeit nicht.

Fernab von gängigen Besucherpfaden

Zuletzt waren Cornelia Meyer, damals 27, ihr vierjähriger Sohn Max, ihr Lebensgefährte, der Bauunternehmer Egbert Rimkus, 34, und dessen zehnjähriger Sohn Georg Weber am 22. Juli 1996 gesehen worden. Die vier waren zwei Wochen zuvor in Los Angeles angekommen und tourten mit ihrem grünen Plymouth-Voyager-Minivan Richtung Las Vegas, wo sie nach einer Nacht in dem kinderfreundlichen Hotel "Circus, Circus" auscheckten - und verschwanden. Am 26. Juli sollten sie in einer Lufthansa-Maschine gen Frankfurt sitzen, doch dort kamen sie nie an.

Am selben Tag meldete die Mietwagenfirma in Los Angeles den Minivan als vermisst, die Polizei von Inyo County nahm Ermittlungen auf. Spuren der deutschen Touristen fanden sie in einem Gästebuch im verlassenen "Warm Spring Mining Camp". "Wir werden über den Pass fahren", schrieb die Familie, "Conny, Egbert, Georg, Max". Sie könnten den Mengel-Pass gemeint haben, eine Schotterstraße, die den unwirtlichen Panamint-Gebirgszug quert. Längst waren die vier in einer einsamen Gegend unterwegs, trotz Warnschilder fernab von den gängigen Besucherpfaden und gut zu befahrenen Straßen.

Erst vier Monate später, Ende Oktober, wurde der abgesperrte Plymouth von einem Aufklärungsflugzeug der US-Armee entdeckt, festgefahren im Anvil Spring Canyon, umgeben von rund 900 Meter hohen Bergen. Drei Reifen des Kleinbusses waren zerfetzt, der vierte hatte sich von der Felge gelöst. Im Innenraum fanden die Ermittler belichtete Filme, Schlafsäcke, leere Wasserflaschen, ein Informationsheft des Nationalparks und eine amerikanische Flagge, die offensichtlich aus einem Steinhäuschen in Butte Valley, acht Kilometer entfernt, stammte.

Rimkus' Mutter: "Er suchte schon immer seine Grenzen"

Nur von dem verirrten Paar und ihren Söhnen, die sich wohl zu Fuß retten wollten, war nichts zu sehen. 45 Einsatzkräfte suchten vergeblich mit vier Hubschraubern und zu Pferd nach den Dresdnern. Nur eine leere Bierflasche zeugte von der Richtung, in der die Deutschen verschwunden waren. Sie schafften es nur wenige Kilometer weit gen Süden, dort im Gebiet von Goler Wash wurden ihre mutmaßlichen Überreste gefunden.

Der Fall der vier verschwundenen Sachsen beschäftigte immer wieder die deutschen Medien. Im vergangenen Jahr berichtete die "Sächsische Zeitung" von einem Hinweis, nach dem Rimkus und der Sohn seiner Freundin in Jamaika vermutet wurden. Doch die US-Behörden hätten auch dort keine Spur gefunden. In der "Bild"-Zeitung beschrieb Rimkus' Mutter 1996 ihren Sohn als waghalsigen Menschen: "Er liebt das Extreme, suchte schon immer nach seinen Grenzen." Auch seine Freundin Cornelia schien abenteuerlustig: Sie hatte laut "Bild" zu DDR-Zeiten Russland im Trabi durchquert.

Das Death Valley konnten sie nicht bezwingen.

Mit Material von AP

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